Klinikum Lüdenscheid

Innere II - die Klinik rund um die Atmung

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Professor Dr. Joachim Lorenz im Schlaflabor des Klinikums Lüdenscheid. An vielen Computerbildschirmen überwachen die Mitarbeiter des Klinikdirektors der Innen II jede Sekunde des Schlafs der Patienten.

Lüdenscheid - Die Lüdenscheider Nachrichten stellen im Rahmen einer Serie alle Fachkliniken des Klinikums Lüdenscheid vor. Dabei werden Einblicke in die Arbeit der Mediziner und Pflegekräfte gegeben. Der dritte Teil widmet sich der Inneren II - der Klinik rund um die Atmung.

"Wir sind die Hauptdienstleister im Haus“, erklärt Professor Dr. Joachim Lorenz. Als Chef der Klinik für Pneumologie, Internistische Intensivmedizin, Infektiologie und Schlafmedizin decken Joachim Lorenz und sein Team einen großen Bereich der Medizin ab. Lungen- und Bronchialerkrankungen wie Entzündungen, Asthma und Karzinome, die Schlafapnoe, seltene Infektionskrankheiten, die Verantwortung für die Notaufnahme und die internistische Intensivmedizin – all das und noch viel mehr fällt in den Tätigkeitsbereich der Klinik, die am Klinikum Lüdenscheid unter der Kurzform „Innere II“ firmiert.

Ein großes Thema ist Schlafapnoe

Ein großes Thema für Joachim Lorenz, das ihn und sein Team in den vergangenen Jahren verstärkt beschäftigt hat, ist die Schlafapnoe. Der betroffene Patient hört für eine kurze Zeit auf zu atmen. Die Länge und die Häufung dieser Aussetzer seien individuell verschieden, erklärt Joachim Lorenz. „Der Patient merkt bewusst nichts von diesen Zuständen. Wenn der Körper Alarmsignale an das Atemzentrum sendet, setzt der Atem mit ein paar tiefen Atemzügen wieder ein. Für einen ganz kurzen Augenblick wird der Patient dann auch wach – aber er kann sich am Morgen nicht mehr daran erinnern“, erklärt der Mediziner.

Den Lungenfunktionstest führt die medizinische Fachangestellte Evelyn Schmidt durch.

Darin liege auch die Gefahr: „Warum sollte man zum Arzt gehen, wenn man gar nicht weiß, dass man ein Problem hat?“ In den meisten Fällen seien es die jeweiligen Lebenspartner, die aufmerksam würden: „Sie haben dann Angst und schicken die Männer zum Arzt.“ Tatsächlich sind deutlich mehr Männer von dem Krankheitsbild betroffen. „Es sind 60 Prozent der Patienten“, berichtet Joachim Lorenz.

Im Schlaflabor wird jeder Atemzug überwacht

Kommt ein Patient mit dem Verdacht auf Atemaussetzer ins Klinikum, muss er für eine Nacht oder mehrere Nächte sein eigenes Bett mit einem im Schlaflabor tauschen. Dort steht er unter ständiger Beobachtung. An Computermonitoren sitzen die Ärzte, die jede Sekunde des Schlafes, jeden Atemzug und jede Veränderung registrieren und überwachen.

Langwierig sei der Weg zur Diagnose nicht, stellt Joachim Lorenz heraus: „Wir kommen in diesem Bereich mit einer kurzen Aufenthaltsdauer aus.“ Für Patienten, die an einer obstruktiven Schlafapnoe leiden, reiche es aus, eine Atemmaske, verbunden mit einem kleinen Druckgerät, zu bekommen, die sie nachts tragen müssen „Die Maske sorgt dafür, dass der Überdruck konstant bleibt und der Patient regelmäßig atmet“, erklärt Joachim Lorenz.

Bei einer zentralen Schlafapnoe sei die Diagnosestellung etwas langwieriger und die Behandlung ein wenig aufwändiger. „Hier haben wir es mit einer Störung im Gehirn zu tun. Werden die Beschwerden nicht behandelt, kommt es in diesen Fällen durch den Sauerstoffmangel unter den Atemaussetzern zu weiteren Organschäden“, berichtet Joachim Lorenz.

Mehr als 400 Fälle von Lungenentzüdungen pro Jahr

Menschen mit Lungenerkrankungen finden ebenfalls den Weg in die Klinik „Innere II“. „Wir behandeln jährlich mehr als 400 Patienten mit einer Lungenentzündung. Das ist immer noch eine schwere Erkrankung, die in sechs Prozent der Fälle zum Tode führt. Die schlimmste Ursache einer Lungenentzündung ist eine Blutvergiftung“, erklärt der Klinikchef. Ein weiteres Arbeitsfeld: die chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Dazu zählen in erster Linie die chronisch-obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem – Krankheiten, an denen überwiegend Raucher erkranken. Joachim Lorenz erklärt die Behandlungsmethode: „Bei einer so gearteten, schweren Bronchitis können wir mit endoskopischen Maßnahmen die Lunge entblähen. Das schafft Linderung.“

Klinikchef Joachim Lorenz mit Funktionsoberärztin Andrea Piepenstock (Mitte) und Sandra Kauert (Fachärztin für Innere Medizin).

Neben diesen gängigen Erkrankungen haben es Joachim Lorenz und sein Team immer wieder auch mit Patienten zu tun, die an einer seltenen Lungenerkrankung leiden. „Manchmal gibt es in unserer Region nur ein bis zehn andere Fälle, in denen die jeweilige Erkrankung auftritt. Solche Patienten sehe auch ich nur alle zehn Jahre oder ein Mal im Leben“, berichtet Joachim Lorenz. Um auch diesen Menschen die optimale Versorgung angedeihen lassen zu können, sei es in der heutigen Zeit wichtig, als Fachklinik in einem Netzwerk mit anderen Kliniken organisiert zu sein, erklärt der Mediziner.

Erfahrungsaustausch  im ‘Orphan Net’

„Wir sind Mitglied im sogenannten ‘Orphan Net’ (Waisen-Netzwerk), das sich ausschließlich mit sehr seltenen Lungenerkrankungen beschäftigt. Man braucht Synergieeffekte. Man muss auf die Erfahrungen und die Kompetenz der anderen Netzwerkmitglieder zählen und zurückgreifen können – für das Wohl des Patienten“, macht Joachim Lorenz die Bedeutung dieser Netzwerke deutlich.

Intensivmedizin als große Aufgabe

Ein weiterer Bereich der Arbeit von Joachim Lorenz ist die Intensivstation: „Vom Kreislaufschock bis zur Sepsis, von Gefäßverschlüssen bis zur Lungenembolie – wir kümmern uns um Patienten, die akut und lebensgefährlich erkrankt sind.“ Mit 25 Betten ist die Intensivstation am Klinikum groß. Mindestens zwei Ärzte kümmern sich im 24-Stunden-Dienst um die Patienten. Insgesamt betreuen zwölf Ärzte die Station. „Entsprechend groß ist natürlich auch die Anzahl der Pflegekräfte“, fügt Joachim Lorenz hinzu. Die Intensivmedizin sei eine große Aufgabe, die immer neue Herausforderungen an Ärzte und Pflegekräfte stelle, betont Joachim Lorenz: „Aber wir nehmen diese Aufgabe gerne an.“

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