Serie zum Klinikum Lüdenscheid

Revolution beim Chemo-Angriff

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Kerstin Böhme, Fachschwester für Onkologie, bereitet unter anderem Chemo-Infusionen für die Patienten vor.

Lüdenscheid - Die Lüdenscheider Nachrichten stellen im Rahmen einer Serie alle Fachkliniken des Klinikums Lüdenscheid vor. Der 28. und letzte Teil widmet sich der Klinik für Hämatologie und Onkologie.

Als einzelner Arzt kann (und muss) man nicht alles wissen. Aber innerhalb eines Netzwerkes, in dem sich Profis in einem ständigen Austausch befinden, können die Patienten darauf bauen, dass für sie die optimalen Diagnostik- und Therapie-Möglichkeiten gefunden werden. Solche Kooperationen helfen Prof. Dr. Gerhard Heil, Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie, die medizinischen Revolutionen, die in den vergangenen Jahren sein Fachgebiet nachhaltig umgewälzt haben, auch in Lüdenscheid zu verwirklichen.

Spezialisten und High-Tech

Professor Dr. Gerhard Heil leitet die Klinik für Hämatologie und Onkologie am Klinikum Lüdenscheid.

Mitentscheidend dafür sind zwei verlässliche Größen in seiner Klinik in Hellersen: ein Team von Spezialisten und eine Ausstattung auf High-Tech-Niveau. Eingebunden ist die Abteilung in die Innere Medizin. „Das betont den internistischen Charakter“, so Prof. Heil. Das zu behandelnde Feld ist dabei weit gesteckt und reicht von gut- bis bösartigen Bluterkrankungen, von Gerinnungsstörungen bis zu Tumorleiden. „Wir decken das gesamte Spektrum ab und haben dabei den ehrgeizigen Anspruch, unseren Patienten die bestmöglichen Chancen zu geben.“ Die sind in den vergangenen zehn bis 15 Jahren rasant gestiegen.

Ganz neue Therapieansätze

„Wir haben unglaubliche Fortschritte erlebt, die uns ganz neue Therapieansätze gestatten.“ So werden heute zum Beispiel gegen Dickdarmtumore gezielt Substanzen eingesetzt, die das Wachstum des Tumors bremsen. „Damit entziehen wir die Basis für eine weitere Ausbreitung.“ Erfolgreiche Behandlungsmethoden haben die Mediziner auf diese Weise auch gegen den bis dahin unbezwingbaren Leberkrebs entwickelt.

Verzicht auf "Chemo" bei CML

„Sensationelle Ansätze“ sieht der Klinikdirektor heute in der Versorgung bei „chronischer myeloischer Leukämie“ (CML). „Wir können inzwischen sogar auf eine Chemotherapie verzichten. Vor 20 Jahren wäre allein so eine Vorstellung noch völlig verrückt gewesen.“ Bei dem Krankheitsbild handelt es sich um eine seltene Form von Blutkrebs.

Medikamente blockieren Eiweiß-Moleküle

Bei den Patienten (etwa zwei bis drei auf 100.000 Einwohner) kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung von weißen Blutkörperchen. Heute können die Ärzte mit Hilfe von Medikamenten Eiweiß-Moleküle blockieren und sogar ganz abschalten. „Über die Kenntnis bestimmter Gen-Veränderungen können wir ansetzen und wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen.“

Spektrum erweitere sich wöchentlich

Vom akuten Blutkrebs bis zur banalen Blutbildveränderung erweitere sich das Spektrum fast wöchentlich, so Prof. Heil. Deshalb sei die Onkologie der Märkischen Kliniken in ein universitäres Netzwerk mit Essen und vor allem Düsseldorf eingebunden. Diese Partnerschaft ermögliche Tag und Nacht lebenswichtige Therapievorschläge. „Wären wir auf uns allein gestellt, könnten wir diese komplexen Aufgaben gar nicht bewältigen. Deshalb ist dieses Netzwerk ein unglaublicher Zugewinn.“

Partner der Uni-Klinik Düsseldorf

Da kommt dem Klinikchef seine eigene Vergangenheit zugute. Vor Hellersen stehen 13 Jahre Uni-Klinik Ulm und weitere sieben Jahre an der Medizinischen Hochschule Hannover in seinem beruflichen Lebenslauf. „Dort lernt man bestimmte Arbeitsweisen und die entscheidenden Ratgeber kennen.“ Dass die Klinik für Hämatologie und Onkologie seit Ende vergangenen Jahres Vertragspartner des Tumorzentrums der Uni-Klinik Düsseldorf sei, bedeute für die Patienten hier vor Ort einen ganz wichtigen Schritt. „Es funktioniert hervorragend.“

Bewusstsein für Vorsorge fehlt völlig

Birgit Trebing-Luckas, Studienkoordinatorin der Klinik, leitet Knochenmark- oder Blutproben an universitäre Zentren weiter. Dort werden Spezialuntersuchungen vorgenommen.

Ein ständiger Wegbegleiter in der Krebsbehandlung ist die Chemotherapie. Allein das Wort verbreitete in der Vergangenheit Angst und Schrecken. Sie wird benötigt, um vor Operationen den Tumor zu verkleinern, (neoadjuvante Therapie), um als Nachbehandlung die Prognose zu verbessern (adjuvante Therapie) oder um als palliative Behandlung das Leben zu verlängern. „Früher gehörten zur Chemotherapie regelrechte Horrorszenarien. Den Chemo-Infusionen in dunklen Zimmern folgte eine nicht enden wollende Übelkeit.

Behandlungsschema revolutioniert

Das Behandlungsschema hat sich vollständig revolutioniert. Die Belastungen konnten extrem reduziert werden. Durch die moderne Behandlung ist es nicht nur gelungen, die Lebensdauer zu verlängern, sondern auch die Lebensqualität zu erhöhen.“ Das Stigma des Haarausfalls lasse sich jedoch nicht vermeiden.

Psychologische Betreuung unverzichtbar

Die Diagnose Krebs stelle das Leben vor unvorstellbare Herausforderungen – manchmal vor unlösbare. Deshalb sei eine psychologische Betreuung in vielen Fällen unverzichtbar. „Lassen Sie sich helfen“, appelliert der Klinikdirektor an Betroffene.

Geriatrische Onkologie

Völlig neue Dimensionen sieht Prof. Heil in der geriatrischen Onkologie auf das Gesundheitswesen zukommen. „Jeder will alt werden, keiner will alt sein. Aber wie gehen wir mit hochaltrigen Menschen um? Wen behandele ich wie? In diesem Spannungsfeld stehen wir noch ganz am Anfang.“ Doch die Probleme fangen schon viel früher an. „Vielen Menschen fehlt das Bewusstsein für Vorsorge völlig“, weiß Prof. Heil. „Sie wird nicht wahrgenommen und damit ist eine große Chance vertan.“

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