Klinikum Lüdenscheid

Klinik für Urologie: „Hurra, wir können helfen!“

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Der Laser ist ein Arbeitsgerät, das Professor Dr. Stefan Hautmann nicht missen möchte. Gut geschützt mit der Spezialbrille setz t er das Gerät zum Beispiel bei der Behandlung von gutartigen Prostatavergrößerungen ein.

Lüdenscheid - Die Lüdenscheider Nachrichten stellen im Rahmen einer Serie alle Fachkliniken des Klinikums Lüdenscheid vor. Dabei werden das jeweilige Leistungsspektrum aufgezeigt und Einblicke in die Arbeit der Mediziner und Pflegekräfte gegeben.  Der zweite Teil befasst sich mit der Urologie.

„Die Urologie ist ein kleines Fach“, erklärt Professor Dr. Stefan Hautmann. Nur zwei Prozent aller Ärzte weltweit seien in diesem Fachbereich tätig. Auch am Klinikum Lüdenscheid sei dies so, aber: „Für ein so kleines Fach haben wir hier viele Patienten“, erklärt Stefan Hautmann, der der Klinik für Urologie am Klinikum Lüdenscheid als Leiter vorsteht. Rund 2000 Patienten werden im Jahr stationär behandelt, dazu kommen 600 Kinder und 3000 Erwachsene als ambulante Fälle.

„Letztlich landen alle Männer beim Urologen"

Arbeitslos – nein, das werde er wohl nie, lacht Stefan Hautmann: „Letztlich landen nämlich alle Männer beim Urologen, wenn sie nur alt genug werden. Und das ist heutzutage der Fall. Wir können sicher sein, dass sich jeder Mann irgendwann in seinem Leben bei einem Urologen vorstellen muss. Wir müssen uns nur ein bisschen in Geduld üben, denn Männer sind ja erwiesenermaßen Vorsorgemuffel.“ Nur zehn Prozent gehen regelmäßig zu den empfohlenen Untersuchungen. „Eigentlich sehen wir die Patienten immer zu spät“, erklärt Stefan Hautmann.

"Prostatakrebs muss oft nicht behandelt werden"

90 Prozent aller Männer über 80 Jahre haben Prostatakrebs. Angst vor dieser Diagnose müsse man als Patient aber nicht per se haben. „Der Prostatakrebs muss oft nicht behandelt werden. Der Krebs verdoppelt sich in der Größe nur alle acht Jahre – also langsam. Viele Männer können damit gut leben“, weiß Stefan Hautmann zu berichten. Und so rät er auch, bei Vorsorgeuntersuchungen im Falle einer Diagnose „Prostatakrebs“ den gesunden Mittelweg einzuschlagen. „Zu viel Vorsorge kann auch schaden. Wir wissen ja, dass der Patient erkrankt ist und haben ihn im Auge. Da muss man dann nicht unnötig Unruhe durch ständige Untersuchungen stiften.“

Anders sieht es bei Hodenkrebs aus

Anders sehe es bei Hodenkrebs aus. „Der ist verdammt gefährlich“, fasst Stefan Hautmann die Prognosen zusammen. Hier zähle – wie bei vielen anderen Krebserkrankungen – der Zeitpunkt der Diagnose. „Je eher, je besser. Wenn man den Hoden entfernt und anschließend eine Chemotherapie einleitet, kann man aber soweit kommen, die Patienten tatsächlich zu heilen. Das schaffen wir auch in den meisten Fällen.“ Betroffen seien fast nur Männer im Alter zwischen 18 bis 30 Jahren. Gängig sei heutzutage das Verfahren, vor der Hodenentfernung Samen zu entnehmen – „dann können die Männer mittels der künstlichen Befruchtung ihrer Partnerin doch noch Kinder zeugen.“ Deutlich schlechter sehe die Prognose bei einem Peniskarzinom aus. Da liegt die Heilungschance gerade einmal bei 50 Prozent, berichtet der Fachmann. Blasen- und Nierenkrebs rangieren im Mittelfeld.

Ein portables Ultraschallgerät erleichtert dem Chef der Klinik für Urologie die Arbeit. „Ich kann es immer dabei haben.“

Ein weiteres Arbeitsfeld von Stefan Hautmann und seinem Team sind gutartige Prostatavergrößerungen: Die betroffenen Männer haben ein ganzes Potpourri an Beschwerden. Häufiges Wasserlassen, nächtlicher Harndrang und Schmerzen beim Urinieren gehören dazu. „Diese Probleme beim Wasserlassen sind lästig. Und deshalb gehen die Männer auch irgendwann zum Arzt – auch weil die Partnerin von den nächtlichen Störungen genervt ist. Und wenn sie dann kommen, sagen wir Urologen: ‚Hurra, wir können helfen!’“ Abhilfe schafft unter anderem eine besonders schonende und blutungsarme Operationstechnik. „Damit können wir deutliche Linderung verschaffen“, macht Stefan Hautmann den betroffenen Männern Mut. Die Prozedur verläuft wie folgt: Ein roter oder ein grüner Laserstrahl werden durch ein Endoskop in die Harnröhre eingeführt – so kann das Prostatagewebe samt Blutgefäßen verdampft werden.

Laser-Operation habe sich etabliert

„Wir tragen die Wucherungen schichtweise ab – das können wir am Bildschirm millimetergenau kontrollieren. Gewebereste bleiben nicht übrig“, erklärt Stefan Hautmann. Die Laser-Operation habe sich in den vergangenen Jahren neben den traditionellen Methoden wie der endoskopischen Ausschälung oder offenen Prostatektomie und der Schlingen- oder Hobeloperation (transurethrale Operationen/Resektionen) etablieren können. Auch deshalb, weil der Eingriff mit dem Laser für Risikopatienten geeignet sei.

„Wir arbeiten blutungsfrei. Patienten, die Blutverdünner nehmen, müssen ihr Medikament also nicht zwingend absetzen. Das ist eine immense Erleichterung“, berichtet Stefan Hautmann aus der Praxis. Am Ende des Tages seien alle Beteiligten glücklich. Die Patienten, weil sie Linderung erfahren. Die Ärzte, weil sie helfen konnten. „Und die Krankenkassen zahlen. Da macht die Klinik also kein Verlustgeschäft aber auch keinen Gewinn“, freut sich Stefan Hautmann.

Niere, Blase, Prostata – das sind die Arbeitsfelder von Urologe Stefan Hautmann.

Diese Zufriedenheit auf Seiten der Klinik – das ist weiß Gott keine Selbstverständlichkeit, weiß Stefan Hautmann aus eigener Erfahrung. Abrechnungstechnisch seien mancher Eingriff und manche Aufnahme ein GAU. Da mache die Klinik ganz klar einen Verlust. Da sei von einer richtigen und gerechten Vergütung keine Rede. „Zum Beispiel Kinder. Wenn wir die behandeln, bekommen wir das nicht angemessen bezahlt. Deshalb gibt es auch durchaus Kliniken, die sich weigern, Kinder zu behandeln.“

Stefan Hautmann spricht von den Milliardengewinnen, die die Krankenkassen erwirtschaftet haben. Und davon, dass fast alle öffentlichen Kliniken wie auch das Klinikum Lüdenscheid immer mehr in die finanzielle Klemme geraten. „Ich verstehe die ganze Misere nicht. Mir macht meine Arbeit wirklich großen Spaß. Und ich glaube auch, dass das für meine Kollegen genauso gilt. Aber unsere Arbeit wird nicht richtig vergütet. Warum tun die Krankenkassen nicht mehr für die Kliniken? Schließlich geht es doch um Menschen – und denen wollen wir richtig und umfassend helfen können.“ Ein portables Ultraschallgerät erleichtert dem Chef der Klinik für Urologie die Arbeit. „Ich kann es immer dabei haben.“

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