Klinikum Lüdenscheid

Klinik für Anästhesie: Weit mehr als nur Narkosen

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Klinikdirektor Professor Dr. Dr. Thomas Uhlig: „Meine Ausbildung als Psychologe kommt mir bei der Arbeit zugute.“

Lüdenscheid - Die Lüdenscheider Nachrichten stellen im Rahmen einer Serie alle Fachkliniken des Klinikums Lüdenscheid vor. Dabei werden das jeweilige Leistungsspektrum aufgezeigt und Einblicke in die Arbeit der Mediziner und Pflegekräfte gegeben. Folge 15 führt in die Klinik für Anästhesie.

Ein Blick auf den vollständigen Kliniknamen macht deutlich, dass das Team rund um Professor Dr. Dr. Thomas Uhlig nicht nur für Narkosen zuständig ist. Neben der Anästhesie gehören die operative Intensivmedizin, die Schmerztherapie, die Palliativmedizin und das Rettungswesen zu den Aufgabenfeldern der Mediziner.

Rund 13.000 Anästhesien im Jahr werden am Klinikum Lüdenscheid durchgeführt. Im Schnitt versorgt die Klinik anästhesiologisch jeden Tag im Durchschnitt 13 Operationssäle. Immer öfter werden Anästhesien aber auch außerhalb eines OP-Saals vorgenommen. „Diese Anästhesien nehmen ständig zu. Im vergangenen Jahr waren es 2500. Wenn zum Beispiel in der Klinik Innere I eine Darmspiegelung durchgeführt wird, kommen wir mit einem komplett ausgestatteten Narkosearbeitsplatz in die Fachklinik“, berichtet Thomas Uhlig.

Neben dieser Arbeit stellt die Versorgung der operativen Intensivstation ein Hauptarbeitsfeld von Thomas Uhlig und seinem Team dar. Elf Betten stehen hier für Patienten mit schwerwiegenden Vorerkrankungen und Patienten nach großen operativen Eingriffen zur Verfügung. Auch lebensbedrohlich verletzte Menschen kommen auf die Intensivstation, um dort versorgt, überwacht und behandelt zu werden.

Schnelligkeit sein ein Muss

Schnelligkeit sei bei der Arbeit der Mediziner ein Muss. „Vieles entscheidet sich in den ersten sechs bis zehn Stunden – alles, was danach geschieht, macht den Verlauf der Erkrankung kompliziert“, betont Thomas Uhlig. Ein Intensivmediziner müsse deshalb ein breites medizinisches Wissen in allen Fachbereichen mitbringen. „Wir müssen sofort sehen, was mit dem Patienten nicht stimmt. Wir müssen schnell diagnostizieren und schnell handeln – für das Wohl des Patienten“, erklärt der Klinikdirektor.

Ansprechpartner für die Angehörigen

Neben dem so typischen enormen Zeitdruck spiele auch eine andere Komponente eine wichtige Rolle. „Wir sind als Ärzte auch Ansprechpartner für die Angehörigen, wenn der Patient lebensgefährlich erkrankt ist. Schließlich geht es auf der Intensivstation manchmal nicht nur um das Leben, sondern auch um den Tod“, betont Thomas Uhlig.

Pflegeleiter Stephan Haarmann im Gespräch mit einer Patientin: „Kommunikation ist immer wichtig.“

Die Gespräche mit Angehörigen seien immer auch eine Gratwanderung: „Auch wir Mediziner können den Ausgang einer Erkrankung nicht hundertprozentig voraussehen. Das kann letztendlich nur Gott. Aber wir können das, was wir sehen und wissen, an die Angehörigen weitergeben und deutlich sagen, wenn wir uns von einer weitergeführten Behandlung eine Verbesserung und Gesundung versprechen. Manchmal lohnt es sich eben doch, noch weiterzumachen.“ Auch in scheinbar ausweglosen Situationen habe er eine Besserung des Gesundheitszustandes des Patienten erlebt: „Intensivmedizin kann durch die vielen Apparate Angst machen – aber sie ist eben sehr hilfreich und kann Leben retten.“

Emotionale Druck sein enorm

Dennoch: Der emotionale Druck für alle Beteiligten sei enorm. Das gelte für die Patienten und Angehörigen – aber auch für die behandelnden Ärzte und die Pfleger. „Wir gehen mit dieser Belastung alle unterschiedlich um. Manche Kollegen und Mitarbeiter nehmen die Geschichten mit nach Hause. Manche sprechen im Kollegium über die Fälle. Und immer wieder kommen meine Kollegen und Mitarbeiter auch zu mir und suchen das Gespräch. ‘Mich lässt dieser Fall nicht los. Ich muss darüber reden’, heißt es dann. Ich kenne das von mir selbst. Niemanden lassen solche Erfahrungen im Grenzbereich zwischen Leben und Tod kalt“, berichtet Thomas Uhlig. Ihm helfe in solchen Momenten seine Ausbildung zum Psychologen.

Dietmar Sondermann (r.) untersucht die Halsvene seines Kollegen Stephan Haarmann mit einem Ultraschallgerät.

Emotionalität und Empathie spielen eine wichtige Rolle in der Intensivmedizin. Und manchmal müsse man auch unorthodoxe Entscheidungen treffen, betont Thomas Uhlig: „Während der letzten Fußball-Europameisterschaft haben wir auf der Intensivstation zwei Senioren versorgt, die an Krebs erkrankt waren. Die beiden waren über den Berg. Sie hatten es geschafft. Und für sie war es das Größte, als wir ihnen abends einen Fernseher gebracht haben und sie gemeinsam bei einem Fläschchen Bier Fußball gucken konnten. Das muss einfach drin sein – schließlich steht bei aller Medizin der Mensch im Vordergrund.“ Der Aufenthalt auf der Intensivstation sei immer belastend für die Patienten. „Um so wichtiger ist es, dass wir als Ärzte und Pfleger alles dafür tun, diese Belastung, soweit wir das können, zu reduzieren.“

Nicht ohne Grund erwähnt der Klinikdirektor immer wieder auch die Mitarbeiter in der Pflege: „Die Rolle des Arztes geht in der Intensivmedizin in dem auf, was wir mit der Pflege gemeinsam machen. Ohne die Schwestern und Pfleger wären wir als Ärzte komplett verloren. Ohne sie und ihre Arbeit hätten wir keinen Erfolg.“

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