Serie zum Klinikum Lüdenscheid

Der Trend zum kleinen Schnitt

+
Professor Dr. Christopher Kelm ist der Direktor der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie am Klinikum Lüdenscheid.

Lüdenscheid - Die Lüdenscheider Nachrichten stellen im Rahmen einer Serie alle Fachkliniken des Klinikums Lüdenscheid vor. Dabei werden das jeweilige Leistungsspektrum aufgezeigt und Einblicke in die Arbeit der Mediziner und Pflegekräfte gegeben. Teil 23 stellt die Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie vor.

Vor 30 Jahren war die Diagnose „Bauchspeicheldrüsenkrebs“ für Patienten und auch für die behandelnden Ärzte verheerend. Professor Dr. Christopher Kelm, Direktor der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie am Klinikum Lüdenscheid, versucht, sich in die Rolle der damals handelnden Ärzte zu versetzen. „Da waren die Kollegen sicher in heller Aufregung. Da hieß es: ‘Das kann man nicht operieren.’ Heute können wir das, wenn auch nur in 20 bis 30 Prozent der Fälle. Und die Sterblichkeitsrate, die sich durch diese OP ergibt, liegt bei gerade einmal zwei Prozent.“

Doch auch wenn diese Zahl zuerst Mut macht – die Langzeitprognose für Patienten, die an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt sind, ist auch heute alles andere als gut. „Wenn ein Patient nach der Diagnose, der eingeleiteten Operation und der anschließenden Therapie länger lebt als fünf Jahre, dann müssen wir wohl davon ausgehen, dass am Anfang eine Fehldiagnose vorlag – das ist die traurige Realität, die man nicht leugnen darf“, betont Christopher Kelm.

Fokus muss auf der Vorsorge liegen

Der Fokus müsse auf der Vorsorge liegen, erklärt der Mediziner. Im Rahmen der Darmkrebsvorsorge habe man bereits vieles für die Patienten erreicht – „beim Bauchspeicheldrüsenkrebs muss ganz dringend nachgezogen werden.“

Konzentration und Präzision sind bei einem chirurgischen Eingriff gefragt.

Die besondere Problematik beim Bauchspeicheldrüsenkrebs sei, dass die Tumore zu Beginn lange sehr klein seien. „Man sieht sie oft gar nicht. Und wenn man sie sieht, ist es eigentlich schon fast zu spät für die Betroffenen.“ Auch die Symptome blieben oft lange Zeit unbeachtet. „Die Patienten haben zum Beispiel Schmerzen im Oberbauch. Aber wenn man das hat, nimmt man ja nicht gleich das Schlimmste an. Einige Patienten werden gelb im Gesicht – das ist dann schon fast ein Glücksfall, weil sie dieses Symptom wirklich alarmiert und endlich zum Arzt treibt.“

Der Klinikdirektor ist aber nicht nur Experte, wenn es um Eingriffe bei Tumoren im Bereich der inneren Organe wie zum Beispiel Magen, Darm und Niere geht. Schwerpunkte sind neben der onkologischen Chirurgie die endokrine Chirurgie, das heißt die Versorgung der Patienten mit Erkrankungen der Schilddrüse, Nebenschilddrüse und Nebenniere, sowie die Hernienchirurgie.

Minimalinvasive Chirurgie schont den Patienten

Außerdem gehört der Bereich der minimalinvasiven Chirurgie mit zu seinem Arbeitsfeld. Seit dem Jahr 1991 werden Operationen an der Gallenblase oder dem Blinddarm mit dieser Methode behandelt. Und auch Leistenhernien operiert Christopher Kelm endoskopisch mit der sogenannten „Schlüssellochchirurgie“: „Das bietet immens viele Vorteile. Die Eintrittspforte ist bei dieser Methode ja sehr klein. So haben wir einen geringen Blutverlust, was für den Patient schonend ist.

Die Anästhesie hat sich natürlich auch verbessert. So kann ich sagen, dass wir das Risiko bei Operationen deutlich senken können. Und deshalb sind die Verläufe der Behandlungen für die Patienten eben auch deutlich positiver. Sie sind nach dem Eingriff deutlich schneller fit als früher. Die Endoskopie markiert in unserem Fachbereich wirklich einen Riesenfortschritt.“ Er selbst habe im Rahmen seiner Ausbildung noch die „großen Schnitte“ gelernt – die brauche er heute aber nur noch selten, erklärt Christopher Kelm.

Auch das Nähen gehört zum Handwerk des Chirurgen.

Ebenfalls positiv für die Patienten: Zur Qualitätssicherung und zur Verbesserung der individuellen Therapie jedes Patienten bestehen seit 2006 das Märkische Darmzentrum und seit 2014 das Pankreaszentrum Westfalen- Süd. Beide Zentren wurden erfolgreich zertifiziert.

Dennoch: Nur positiv sei die Lage im Bereich der Chirurgie auch nicht, betont Christopher Kelm. „Wir Ärzte können zwar heute deutlich mehr tun, trotz der immer weitergehenden Arbeitsverdichtung und des Personalmangels – aber wir hören auch ganz oft den Satz: ‘Das geht nicht. Das können wir nicht finanzieren.’ Natürlich wissen wir von den Problemen im wirtschaftlichen Bereich. Davor verschließen wir ja nicht komplett die Augen. Aber als Mediziner wird man bei solchen Ansagen schon etwas unzufrieden. Schließlich wollen wir unsere Fähigkeiten ja im Dienste des Patienten immer weiterentwickeln.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare