Serie zum Klinikum Lüdenscheid

Wegbegleiter im Hintergrund: das Institut für Pathologie

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Professor Dr. Johannes Friemann bei der diagnostischen Arbeit am Mikroskop.

Lüdenscheid - Auch wenn der Patient im Rahmen seines Klinikaufenthalts den Pathologen nie leibhaftig zu Gesicht bekommt, ist auch dieser Arzt oft an seiner Seite, betont Prof. Dr. Johannes Friemann: „Wir sind für den Patienten unsichtbare Begleiter auf dem Weg zur richtigen Diagnose und maßgeschneiderten Therapie“.  Im 27. Teil unserer Serie stellen wir das Institut für Pathologie vor.

Die Arbeit eines Pathologen – wie sieht sie aus? Johannes Friemann beginnt mit der Führung durch sein Institut. Im Eingangslabor treffen jährlich Gewebeproben von mehr als 24.000 Patienten ein. Operationspräparate, wenige Millimeter große Probebiopsien und Körperflüssigkeiten werden hier für weitergehende mikroskopische und molekular-pathologische Untersuchungen vorbereitet.

Anlässlich der makroskopischen Begutachtung größerer Operationspräparate durch den Pathologen werden bis briefmarkengroße Gewebeproben am Zuschneidetisch präpariert und in Einbettkassetten gelegt und mit Hilfe eines aufwendigen maschinellen Verfahrens entwässert und mit Paraffin durchtränkt. Nur wenige Millimeter große Probebiopsien aus verschiedenen Organsystemen (z. B. Lunge, Magen-Darm-Trakt und Haut) werden nach Formalinfixierung direkt dem gleichen Prozess unterzogen.

Der lange Weg unter das Mikroskop

Wenn die von Paraffin durchtränkten Gewebeproben den Entwässerungsautomaten verlassen, ist Fingerspitzengefühl gefragt. Denn die oft winzigen Gewebepartikel müssen an der Paraffingießstation wohl überlegt in eine bestimmte Position gebracht und in einen Paraffinblock gegossen werden, damit hiervon ein bis drei Mikrometer dünne Schnittpräparate hergestellt und gefärbt werden können. Diese aufwendigen Handarbeiten werden von den medizinisch-technischen Assistentinnen im Labor ausgeführt.

Ein Teil der Arbeit im Färbelabor wird heute von Automaten übernommen.

Erst durch diese Prozeduren werden zelluläre Strukturen unter dem Mikroskop sichtbar. Jetzt können die Ärzte des Institutes mit der Begutachtung und Analyse der Gewebeschnitte beginnen. Die meiste Arbeitszeit verbringt der Pathologe über das Mikroskop gebeugt. „Wir vergleichen das individuelle Zell- und Gewebebild der Organproben des Patienten mit den uns bekannten Normalbefunden. Werden Abweichungen gefunden, müssen diese beschrieben, interpretiert und einem bestimmten Krankheitsbild bzw. einer Diagnosegruppe zugeordnet werden“, berichtet Johannes Friemann.

Bildanalyse und Befundinterpretation ist Kernstück der Arbeit

Die mikroskopische Bildanalyse und Befundinterpretation ist das Kernstück der Arbeit eines Pathologen: Sie gibt Auskunft darüber, welche Form einer entzündlichen Organerkrankung (z. B. Pilzerkrankung, Tuberkulose oder Autoimmunerkrankung) vorliegt oder ob ein Tumor gut- oder bösartig ist und wie weit er sich ausgebreitet hat. Im Schreibbüro werden entsprechend täglich mehr als 70 detaillierte Befundberichte geschrieben und an die behandelnden Ärzte versendet.

„Unsere Ergebnisse können erhebliche Konsequenzen für die Behandlungsstrategien unserer klinischen Kollegen besitzen. Kommunikation ist hier das A und O“, stellt der Institutsdirektor heraus. Bei den wöchentlich abgehaltenen Tumorkonferenzen kommen die Pathologen mit den behandelnden Ärzten der einzelnen involvierten Fachdisziplinen zusammen und diskutieren die Untersuchungsergebnisse.

Kooperation mit der Universität Köln

Viele neue Erkenntnisse verdankt die moderne Tumortherapie molekular-pathologischen Untersuchungen, die seit einigen Jahren Genanalysen von Tumorzellen ermöglichen. „Das ist, ich muss es so flapsig sagen, der absolute Knüller. Wir analysieren unter Zuhilfenahme des Mikroskops das Erbgut im Zellkern und können dann sagen, welche Gene an- oder abgeschaltet sind und ob ein bösartiger Tumor auf eine bestimmte gezielte molekulare Therapie anspricht oder nicht. Das kann helfen, Leben zu retten, und erspart den Patienten in manchen Fällen wesentlich aggressivere breiter ansetzende Therapieformen“ führt Privatdozent Dr. Nicolaus Friedrichs, Leiter des Kölner Standortes der überörtlichen Gemeinschaftspraxis und Oberarzt des Institutes für Pathologie des Universitätsklinikums Köln, aus. Zudem können erbliche Krebserkrankungen, wie zum Beispiel erblicher Darmkrebs durch die Kooperation mit der Universität Köln sicher diagnostiziert und für die Patienten wichtige Weichen bezüglich Vorsorge und Therapie gestellt werden.

Präparation eines operativ entfernten Wurmfortsatzes für die mikroskopische Untersuchung.

Diese Untersuchungen brauchen Zeit. Aber manchmal müssen Johannes Friemann und seine Kollegen auch in wenigen Minuten Entscheidungen treffen und Auskünfte geben. Kommt ein Schnellschnitt aus einem der hauseigenen Operationssäle in die Pathologie, ist Eile geboten: „Wir müssen besonders genau hinschauen, denn der am Operationstisch stehende Chirurg benötigt möglichst rasch Auskunft darüber, ob der Tumor nach dem Blick durchs Mikroskop als gut- oder bösartig einzuordnen ist. Er möchte ferner wissen, ob der Tumor ganz entfernt werden konnte oder ob er noch weiter in das gesunde Gewebe hineinreicht, als der Operateur zunächst angenommen hatte.“

Zeitfenster von 10 bis 20 Minuten

Das Zeitfenster, in dem dies geschehen muss, beträgt nur 10 bis 20 Minuten. Der in Narkose befindliche Patient kann dann erforderlichenfalls weiter operiert werden.

All diese Aufgaben nehmen den überwiegenden Teil der Arbeitszeit von Johannes Friemann und seinem Team in Anspruch. Eine Aufgabe jedoch liegt dem Institutsleiter darüber hinaus sehr am Herzen: Die Obduktion verstorbener Patienten.

„Obduktionen als Qualitätssicherung“

Denn der Pathologe weiß aus Erfahrung, dass dieser letzte Dienst am Patienten oftmals wichtige und nachhaltig wirkende Erkenntnisse zu Tage fördern kann. „Wir klären bei einer klinischen Sektion, woran der Mensch gestorben ist. Und dabei kann herauskommen, dass der Patient an zum Tode führenden Grundleiden erkrankt war, die die Ärzte vorher gar nicht erkennen konnten.

Diese Erkenntnisse sind von immenser Wichtigkeit für die Erfahrung der behandelnden Ärzte beim Erkennen besonders von Symptomen und Befunden, die auf eine lebensbedrohende Situation des Patienten hinweisen. Insofern spielen sie auch für die Therapie zukünftiger Patienten eine große Rolle. Sie erleichtern zudem die humane Behandlung von Menschen mit therapeutisch schwer beeinflussbaren Erkrankungen, die unweigerlich zum Tode führen, indem sie den Ärzten eine Sensibilität dafür vermitteln, wann therapeutische Maßnahmen das Leiden eines Patienten möglicherweise unnötig verlängern. Diese Form der Qualitätssicherung ist eigentlich ein absolutes Muss“, erklärt Johannes Friemann mit Nachdruck.

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