Dregger kritisiert "verschenkte Zeit"

Rasen im Nattenberg-Stadion nicht mehr sporttauglich - Greenkeeper vom Golfplatz verpflichtet

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Mäharbeiten auf einer „besseren Wiese“: Der Rasen am Nattenberg ist aktuell nicht sporttauglich. Bis zum 13. September, an dem das erste Landesliga-Heimspiel von RW Lüdenscheid stattfinden soll, soll sich das aber ändern.

Lüdenscheid – Im September soll in der Fußball-Landesliga wieder der Ball auf dem Nattenberg-Naturrasen rollen - doch der ist darauf aktuell noch nicht vorbereitet.

„Schmuckkästchen“ hat der Lüdenscheider sein Nattenberg-Stadion immer gerne genannt. Als es die ganz großen Fußball-Tempel der Neuzeit noch nicht gab, war das kombinierte Fußball- und Leichtathetik-Stadion ein absolutes Vorzeigeobjekt der Bergstadt. Es bot 17 000 Zuschauern Platz, gespielt wurde Fußball in der 2. Bundesliga. Leichtathleten wie Edwin Moses und Harald Schmidt rissen die 400-Meter-Hürden ab. Das ist 40 Jahre her, 48 Jahre ist das Stadion. 

Das Stadion bietet inzwischen nur noch gut 7000 Besuchern Platz und ist damit nicht mehr attraktiv für Veranstaltungen, die es früher einmal gab, Frauen-Länderspiele zum Beispiel. Und der Rasen ist inzwischen eine „bessere Wiese“, wie Dierk Gelhausen, Leiter des Fachdienstes Sport im Schul- und Verwaltungsamt der Stadt, nüchtern feststellt. Gelhausen muss es wissen, denn er befasst sich gerade damit, aus der „besseren Wiese“ wieder einen Rasen entstehen zu lassen, auf dem Landesliga-Fußball möglich sein soll, und auch American-Football. Die Fußballer indes sind es, die nun Tempo einfordern, denn am 13. September will Rot-Weiß Lüdenscheid das erste Landesliga-Spiel nach dem Aufstieg gegen die VSV Wenden auf Naturrasen bestreiten. 

Seit März haben die Rot-Weißen von der Stadt die Zusage. „Das komplette Wohlfühl-Programm für den Rasen wird es aber kaum geben“, sagt Gelhausen – so ein Programm haben sich die Verantwortlichen angeschaut, doch Qualität hat ihren Preis. 13 000 bis 15 000 Euro für die Sanierung sollen als Summe im Raum gestanden haben. Gelhausen sagt dazu nichts. Aber er lässt durchblicken, dass es günstiger werden soll. 

Auch deshalb hat er nach diversen Gesprächen mit Firmen, die helfen könnten, in dieser Woche noch einen ungewöhnlichen Ortstermin: Gelhausen trifft sich mit einem Greenkeeper des Golfclubs Gelstern. Der soll den Rasen beurteilen und auch einschätzen, was möglich und machbar ist. Am Ende womöglich sogar mit den Maschinen aus dem Schalksmühler Höhengebiet? Ausgeschlossen ist nichts, zumal der Weg zwischen Kommune und Golfclub ein extrem kurzer ist: Hans Jürgen Badziura ist Fachdienstleiter für Umweltschutz und Freiraum bei der Stadt und gleichzeitig ehrenamtlicher Geschäftsführer der GC Betriebs GmbH in Gelstern. „Warum sollte man solche Möglichkeiten in der Nachbarschaft nicht ausloten?“, fragt Gelhausen rhetorisch, „es ist doch immer gut, eine zweite Meinung einzuholen.“ 

Platzlänge soll von 110 auf 106 Meter verkürzt werden

Michael Dregger findet daran auch nichts Schlimmes, nur der Zeitpunkt der Beratung sorgt beim Vorstandssprecher von Rot-Weiß Lüdenscheid für erhöhten Blutdruck. „Wir sprechen seit Monaten darüber“, sagt Dregger, „die Aussage der Stadt war immer: Wir kriegen das alleine hin. Und nun geht es doch nicht ohne fremde Hilfe. Das ist ärgerlich, denn wir haben von März bis jetzt viel Zeit verloren.“ Sechs Wochen bleiben, eine Punktlandung würde RWL der Möglichkeit berauben, auch mal auf dem eigenen Naturrasen zu testen. Und eine Punktlandung dürfte es werden, denn im Moment ist der Rasen nicht sportfähig. 

Das wiederum liegt keineswegs nur daran, dass man nach dem Bautz-Festival die Fahrspuren der Lkw einfach mit Erde aufgefüllt hat. „Das hat den Sportrasen verdichtet, was man gar nicht machen darf“, sagt Dregger, der sich eingearbeitet hat in die Thematik, „doch der Rasen ist fast 50 Jahre alt und zuletzt auch nicht gepflegt worden, weil man das Geld für eine erhöhte Nutzung sparen wollte.“ 

Nun aber steht die Ampel für Fußball und American Football auf „grün“: Es muss sich etwas tun. Übrigens nicht nur beim Rasen. Auch die Tore müssen neu eingesetzt werden, weil sie abgesackt sind, die vorgeschriebene Höhe nicht garantiert werden kann. Da auch der Auslauf dahinter nicht mehr DIN-gerecht ist, sehen die Planungen vor, die Tore auf beiden Seiten um 1,50 Meter bis zwei Meter vorzuziehen. Die Länge des Spielfeldes soll von 110 Meter auf 106 Meter schrumpfen. Ein Problem ist das nicht – alle Kunstrasenplätze in Lüdenscheid (mit Ausnahme des Platzes in Winkhausen) sind nur 100 Meter lang.

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