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Sensenmann auf dem Schulflur: Sorgen um altes Gemälde am Zeppelin-Gymnasium

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Von: Kerstin Zacharias

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Wandgemälde von Georg Mittmann im Flur des Zeppelin-Gymnasiums
Risse durchziehen das Kunstwerk, die Farbe bröckelt ab: Das Wandgemälde „Glaube – Liebe – Hoffnung“ des Künstlers Georg Mittmann im Flur des Zeppelin-Gymnasiums ist in die Jahre gekommen – ebenso wie zwei weitere Kunstwerke im Anbau der Schule. © Kerstin Zacharias

Generationen von Schülern des Zeppelin-Gymnasiums sind tagtäglich an ihnen vorbeigegangen, haben sie mal mehr, mal weniger intensiv wahrgenommen und können sich dennoch auch Jahre später noch an ihre Existenz erinnern: die Wandgemälde im Treppenhaus des Anbaus.

Lüdenscheid – Doch die Kunstwerke sind in die Jahre gekommen, die Farbe ist zum Teil verblichen, hier und da bröckelt der Putz ab. Und das ist auch René Jaques, stellvertretender Schulleiter, nicht verborgen geblieben. „Für mich stellt sich die Frage, ob diese Kunstwerke nicht erhalten und restauriert werden könnten“, möchte Jaques vermeiden, dass die Gemälde möglicherweise bei einer der nächsten Sanierungsmaßnahmen – beispielsweise im Zuge der anstehenden Digitalisierung – unwissentlich überstrichen werden. „Das wäre doch sehr schade, zumal es auch im Zuge unserer Bestrebungen, Europa-Schule zu werden, einen schönen Akzent setzen würde“, verweist er auf eines der Gemälde mit Motiven aus der griechischen Mythologie – angefangen bei einer Szene aus dem Ödipus-Mythos über eine Darstellung von Dädalus bis hin zu Verbindungen zu Pythagoras. „Griechenland als Wiege Europas und damit Quelle des Europa-Gedankens – nicht zuletzt deshalb wäre das Wandgemälde doch sicher erhaltenswert.“ Und das gilt auch für das zweite Wandgemälde eine Etage tiefer, das Szenen des Christentums zeigt, darunter den barmherzigen Samariter sowie christliche Symbole.

Das Problem: Für Jaques ließ sich bis dato nicht herausfinden, von wem die Kunstwerke, von denen eines mit den Initialen „MQ“ versehen ist, stammt. Bis jetzt, denn: Ein Rundgang mit ehemaligen Zepp-Schülern – anlässlich ihres Wiedersehens 40 Jahre nach ihrem Abitur – brachte Licht ins Dunkel: Demnach stammt das signierte Wandbild von der in Lüdenscheid geborenen Künstlerin Marie Luise Quade. Dass sie ein Wandbild fürs Zeppelin-Gymnasium angefertigt hat, ist im Buch „Lüdenscheider Künstlerporträts“ erwähnt.

Darin heißt es: „Schon bald erwarb sie sich in weiten Kreisen der Öffentlichkeit einen guten Namen, wurde sie zum Entwurf von Prospekten und Plakaten herangezogen, illustrierte sie Bücher unter anderem von Karl A. F. Günther und Fritz Nölle, bat man sie um ihre Mitarbeit bei der künstlerischen Ausgestaltung öffentlicher Gebäude. So entwarf sie ein farbiges Kachelfries für das Rathaus, gestaltete sie Wandbilder für die Albert-Schweitzer-Schule und das Zeppelin-Gymnasium.“ Und: „Im Mittelpunkt ihres Schaffens standen stets die Natur und das Leben in ihren vielfältigsten Formen.“

„Das ist eine typische Quade und daher in jedem Fall erhaltenswert“, bestätigt auch Dr. Susanne Conzen, Leiterin der Städtischen Galerie, die sich, gemeinsam mit Dr. Carolin Krüger-Bahr, auf Spurensuche begab und auch das zweite Gemälde zuordnen konnte: Demnach stammt das dreiteilige Kunstwerk mit dem Titel „Glaube – Liebe – Hoffnung“ vom Künstler Gerhard Mittmann. Wie in Artikeln unserer Zeitung aus den Jahren 1953 bis 1956 zu lesen ist, hatte der gebürtig aus Schlesien stammende Mittmann zuvor bereits Wandmalereien unter anderem in der Friedenschule (heute Ida-Gerhardi-Schule) sowie der Tinsberger Schule geschaffen. Im Zeppelin-Gymnasium war Mittmann der erste, der sein Kunstwerk fertigstellte – und zwar im September 1956. Wie in der damaligen LN-Ausgabe zu lesen ist, hat Mittmann dabei auf ein einheitliches, die ganze Fläche einnehmendes Bild verzichtet – zum einen, weil es zu wuchtig und unübersichtlich wirken und den Raum erdrücken würde, zum anderen, weil das Motiv „Glaube – Liebe – Hoffnung“ eine Dreiteilung verlange. „So entstanden dann drei Bilder, farbige Flächen, eine Art modernes Triptychon, das ganz dekorativ gestaltet ist“, hieß es im damaligen Artikel.

Freute man sich vor 65 Jahren über die Fertigstellung der Kunstwerke, sind sie nun in die Jahre gekommen und bedürfen einer Bearbeitung. Während beispielsweise einige baukünstlerische Ausstattungen im Lüdenscheider Rathaus im Zuge der umfangreichen Umgestaltung verloren gegangen sind, hofft René Jaques nun, dass die Wandgemälde im Zeppelin-Gymnasium für die Nachwelt erhalten werden können.

Die Entscheidung darüber liegt in der Verantwortung der Stadt. „Sollte es dazu kommen, dass eine Wand eingerissen oder erneuert werden muss oder neue Leitungen verlegt werden müssen, würden wir klären, ob diese künstlerischen Zeitdokumente erhalten werden können – und wie“, macht Stadtsprecher Sven Prillwitz deutlich und verweist auf die Hinzuziehung eines Restaurators. Zudem gelte es zu prüfen, wer die Arbeit in Auftrag gegeben und finanziert hat. „Erst danach können wir entscheiden, wie es konkret weitergeht und welche Stelle im Haus dafür zuständig ist.“ Die erste Zuständigkeit liege beim Fachdienst Kultur, Museen und Archiv.

Wie Prillwitz weiter erläutert, versuche man grundsätzlich, Kunstwerke zu erhalten. „So sind unter anderem diverse Kunstwerke aus der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule im Museum eingelagert worden.“ Allerdings handelte es sich dabei um Bilder und Skulpturen, die einfach transportiert werden konnten. Die Frage nach der Zukunft der Kunstwerke im Zeppelin-Gymnasium bleibt also noch offen.

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