Folgen des Klimawandels

Im MK: Frau findet Tier mit vier Augen - Es bewegt sich wie eine Schlange

Eine Raupe des Mittleren Weinschwärmers auf Asphalt.
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Dieses Tier entdeckte eine Leserin in Lüdenscheid. Um es bestimmen zu lassen, wandte sie sich an einen Experten.

Ein ungewöhnliches Tier entdeckte eine Leserin in Lüdenscheid. Es hat vier „furchteinflßende“ Augen und bewegt sich bei Gefahr wie eine Schlange. Sie legte Fotos von der Begegnung einem Experten vor.

Die Folgen des Klimawandels sind in den Wäldern im Sauerland überall zu sehen. Von einst mächtigen Fichten bleiben nur Gerippe übrig, aufgrund von Trockenheit und Borkenkäferbefall sterben die Bäume ab, großflächige Rodungen verändern das Landschaftsbild. Auch die Tierwelt passt sich aufgrund der geänderten klimatischen Bedingungen an – in den vergangenen Sommern ist das gut bei Insekten- und Spinnenarten zu beobachten, wie Hans Obergruber, Geschäftsführer des Naturschutzzentrums Märkischer Kreis erklärt.

Bundesweit Aufsehen erregte der Fund einer Raupe des Totenkopfschwärmers in Plettenberg im August. Der Nachtfalter ist eigentlich weiter südlich heimisch, auf seinen Wanderungen erobert der größte Schmetterling Europas aber auch immer neue Lebensräume. Die in Plettenberg entdeckte zehn Zentimeter lange Larve mit der auffälligen gelb und silberfarbenen Zeichnung wird seit einigen Jahren häufiger in Deutschland beobachtet. Erfolgreiche Verpuppungen und auch das Schlüpfen im Folgejahr wurden beim Totenkopfschwärmer aber bislang nicht nachgewiesen. Für die Experten ist das aber nur noch eine Frage der Zeit.

Einen weiteren außergewöhnlichen Raupen-Fund machte Leserin Jutta Wölk Ende August bei einem Hundespaziergang auf der Straße zwischen dem Boxer-Hundeclub und dem künftigen Domizil des Lüdenscheider Naturschutzzentrums in Oelken. „Die Raupe war sehr groß und ungewöhnlich gezeichnet“, schreibt die Finderin, die – obwohl naturinteressiert – ein solches Exemplar im heimischen Mittelgebirge noch nie gesehen hatte.

Seltenes Tier ist so lang wie ein Finger und hat „furchteinflößende“ Augen

„Das Tier war circa acht Zentimeter lang und hatte die Dicke meines kleinen Fingers“, berichtet Jutta Wölk. Vier schwarze Flecken hinter dem Kopf machten die Raupe unverwechselbar. Sie sollen Augen imitieren, um Fressfeinde abzuhalten. Auch auf Jutta Wölk wirkten „die Augen furchteinflößend“.

Eine Internetrecherche brachte die richtige Spur, endgültig bestätigt wurde der Fund durch Hans Obergruber vom Naturschutzzentrum. „Es handelt sich um die Raupe eines Mittleren Weinschwärmers. Der Nachtfalter gehört zu den Insektenarten, die vom Klimawandel profitieren“, sagt Obergruber. Die Art zeige seit einigen Jahren Ausbreitungstendenzen.

Experte erklärt Ausbreitung der Art, die früher sehr selten im Sauerland war

„Sie war früher sehr selten. Das erste Mal habe ich eine solche Raupe vor 15 Jahren in der heimischen Region gesehen“, erklärt der Geschäftsführer des Naturschutzzentrums. Seitdem werden ihm immer wieder Weinschwärmer-Raupen auf Fotos oder im Original vorgelegt. Das spricht dafür, dass der Weinschwärmer inzwischen auch im Mittelgebirge heimisch ist, wo er früher nur selten anzutreffen war. Weit verbreitet ist der Schmetterling in den sonnigen Weinbaugebieten Europas, in Deutschland vor allem rund um den Kaiserstuhl in Baden-Württemberg.

Die Raupe des Mittleren Weinschwärmers wurde in Lüdenscheid entdeckt.

Anders als der Name es vermuten lässt, ernähren sich die Raupen von Weidenröschen und Springkräutern wie Fuchsien. Die zu Beginn grünen Raupen wachsen zu fingerdicken Exemplaren heran. Um den Mimikry-Effekt der großen Augen zu verstärken, imitieren die Raupen bei Bedrohung mit Kopfbewegungen das Verhalten einer Schlange. Nach der Verpuppung schlüpfen die rosa geränderten Nachtfalter im kommenden Frühjahr*.

Weitere Tierarten profitieren vom Klimawandel - andere sterben aus

Neben dem Mittleren Weinschwärmer und dem Totenkopfschwärmer profitieren auch andere Schmetterlingsarten von den seit rund 30 Jahren um circa 2 Grad Celsius erhöhten Durchschnittstemperaturen im Sauerland und den geringeren Niederschlagsmengen. So haben sich die Bestände von Mauerfuchs, einigen Perlmutterfaltern und dem Kleinen Bläuling prächtig entwickelt, weil deren Futterpflanzen bessere Lebensbedingungen fanden. Andere Arten verschwinden, wie der Moor-Perlmutterfalter, der im Ebbegebirge inzwischen als ausgestorben gilt.

Ein weiterer Günstling des Klimawandels im Märkischen Kreis sind Spinnen, deren Verbreitungsgebiet sich entlang von Bahnlinien immer weiter in den Norden ausdehnt. Prominentestes Beispiel ist die Wespenspinne*, die seit den 1980er-Jahren im Letmather Raum nachgewiesen ist. Die Nähe zu Dortmund ist dabei rein zufällig und dennoch: Ihr schwarz-gelb gestreifter Hinterleib brachte dem kleinen Krabbler bei heimischen Fußballfans den Beinamen „BVB-Spinne“ ein. - *chiemgau24.de und sauerlandkurier.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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