Drogenprozess am Landgericht

Selbstständiger aus dem MK sieht Cannabis-Plantage als letzten Ausweg

Tüten mit Klemmverschluss und Marihuana
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Symbolbild

Für die Richter der 1. großen Jugendstrafkammer am Hagener Landgericht ist die Suche nach der Wahrheit wieder mal wie ein Puzzlespiel. So haben der Hauptangeklagte (45) und sein mutmaßlicher Gehilfe (21) zwar, wie berichtet, einzelne Tatvorwürfe zögernd eingeräumt. Doch für das komplette Bild, das die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift gezeichnet hat, fehlen offenbar noch wichtige Teile.

Lüdenscheid - Richter Jörg Weber-Schmitz hält dem 21-Jährigen zum Beispiel „ein ganzes Konvolut von Papieren der niederländischen Polizei“ vor. Beamte hatten den jungen Mann und mehrere Bekannte dort erwischt. „Wir waren in einem Coffeeshop und haben konsumiert“, sagt der Angeklagte. „Wie im Urlaub.“

Den holländischen Polizisten hatte er aber bei einer Kontrolle erklärt, er sei in den Niederlanden, weil ein Verwandter dort gestorben sei. Weber-Schmitz: „Entweder erzählen Sie mir Mumpitz oder den Holländern.“ Na ja, so die Antwort, es sei auch nicht sein Verwandter, sondern der eines Freundes gewesen.

Zweifel bleiben auch im Hinblick eines Autos, das offenbar ins Nachbarland überbracht wurde. Ja, sagt der 21-Jährige, das sei wohl ein Touran gewesen, „mehr weiß ich nicht“. Der Richter bricht die Vernehmung an dieser Stelle vorläufig ab.

Angeklagter aus Lüdenscheid um Offenheit bemüht

Im Gegensatz zu seinen beiden Mitangeklagten ist der Dritte im Bunde, ein 55-jähriger Lüdenscheider, anscheinend um Offenheit und „reinen Tisch“ bemüht. Der Mandant von Strafverteidiger Dirk Löber hat sich in der Vergangenheit eine Reihe von Freiheitsstrafen eingehandelt, insgesamt rund 20 Jahre. Er gilt laut Anklage als derjenige, der die Cannabis-Plantage in den Kellerräumen eines ehemaligen Baumarktes in der Innenstadt betrieben haben soll.

Nach Darstellung des 55-Jährigen habe es die illegale Plantage in dem Haus schon länger gegeben, „darum habe ich mich aber nicht weiter gekümmert“. Erst als jemand die Pflanzen und technische Ausrüstung wie Speziallampen entwendet hatte, sei er in das Geschäft eingestiegen. „Die Lampen sollte wieder beschafft werden, ich wollte die Sache 2020 wieder aufbauen.“

Es sei zunächst nur „eine grobe Idee“ gewesen. „Man weiß ja nicht, ob die Pflanzen wachsen.“ Das Geld für den Kauf neuer Gewächse „habe ich vorgestreckt“. Später, wenn der Verkauf klappen würde, habe der Hauptangeklagte, der Mietwagenunternehmer, an dem illegalen Geschäft beteiligt werden sollen.

Warum er „trotz der reichlichen Gefängniskarriere“ auf solch eine Idee gekommen sei, will der Richter von dem Lüdenscheider wissen. Na, er sei selbstständig gewesen, und durch Corona habe er kaum noch Einnahmen gehabt, so die Antwort. „Aber ich hatte schon ein schlechtes Gewissen dabei.“

Die Verhandlung wird am 26. Januar um 9.30 Uhr im Saal 201 des Landgerichts Hagen fortgesetzt.

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