Der Selbsthilfe ein Gesicht geben

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20 Selbsthilfegruppen aus dem Märkischen Kreis beteiligten sich beim Aktionstag im Sterncenter.

Lüdenscheid - „Krebs will niemand haben“, sagt Anette Andrejewski. Die Leiterin der Frauenselbsthilfegruppe nach Brustkrebs war eine von vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern, die den Selbsthilfetag am Samstag im Stern-Center mit Leben gefüllt haben.

Die Informationsveranstaltung stand unter dem Motto „Ein starkes Netz“ und bot den Besuchern neben vielen Gesprächen auch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Der Lüdenscheider Kinderchor war ebenso vertreten wie die Klinik-Clowns „Pampel und Antonella“ und der Stelzenakrobat Marco Köhler. Bürgermeister Dieter Dzewas hatte den Selbsthilfe-Tag um 10 Uhr mit einem Grußwort eröffnet. In den vergangenen drei Jahren diente das Bürgerforum im Rathaus als Veranstaltungsort. „Nun wollten wir die Chance nutzen, dass an einem Samstag rund 30 000 Besucher im Stern-Center unterwegs sind“, so der Vorsitzende des Fördervereins des Selbsthilfezentrums, Dr. Wolfgang Schröder. Stellvertretend für mehr als 100 Angebote im Märkischen Kreis stellten 20 Gruppen sich und ihre Arbeit vor. „Die Selbsthilfe bekommt durch diese Aktion ein Gesicht“, brachte Dr. Wolfgang Schröder die Intention der Veranstaltung auf den Punkt. Die Selbsthilfe sei ein bürgerschaftliches Korrektiv zu den vorhandenen Betreuungsdefiziten. „Sie spiegelt auch die Dynamik des Lebens wider. Eine Gruppe, die heute noch besteht, kann in einem halben Jahr schon wieder aufgelöst sein.“

Koordiniert wird die Arbeit der unterschiedlichen Initiativen von der Selbsthilfe-Kontaktstelle an der Friedrichstraße, die vom Paritätischen Wohlfahrtsverband getragen wird. „In einem Monat bekommen wir rund 80 Anfragen zum Thema Selbsthilfe und in diesem Jahr hatten wir bereits fünf Neugründungen“, so MK-Geschäftsführer Horst Löwenberg vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Anfang nächsten Jahres soll die Kontakstelle offiziell eingeweiht werden. „Zurzeit wird noch an der Innenausstattung gearbeitet“, so Löwenberg. Sabine Seefeld und Andreas Teschner, Mitarbeiter in der Selbsthilfe-Kontakstelle, ziehen bereits gegen Mittag ein positives Zwischenfazit. „Die Resonanz von den Ständen ist gut.“ Zudem freuen sich die Organisatoren, dass die Plakate des Selbsthilfe-Tages auch im Stern-Center großflächig angebracht wurden.

„Auch wenn viele Leute einfach an den Ständen vorbeigehen; irgendwas bleibt immer hängen“, ist sich Dr. Wolfgang Schröder sicher. Vielleicht sei das Thema Selbsthilfe für jeden einzelnen zwar jetzt nicht interessant, könnte aber möglicherweise in der Zukunft relevant werden. Die vielen Helfer an den Ständen sind in jedem Fall mit Freude bei der Sache.

Auch Doris Fittig von der Selbsthilfegruppe Polyneuropathie wirbt mit vollem Einsatz für ihre Arbeit. „Ich sitze zwar im Rollstuhl, bin aber trotzdem nicht aus der Welt“, sagt die Leiterin der Gruppe selbstbewusst. Jeder könne etwas bewegen. Polyneuropathie ist eine Schädigung der Nerven, die oftmals als Folge einer Diabeteserkrankung auftritt und gleich mehrere Bereiche des Nervensystems angreift. Dass es oft prominente Schicksale sind, die die Menschen wachrütteln, können sowohl Anette Andrejewski von der Frauenselbsthilfegruppe nach Brustkrebs, als auch Frank Timmer von der Gruppe für psychosomatisch und psychisch Kranke berichten. Der tragische Selbstmord von Torwart Robert Enke und die OP von Angelina Jolie hätten eine breite Öffentlichkeit erreicht. - jw

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