Stadtbücherei Lüdenscheid führt neues System ein

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Dagmar Plümer (links) und Petra Schrader erläuterten das neue System in der Bücherei.

Lüdenscheid - „Ich glaube, wir sind die erste Bücherei im Märkischen Kreis, die dieses System einführt.“ Für Dagmar Plümer, Leiterin der Stadtbücherei, und ihr Team bedeutet die Umstellung auf RFID (Radio Frequence Identification“) eine Menge Arbeit – aber eine, die sich mit Blick in die Zukunft lohnt. Da sind sich Leitung und Mitarbeiter sicher.

90.000 Medien werden derzeit angefasst, aufgeschlagen, mit einem Funketikett beklebt, codiert und wieder zurück ins Regal gestellt. Ein oder zwei Stunden am Stück kann sich ein Mitarbeiter damit beschäftigen, danach „braucht man erstmal Luft“.

„RFID“ ist ein funkgesteuertes System. In einem Aufkleber verbirgt sich eine Metallantenne, die Daten wie Ausleihe oder Rückgabe speichern kann. Identifiziert sich ein Büchereinutzer mit seinem Leseausweis und legt seine Wunschmedien auf einen speziellen Lesetisch, werden bis zu fünf Medien auf einmal gescannt. Der Rückweg funktioniert ähnlich. Der Kunde stellt seine Medien in ein sogenanntes „intelligentes Regal“, das die gespeicherten Daten ausliest, an die Bücherei-Datenbank überträgt – und das Medium wird wieder im Bestand geführt.

Zukunftsmusik am Graf-Engelbert-Platz? Mitnichten: Ab Oktober soll das System funktionieren. „Das System selbst ist alt. Soweit ich weiß, wurde diese Technologie 1948 das erste Mal benutzt. Heute gibt’s das überall – im Autoschlüssel, beim Gepäcktransport auf Flughäfen oder in Hotelzimmern“, erklärt Dagmar Plümer. Ab Oktober werden in der Eingangshalle der Bücherei auf der einen Seite die Ausleihstation und auf der anderen Seite das elektronische Rückgaberegal stehen.

Rund 150 000 Euro kostet die Einführung des Systems. 80 Prozent davon werden aus einem Fördertopf des Landes NRW bezahlt, der für Modernisierungsmaßnahmen in Büchereien vorgesehen war. Bereits 2014 hat Lüdenscheid die Förderung beantragt und inzwischen erhalten. Die Restsumme ist im Etat der Stadtbücherei enthalten.

Für die Büchereinutzer sehen Dagmar Plümer und Petra Schrader, die das System erläuterten, viele Vorteile. Zum Beispiel, dass sich die Wartezeiten auf ein Medium verkürzen. Denn sobald Buch, CD oder DVD ins „intelligente Regal“ gestellt wird, kann das Medium sofort wieder ausgeliehen werden: „Erfahrungswerte sagen, dass 25 Prozent der Medien gleich wieder weg sind.“ Nächster Vorteil: die Anonymität. Mit dem ausgeliehenen Medium wird kein Gesicht mehr verbunden, die Diskretion wird gewahrt – „In den Toiletten der öffentlichen Büchereien finden sich so manche Aufklärungsbücher wieder“.

Im Februar wurde das rund 20-köpfige Büchereiteam auf die Umstellung und den Umgang mit den beiden mobilen Codierstationen vorbereitet, die derzeit durchs Haus am Graf-Engelbert-Platz rollen. 35 000 Medien haben die Mitarbeiter schon geschafft. Auch für sie soll das System große Vorteile bringen. Plümer: „Die beiden Mitarbeiter scannen am Empfang im Durchschnitt am Tag 1000 Medien ein mit immer der gleichen Bewegung, und das Gleiche auch noch mal an Rückgaben. Das geht auf die Knochen.“ Die Technik allerdings soll den Menschen nicht ersetzen. Plümer: „Wir haben auch so genug zu tun. Durch das RFID-System ändern sich die Tätigkeitsfelder der Kollegen. Sie können wieder die Nutzer beraten. Und natürlich wird auch weiterhin Personal im Eingangsbereich sein. Aber das Ziel ist die Selbstbedienung.“

Rund sechs Wochen wird die Bücherei im Anschluss an die Sommerferien in diesem Jahr für den zum neuen System passenden Umbau des Empfangsbereiches geschlossen bleiben. Bewusst erst nach den Ferien, um den Ferienkindern mit Programm und Sommerleseclub noch das eine oder andere bieten zu können. Ab Oktober heißt es dann: Selbst ist der Nutzer.

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