Tobias Sekulic lebt nicht von, sondern mit seinen Bienen

bienen kater
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Tobias Sekulic ist davon überzeugt, dass er mit seinem „Bienen-Kater“ mit sauberer Arbeit durchstartet.

Der Lüdenscheider Tobias Sekulic bezeichnet sich selber nicht als der „typische“ Imker. Tattoos zieren seinen Körper, zudem ist er kein Typ, der gerne Anzug trägt. „Ich trage, was mir gefällt und lasse mich nicht verbiegen. Da habe ich meinen eigenen Style“, sagt Sekulic, der gebürtig aus dem Schwarzwald kommt. Da kann es dann auch mal eine gemütliche Hose oder ein weißes T-Shirt bei der Arbeit mit seinen Bienen sein.

Lüdenscheid – Denn die stehen bei dem 49-Jährigen und seinem Imkereibetrieb „Bienen-Kater“ im Vordergrund. „Mein Ziel ist es, die Tiere gesund zu halten und wirklich sauber zu arbeiten. Ich versuche auch, Aufklärungsarbeit zu leisten. Jeder, der Interesse an meiner Arbeit hat, kann mir auch gerne über die Schulter gucken.“

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl 72.313 (Stand: 31.12.2019)

Tobias Sekulic lebt nicht von, sondern mit seinen Bienen: Zurzeit beherbergt Sekulic 40 Völker

Zehn Völker beherbergt Sekulic in seinem angemieteten Garten im Brügger Industriegebiet. 20 weitere sind noch in Lüdenscheid verteilt sowie zehn bei einem Freund in der Nähe von Bremen. Macht insgesamt 40 Völker, doch davon alleine kann der gelernte Heilerziehungspfleger auf Dauer nicht leben. 70 bis 100 Völker möchte Sekulic umsorgen.

Dann kann er auch schwarze Zahlen schreiben. Von seinem Weg in die Selbstständigkeit und seiner Vision ist er dabei komplett überzeugt. Denn er wurde nicht Imker, um sich irgendetwas zu beweisen, sondern vielmehr, weil er den Tieren etwas Gutes tun will. Und auch, weil ihn sein Beruf als Heilerziehungspfleger zu viel Kraft raubte. „Ich werde im nächsten Jahr 50 und merke, dass mir die Probleme zu nah gehen. Deswegen möchte ich raus aus diesem Beruf.“ Außerdem könne er in der Rolle des Imkers sein eigener Chef sein, erklärt Sekulic. Er arbeitet mittlerweile nur noch ein paar Stunden als Sozialarbeiter, ist ansonsten mit der Imkerei „verheiratet“. „Ich würde auch eine Ausbildungsstelle anbieten. Aber mein Betrieb muss gesund wachsen.“

In Brügge steckt er zurzeit mitten in den Renovierungsarbeiten für seinen eigenen Verkaufsraum. Auch bei diesem Projekt ist es ihm wichtig, sauber und korrekt zu arbeiten. Ähnlich, wie es bei der Arbeit mit den Bienen der Fall ist. „Auch in meinem Laden sollen sich die Kunden wohl fühlen.“ Sein Ziel ist es, im Juni die Kunden begrüßen zu können. Spätestens dann sollen auch die Hinweisschilder angebracht sein, die den Kunden den Weg zum „Bienen-Kater“ weisen.

Tobias Sekulic lebt nicht von, sondern mit seinen Bienen: Wie er auf den Namen „Bienen-Kater“ kam

Apropos „Bienen-Kater“. Wie kam Sekulic auf diesen Namen? „Als ich vor einigen Jahren aus dem Schwarzwald ins Sauerland zog, traf ich auf einem Lüdenscheider Bauernhof fünfzehn verwahrloste Hofkatzen an, um die sich niemand kümmerte. Sie waren in einem gesundheitlich erbärmlichen Zustand; einige waren augenscheinlich ohne menschliche Hilfe dem Tode geweiht. Ich mietete mir eine Wohnung auf dem Gehöft und begann mich den Katzen langsam zu nähern. Die Tiere begannen alsbald Vertrauen zu fassen und verstanden schnell, wo es von nun an täglich Futter und Streicheleinheiten gab. Mit Hilfe einer sehr guten Freundin und lieben Menschen konnten sogar Spendengelder gesammelt werden, um die Katzen kastrieren und medizinisch versorgen zu lassen. In einem besonders kreativen Moment ließ ich dann das Beste aus zwei Welten zusammenfließen und ‘das Kind‘ bekam seinen Namen: Bienen-Kater. Seit dem arbeite ich unermüdlich daran, meiner Vision ein unumstößliches Fundament zu verschaffen“, schreibt Sekulic auf seiner Homepage, die erst vor wenigen Tagen fertig gestellt wurde (www.bienen-kater-de).

Integriert auf der Seite ist auch ein Online-Shop. Der Honig aus dem Frühjahr und Sommer ist somit nicht nur in Brügge, sondern auch online erhältlich. Dabei ist es Sekulic wichtig, den Kunden transparent darzulegen, welche Zutaten sein Honig enthält. „Das, was auf dem Etikett steht, ist auch drin und echt“, sagt der Imker, der auch über eine Biozertifizierung verfügt. Zum Erhalt dieser Zertifizierung muss der Imker bestimmte Kriterien erfüllen, die vor Ort überprüft werden. Doch nur auf das Bio-Siegel verlässt sich Sekulic nicht. Dieses müsse auch wirklich mit Leben gefüllt werden. „Nur als Beispiel: Ich lasse den Bienen auch über den Winter ihren Honig, und gebe ihnen nicht eine Mischung aus Zucker und Wasser. Sie wollen ja auch gesunde Tiere haben.“

Tobias Sekulic lebt nicht von, sondern mit seinen Bienen: Sekulic stutzt seiner Königin nicht die Flügel

Zudem stutzt er nicht die Flügel der Königin, damit sie nicht wegfliegen kann. Er setzt sie lieber selber um in eine neue Holzbeute, oder ins „Häuschen“, wie er es selber nennt. „Diesen Begriff finde ich viel schöner und angebrachter.“

Dieses Jahr war allerdings weder für den Imker noch seine Völker wettertechnisch wirklich gut. „Aufgrund des schlechten Wetters ist dieses Jahr auch ein schlechtes Bienenjahr. Erst ab zwölf Grad geben Pflanzen auch den Nektar.“ Dennoch habe er seine Entscheidung nicht bereut, aus der „sonnenreichsten Stadt“ Freiburg ins Sauerland zu ziehen, denn: „In anderen Regionen können die Bienen vielleicht mehr erzeugen, aber hier haben wir einen ganz charakteristischen Honiggeschmack.“

Dennoch gibt sich Sekulic nicht nur mit dem märkischen Honiggeschmack zufrieden. Er möchte in Zukunft auch Honig aus anderen Ländern über seine Plattform anbieten und hat dafür bereits Kontakte geknüpft mit Imkern aus Portugal, Spanien, Griechenland und Polen. „Ich muss mir nur noch einmal genau ansehen, ob die jeweiligen Sorten meine Werte vertreten.“ Probiert hat Sekulic sie bereits. Wenn er sie kauft, werden sie auch dazu beitragen, dass Sekulic‘ Angebot weiter wächst. Von einer Sache ist der Imker nämlich überzeugt. „Ich glaube fest daran, dass der „Bienen-Kater sich etabliert.“

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