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Sehnsucht Sommerurlaub: Lüdenscheider Reisebüros geben Tipps

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Von: Leon Malte Cilsik

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Ein grüner Sonnenschirm steht am Strand an der Ostseeküste
Neben dem Mittelmeer sind auch Nord- und Ostsee nach wie vor beliebte Reiseziele der Lüdenscheider. © Jens Büttner/dpa

Vor den Osterferien hielt sich die Reiselust der Lüdenscheider durch Corona und den Krieg in der Ukraine noch in Grenzen. Wie hat sich die Nachfrage seitdem entwickelt? Wir haben erneut nachgehakt.

Lüdenscheid – Sommer, Sonne, Strand und Meer – was für viele Menschen vor Corona wie selbstverständlich zum Urlaub gehörte, rückte während der vergangenen beiden Jahre oft in unerreichbare Ferne. Zu groß waren die Sorgen um die eigene Gesundheit und die Einschränkungen durch die jeweils geltenden Maßnahmen. Auch der Krieg in der Ukraine wurde zum Faktor – vor allem bei osteuropäischen Reisezielen. Vor den diesjährigen Osterferien hielten sich viele Lüdenscheider daher noch zurück, wie LN-Anfragen bei den lokalen Reisebüros Hollweg und Kattwinkel ergaben. Dennoch machte sich bereits damals eine stetig steigende Reiselust bemerkbar. Hat sich dieser Trend fortgesetzt – speziell angesichts der nahenden Sommerferien? Die LN haben noch einmal nachgehakt.

„Im Mai und Juni kam der Umschwung“, sagt Philipp Kleinschmidt, Inhaber von Hollweg-Reisen. „Seitdem in Europa kaum noch Reisebeschränkungen und andere Coronamaßnahmen gelten, ist die Nachfrage für kurzfristige Urlaube in diesen Sommerferien enorm gestiegen und befindet sich etwa auf dem Niveau von 2018 und 2019 – sehr guten Jahren für die Reisebranche.“ Die kurzfristige Zuversicht der Kunden spiegele sich auch in ihren langfristigen Planungen wider, seien es nun Urlaube im Winter oder im nächsten Jahr.

Verunsicherung bleibt bestehen

Auch Angelika Klöpping, Inhaberin vom Holiday Land im Stern-Center, bestätigt: „Aktuell haben wir viel zu tun, die Menschen zieht es wieder in die Ferne“. Schon jetzt gebe es mehr Buchungen als in der gesamten Urlaubssaison 2021. Dennoch relativiert Klöpping: „Die Menschen sind noch immer vorsichtig, sie buchen und reagieren oft erst sehr kurzfristig.“ Exemplarisch führt Klöpping Portugal an, wo in Folge der steigenden Infektionszahlen in den vergangenen Wochen die Zahl der Stornierungen wieder gestiegen sei. Auch der Krieg in der Ukraine habe nach wie vor großen Einfluss, wenn auch deutlich weniger als noch vor den Osterferien: „Bei osteuropäischen Reisezielen wie der polnischen Küste sind viele Kunden nach wie vor skeptisch. Die Nachfrage für diese Ziele normalisiert sich aber zunehmend.“

Phillip Kleinschmidt vom Reisebüro Hollweg.
Philipp Kleinschmidt vom Reisebüro Hollweg. © Malte Cilsik

Auch Kleinschmidt räumt ein: „Der Aufschwung könnte noch deutlich größer sein, eine allgemeine Verunsicherung bleibt.“ Beispielsweise würden die Kapazitäten für Bulgarien stetig sinken. „Durch die geringere Nachfrage gibt es weniger Flüge“, erklärt Kleinschmidt. Auch die Inflation sei ein Thema, im Vergleich mit 2018 und 2019 seien die Kosten für eine Pauschalreise um bis zu 20 Prozent gestiegen – hauptsächlich aufgrund höherer Energiepreise und Personalmangel an Flughäfen und Hotels. „Besonders in der Türkei, Griechenland und Kroatien steigen die Preise deutlich“, sagt Kleinschmidt.

Faktoren wie diese veranlassen Klöpping dazu, die in den Medien kursierenden Berichte über enorme Umsatzsteigerungen bei Reiseanbietern zumindest teilweise zu relativieren. Gestiegene Reiselust sei zwar ein Grund dafür, könne diese aber nicht allein erklären. Stattdessen mache sich die Thomas Cook-Pleite 2019 nun erst richtig bemerkbar. „Dabei wurde eine riesige neue Zielgruppe frei, die sich nun, da das Reisen wieder möglich ist, auf andere Anbieter verteilt.“

Die beliebtesten Reiseziele

Doch wohin verreisen nun diejenigen, die es trotz Corona, Krieg und Inflation in die Ferne zieht? Anna Meoli vom Reisebüro Kattwinkel hat darauf eine klare Antwort: „Wie immer liegen Ziele am Mittelmeer, zum Beispiel in Spanien, Griechenland, Italien oder der Türkei, weit vorne.“ Aber auch Ägypten erfreue sich zunehmender Beliebtheit und – nach wie vor – Ferienwohnungen an der deutschen Nord- und Ostseeküste. Wer derartig beliebte Ziele noch in diesen Sommerferien anvisiert, sollte sich beeilen und eine gewisse Flexibilität mitbringen: „Viele Kapazitäten gibt es nicht mehr. Wenn man aber zwei Wochen Urlaub hat und davon neun Tage weg möchte, finden wir immer etwas – auch für die ganze Familie“, betont Meoli.

Kleinschmidt empfiehlt zusätzlich, sich bei der Urlaubssuche nicht auf eine Vollpension zu beschränken und vielleicht lieber eine längere statt mehrere kürzere Reisen zu machen. „Dadurch sinkt der Fluganteil an den Reisekosten – und damit einer der größten Kostenfaktoren.“ Sein Geheimtipp in Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis: die Kanaren und Dänemark, auch Plätze gebe es hier noch genug. Eine abschließende Empfehlung gibt der Reisebüroleiter allen Urlaubern mit auf den Weg: „Bringen Sie Ruhe und Geduld mit, wenn an Flughäfen und in Hotels alles etwas länger dauert. Fachkräfte fehlen an allen Ecken und Enden.“ Zur Not gebe es genug Wege, sich im Nachhinein rechtlich Gehör zu verschaffen.

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