Science Slam 

Imposante Sprechgeschwindigkeit

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Die Trophäe ging an Daniel Meza Arredondo.

Lüdenscheid  -  Moderator Marian Heuser rief das Publikum zu Nachsicht und vorsichtiger Behandlung auf: „Es sind Wissenschaftler - sie scheuen die Öffentlichkeit“, kündigte er vor dem Science-Slam im Kulturhaus die sechs Teilnehmer an. Dass diese eben nicht die Öffentlichkeit scheuen, zeigte sich in den darauf folgenden zweieinhalb Stunden: Am Ende hatte mal wieder der größte Spaßvogel gewonnen.

Jene, die auf anspruchsvolle und unterhaltsame Weise ihr Fachgebiet vorstellten, kamen knapp dahinter auf die Plätze. Aber was zählte das Ergebnis nach einem Abend, an dem die sechs Nachwuchswissenschaftler allesamt sehenswerte Auftritte hingelegt hatten? Sieger Daniel Meza Arredondo, Physiker und Mexikaner, präsentierte in einem schwindelerregenden Vortrag sein Fachgebiet der Effizienzverbesserung von Solaranlagen.

Dabei brachte er es tatsächlich fertig, dass zwischen seinen kühnen Vergleichen und Bildern zur Veranschaulichung ein kleiner Zipfel der von ihm tatsächlich betriebenen Forschung herausschaute. Irgendwann werden unsere Solardächer möglicherweise mehr Sonnenenergie in Strom verwandeln. Doch bis dahin bleibt der Eindruck eines sonnigen Wirbelwinds mit einer imposanten Sprechgeschwindigkeit, dem man nicht jedes Detail abkaufen musste.

„Neuneinhalb statt der erlaubten zwölf Minuten“, staunte Heuser über den blitzartigen Auftritt und überreichte dem Physiker aus Berlin am Ende den Goldenen Hirnheimer. Eine verblüffende und lehrreiche Wendung gab es im Laufe des Vortrags von Fabian Navarro. Er stellte sich als Mineraloge und Kristallograph von der Universität Hamburg vor und erzählte die Geschichte zweier Granitsteine, deren Kristallstrukturen sich auf geheimnisvolle Weise gegenseitig beeinflussen. Der Germanist aus Wien, der Navarro tatsächlich ist, löste die vollständig erfundene Geschichte von der Heirat der Granitblöcke auf. Es war nichts Anderes als eine Probe auf die Gutgläubigkeit des Publikums. „Ich habe nichts mit Naturwissenschaften am Hut“, erklärte Fabian Navarro und machte deutlich, woran jeder aufmerksame Beobachter den „Fake“ längst hätte bemerken können.

Wenig zu lachen gab es während des Vortrags der Kulturwissenschaftlerin Jutta Teuwsen: „Gewalt, sexueller Missbrauch und Hitler in der Kunst“. Sie veranschaulichte anhand von Gemälden des Künstlers Gottfried Helnwein die Wirksamkeit von Bildern. Der Österreicher wurde bekannt durch Bilder, die Gewalterfahrungen wie den nationalsozialistischen Mord an angeblich „lebensunwerten“ Kindern auf eine verstörende Art und Weise thematisieren. Da gab es kaum etwas zu lachen. Marian Heuser erinnerte nach dem Vortrag daran, „dass Wissenschaft nicht nur unterhaltsam sein muss, um an einem Science Slam teilzunehmen“.

Aufschlussreiche Einblicke in sein Fachgebiet lieferte auch Samir Salameh, der einen überraschenden Bogen von den Adhäsionskräften zwischen Nanopartikeln zum Kreuzritter Richard Löwenherz schlug. Auch der Evolutionsbiologe Dr. Harald Kullmann und die Meeresbiologin Julia Schnetzer führten unterhaltsam in ihre Fachgebiete ein. Jurassic Park ist überall, machte Harald Kullmann deutlich: „Die Dinosaurier sind außer den Vögeln ausgestorben.“ Julia Schnetzer berichtete von der weltweiten Meerwassersammelaktion am „Ocean Sampling Day“, die eine Million bislang völlig unbekannter Gene zutage brachte

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