Science Slam im Kulturhaus: Supermodel heiratet Monster

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Der Macher des Science Slam, Marian Heuser (l.), versammelte wieder Wissenschaftler um sich, die ihre Forschungserkenntnisse humorvoll verpackten und sich um den Jurypreis bewarben.

Lüdenscheid - Den Beweis, dass Wissenschaft nicht trocken sein muss, sondern unterhaltsam, verständlich und witzig präsentiert werden kann, erbrachte einmal mehr der Science Slam im Kulturhaus. Die Veranstaltung, an der fünf Wissenschaftler aus ganz Deutschland teilnahmen, lockte wieder zahlreiche interessierte Besucher in den Theatersaal.

Der Ablauf des von Marian Heuser initiierten und moderiertenWettbewerbs ist ähnlich wie beim ebenfalls von Heuser durchgeführten Poetry-Slam „World of Wordcraft“, wobei allerdings im Gegensatz zum Literatur-Contest Powerpoint-Präsentationen, Requisiten und Live-Experimente erlaubt und erwünscht sind. Jeder Teilnehmer durfte einen Vortrag von maximal 12 Minuten halten, im Anschluss vergaben sieben Juroren aus dem Publikum jeweils maximal 10 Punkte. Als Preis lockte der von der Künstlerin Claudia Bäcker-Kirmse gestaltete „Goldene Hirn(h)eimer“.

Für Abwechslung war gesorgt, denn jeder Teilnehmer deckte ein anderes Fachgebiet ab. Einleitend amüsierte Germanistin Verena Romoth aus Wuppertal mit Wortzusammensetzungen, die unterschiedliche Bedeutungen haben können. Dabei arbeitete sie mit Kindern, die die Bedeutung bestimmter Worte als Bilder festhalten sollten. Hierbei brachten die Kinder dann zum Beispiel beim Begriff „Armleuchter“ einen leuchtenden Arm zu Papier oder malten eine „Augenweide“, bei der die Pflanzen statt einer Blüte jeweils ein Auge haben.

Die Biologin Julia Schnetzer aus Bremen brachte dem Publikum die Welt der Mikroorganismen näher: Bakterien, die leuchten und Tintenfische, die sich diese Eigenschaft beim Verstecken vor Fressfeinden zunutze machen.

Die Frage, ob wir tatsächlich aus der Geschichte lernen, stellte der Historiker Christian Krumm aus Duisburg und ging ihr mit Hilfe der Arbeiten des niederländischen Kulturhistorikers Johan Huizinga auf den Grund. Zwar sei das Faktenwissen mehr geworden, jedoch vermittelten viele Medien die falschen Dinge, erklärte Krumm. Als Beispiel präsentierte er eine Titelstory der Bild-Zeitung, in der es darum ging, dass Adolf Hitler nur einen Hoden hatte. Der Appell des Historikers, sich nicht vor jeden Medienkarren spannen zu lassen, wurde mit viel Applaus und einer Jurywertung von 45 Punkten belohnt.

Doch der Gewinner des „Goldenen Hirn(h)eimer“ betrat erst nach der Pause die Bühne und fuhr ein sensationelles Ergebnis ein. Zunächst stellte jedoch der Wissenschaftsjournalist Mario Rembold eine theoretische Möglichkeit vor, wie ein Lottotipper die Zahlen vor der Ziehung ermitteln könnte. Der Umstand, dass sich Masse nicht auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigen lässt, macht das Vorhaben unpraktikabel.

Der Mathematische Physiker Wadim Wormsbecher schoss schließlich den Vogel ab und wurde mit der Bestwertung von 50 Punkten belohnt. Wormsbecher stellte die Dualitäten der Physik gegenüber und verheiratete dafür ein Supermodel (Relativitätstheorie) mit Frankensteins Monster (Standardmodell). Warum diese Heirat funktioniere, darum drehe sich seine Forschungsarbeit, so Wormsbecher.

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