Hotelchefin will den Mann gesehen haben

Schwere Brandstiftung in der Bayernstraße: Alibi des Hauptangeklagten wackelt

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Symbolbild

Lüdenscheid - Im Prozess um die verheerende Brandstiftung an der Bayernstraße in Lüdenscheid wackelt das Alibi des Angeklagten. Eine Frau will ihn in der Tatnacht gesehen haben.

Eine Hotelchefin aus Leverkusen will den 32-Jährigen in der Tatnacht gesehen haben, wie er durch einen Hinterausgang das Hotel verließ - wenige Stunden vor Ausbruch des Feuers an der Gartenstraße.

Die Lage war für die Bewohner der Häuser Bayernstraße 29 und 31 „lebensbedrohlich“. So sagt es der Brandsachverständige der Kripo. Doch so detailliert seine Angaben über die Funde von Brandbeschleunigern am Tatort und deren Wirkung auch sind – wer die Gasbehälter, Grillanzünder oder Plastikflaschen voller Benzin in den Gebäuden verteilt und angezündet hat, das ist gerichtlich noch ungeklärt. Die Eheleute schweigen weiter. 

Das Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Marcus Teich trägt also weiter Indizien zusammen. Es geht unter anderem um das Alibi der Angeklagten. 

Alles zur Brandstiftung in der Bayernstraße hier

Waren sie wirklich mit ihren Kindern in einem Hotel in Leverkusen? Die Betreiberin des Hotels bestätigt im Zeugenstand, spät abends vor der Tatnacht habe jemand telefonisch ein Doppelzimmer mit Frühstück gebucht, gegen 22.50 Uhr seien die Gäste dann eingetroffen. „Für mich war’s eine junge Familie, ganz normal.“ 

Die Videoüberwachung zeichnet auf, wie ein Mann um 23.13 Uhr, wenige Stunden vor Ausbruch des Feuers an der Bayernstraße, das Hotel in Leverkusen durch einen Hinterausgang verlässt. „Er hatte eine Kapuze auf dem Kopf“, so die Zeugin. Und sie sei sicher, dass es der Familienvater war. „Es war in dieser Nacht kein anderer Gast da, der so aussah.“ 

Die Hotelchefin erinnert sich außerdem daran, dass der Angeklagte sie beim Einchecken gefragt habe: „Wenn was passiert, wie kommen wir hier raus?“ Sie habe ihm dann den Hinterausgang gezeigt. 

Sollte die Erinnerung der Leverkusenerin tatsächlich nicht trügen, könnte dies zur Aussage einer 16-Jährigen passen, die den Haupangeklagten um 2.15 Uhr, wenige Minuten bevor das Feuer ausbrach, an der Bayernstraße in einem Hausflur gesehen haben will. 

So mühsam für die Kammer das Sammeln von Fakten erscheint, so zäh stürzen sich die Verteidiger auf Erkenntnisse, die ihre Mandanten entlasten könnten. Dazu gehören auch vermeintliche Lässigkeiten bei der Ermittlungstätigkeit der Polizei. 

Die Kripo hatte den Wagen der 28-jährigen Mitangeklagten am Tag nach dem Brand auf den Hof der Wache gebracht, um ihn nach Beweismaterial zu durchsuchen. Unklar ist, welchen Status die Frau in den Augen der Ermittler hatte. Ein Hauptkommissar sagt: „Für mich war sie zunächst Zeugin.“ 

Sie verriet den Zugangscode zu ihrem Smartphone, damit die Polizei Verbindungsdaten auswerten kann. Die Verteidiger widersprechen der Verwertung der Angaben ihrer Mandantin. Sie sei nicht über ihre Rechte als Beschuldigte belehrt worden – und nicht darüber, dass sie ihren Ehemann nicht belasten muss.

Der Prozess wird am 18. Dezember um 9 Uhr im Saal 201 des Landgerichts fortgesetzt.

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