Es geht um viel Geld

Schwerer Verdacht: Korruptionsvorwürfe im Klinikum Hellersen

+
Während am Klinikum Hellersen neue OP-Säle entstanden, flog in der gesamten Gesundheitsholding ein groß angelegter Schwindel um getürkte Handwerkerrechnungen auf.

Lüdenscheid - Betrug, Bestechung, Korruption: Wegen solcher und anderer Vorwürfe müssen sich zwei Angeklagte demnächst vor der 1. großen Wirtschaftsstrafkammer verantworten.

Die beiden Männer aus Altena und Lüdenscheid sollen das Klinikum Hellersen durch ihre kriminellen Machenschaften um rund 635.000 Euro erleichtert haben. 

Noch gibt es keinen Prozesstermin, aber die jahrelangen Ermittlungen sind offenbar abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben, eine Terminierung steht laut Gerichtssprecher Bernhard Kuchler bevor. Die Prozessbeteiligten rechnen mit einer umfangreichen Hauptverhandlung und der Vernehmung zahlreicher Zeugen. 

Weitere Verfahren gegen andere Beschuldigte, auch aus den Reihen des Klinikums, wurden in diesem Zusammenhang ebenfalls eröffnet, inzwischen aber prozessual abgetrennt.

Betrug in großem Stil

Nach derzeitigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hat sich der heute 52 Jahre alte Angeklagte aus Altena in der Zeit zwischen Januar 2013 und August 2017 in 78 Fällen des gewerbsmäßigen Betruges und einer Vorteilsgewährung schuldig gemacht. 

Er arbeitete als Geschäftsführer eines Installationsbetriebes nach Angaben aus dem Landgericht seit den 90er-Jahren eng mit dem Krankenhaus Hellersen zusammen. Das Klinikum galt als größter Auftraggeber des Handwerksbetriebes.

Falsche Abrechnungen

Die angeklagten Fälle fielen zeitlich zum Großteil in die Phase, in der im Klinikum für 8,5 Millionen Euro neun neue Operationssäle geplant und gebaut wurden. 

Wie Bernhard Kuchler erklärt, steht der Hauptangeklagte im Verdacht, Leistungen seiner Handwerker mit der Klinik-Leitung abgerechnet zu haben, die gar nicht erbracht worden waren. In einigen Fällen soll der Geschäftsführer aus Altena erfolgte Arbeiten seiner Klempner-Kolonne mehrfach in Rechnung gestellt oder auf verschiedenen Bescheinigungen zu viele Arbeitsstunden geltend gemacht haben. 

Nach vorliegenden Informationen war der groß angelegte Schwindel zufällig aufgeflogen, als Dr. Thorsten Kehe als Geschäftsführer des Klinikums stichprobenartig eine Rechnung des Handwerksbetriebes überprüft und festgestellt hatte, dass eine neue Wasserpumpe zwar bezahlt, aber weder geliefert noch eingebaut worden war. 

Offenbar brachte Dr. Kehe das Ermittlungsverfahren damit ins Rollen. Bei den Ermittlungen fiel zudem auf, dass bestimmte Installateure laut Rechnungsdaten gleichzeitig auf zwei Baustellen in Hellersen gearbeitet haben sollen. 

Im Aufsichtsrat der Wirtschaftsdienste (WiDi) Hellersen, ein Betrieb der Gesundheitsholding, wunderte man sich, wie zu erfahren war, bereits monatelang über die „enormen Höhe“ von Kosten für Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten. 

Der im aktuellen Verfahren mitangeklagte Mann, ein heute 38 Jahre alter Lüdenscheider, hat dem 52-Jährigen Hauptangeklagten nach Ermittlungen der Wirtschaftsfahnder in 30 Fällen Beihilfe zu den lukrativen Betrügereien geleistet, einmal selbst aktiv einen Betrug begangen und sich einer Vorteilsnahme schuldig gemacht.

Durchsuchungen

Durchsuchungen fanden sowohl in Büros von Beschäftigten der, zur Märkischen Gesundheitsholding zusammengeschlossenen, Betriebe als auch in Räumen des Altenaer Handwerksunternehmens statt. 

Nach den Razzien der Ermittler sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Dr. Gerhard Pauli, bereits im Februar 2018, bei den Vorwürfen gegen Mitarbeiter der Verwaltung der Klinikbetriebe und den Handwerksbetrieb handele es sich um Betrug und Vorteilsnahme. Das sei „im weitesten Sinne Korruption“. 

Bei Mitarbeitern der Holding bestand nach den Durchsuchungen der Verdacht, dass sie für die Erteilung von profitablen Aufträgen finanzielle Gegenleistungen aus dem Installationsbetrieb erhalten hätten. In einem Fall soll ein Beschäftigter der Gesundheits-Holding dafür sein privates Badezimmer saniert bekommen haben.

Der Prozess

Wann die Hauptverhandlung gegen die beiden Männer am Hagener Landgericht eröffnet wird, ist noch unklar. Der Hauptangeklagte lässt sich von Rechtsanwalt Dominik Petereit verteidigen. Die Vertretung des 38-Jährigen aus Lüdenscheid übernimmt Strafverteidiger Karl-Werner Lohmann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare