Schwerer Raub: Dauerarrest

LÜDENSCHEID  - Ein Tollstück aus der „Isch-schwör-dir-Alder“-Szene. Hier ist es, wie der Angeklagte (18) sagt, „total normal“, wenn jemand Hiebe mit einem Schirm bekommt und jemandem sieben Euro gibt. Oder am Sauerfeld seine neuen Nike-Turnschuhe auszieht – und mit den Fünf-Euro-Latschen des Täters von dannen schleicht.

Aber erst, nachdem er sich noch 40 Euro aus der Tasche hat ziehen lassen. Jugendrichter Marcus Teich entfährt ein Seufzer. „Also, was machen wir jetzt mit Ihnen?“ Der Beschuldigte scheint sich zu wundern. Es sei doch „alles freiwillig“ gewesen, sagt er. Mit dem Schirm gehauen? „Ja, aber ohne dass es weh tut.“ Schuhe „abgezogen“? „Ich habe gefragt, ob ich die anprobieren darf.“ Mit dem Messer bedroht? „Ich hatte kein Messer dabei.“

Strafverteidiger Bernd Eisenhuth leidet an der Beratungsresistenz seines Mandanten. Trotz erdrückender Indizien, trotz wiederholter Appelle, Eisenhuth zuckt mit den Schultern und sagt zu Richter Teich: „Man sieht mich ratlos, das kommt höchst selten vor.“ Denn der Kumpel seines Mandanten, 18 Jahre jung, „mach’ isch noch Schule“, feixt im Zeugenstand zwar herum und mag sich nicht mehr so recht erinnern. Aber als ihm seine belastende Aussage bei der Polizei vorgehalten wird, „der hat ihn abgezogen“, nickt er, immer noch grinsend. Und berichtet offenherzig, dass er beim ersten Mal das Opfer per Handy angelockt hat, bei der Tat dabei war und von den sieben Euro zwei abbekommen hat. Der Richter kündigt ihm sogleich ein Ermittlungsverfahren wegen Mittäterschaft und Hehlerei an. „Sie sind der nächste hier.“ Das Grinsen friert ein.

Zu der Sache am Sauerfeld sagt als einziger Zeuge das Opfer aus, ebenfalls 18. Er sei ein beliebtes Ziel von Mobbing und Raub, heißt es. Eisenhuth fragt: „Wir haben gehört, Sie sind einer, der sich nie wehrt.“ Der Zeuge: „Ja, so einer bin ich.“ Und so bleibt er schlauerweise auch friedlich, als ihm der Täter ein Messer an den Bauch hält und die Schuhe verlangt, „sonst stech’ ich dich ab“. Trotz einiger Lücken in der Aussage glaubt ihm das Gericht. Marcus Teich wendet sich an den Angeklagten. Das sei „armselig“ und eine „große Schweinerei“. Und sei für seinen Aufenthaltsstatus „sicher nicht hilfreich“.

Das Urteil ergeht wegen besonders schweren Raubes in zwei Fällen, davon in einem Fall tateinheitlich mit besonders schwerer räuberischer Erpressung. Eisenhuth: „Dafür hat man Leute früher direkt an der Straße aufgehängt.“ Der 18-jährige muss vier Wochen in Dauerarrest. Ein Warnschuss, wie Richter Teich sagt. „Beim nächsten Mal geht’s richtig zur Sache.“

Olaf Moos

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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