Mit einem Kind fremdgegangen

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Lüdenscheid - Das Geständnis des 27-Jährigen erspart seiner Ex-Geliebten die Aussage vor Gericht. Und dem Gericht eine vermutlich unappetitliche Beweisaufnahme. Und dem Angeklagten möglicherweise den Gang in den Knast.

Denn Strafverteidiger Dominik Petereit hat sich schon vor Prozessbeginn mit der Justiz verständigt. Es geht um schweren sexuellen Missbrauch von Kindern. 

Die Ex-Geliebte war zur Tatzeit 13 Jahre jung. Der junge Mann führt – abgesehen von zwei kleineren Vorstrafen – ein unauffälliges Leben. Ausbildung, Arbeit, Engagement bei der Feuerwehr, Lebensgefährtin, der Kauf eines Eigenheims, in das seine Eltern und seine Schwester mit einziehen, es läuft. 

Wenn es da nicht das kleine Mädchen aus der ehemaligen Nachbarschaft gäbe. Richter Jörg Weber-Schmitz fragt den Angeklagten: „Waren Sie verliebt?“ Antwort: „Es hat mich gestört, wenn sie nicht da war.“ Der Richter: „Sie sind mit einem Kind fremdgegangen.“ 

In der Anklageschrift ist von sexuellen Handlungen die Rede. Er ist doppelt so alt wie die Schülerin, Geschlechtsverkehr und andere Sexualpraktiken finden in seiner Wohnung statt, in seinem Auto, mindestens einmal in der Woche, etwa ein halbes Jahr lang. „Ohne Zwang und jederzeit einvernehmlich“, wie Verteidiger Petereit betont.

Die Lebensgefährtin seines Mandanten habe von diesen Dingen gewusst. „Die hat ja bei dem Vater des Mädchens gearbeitet.“ Die Sache fliegt auf, nachdem die inzwischen 14-Jährige über Facebook Kontakt zu einem anderen Mann knüpft. 

Der Angeklagte merkt es, es kommt zum Streit. Laut Staatsanwaltschaft schlägt er das Mädchen und stößt es zu Boden. Bei einer anderen Gelegenheit boxt er es in die Rippen. Da erstattet die Schülerin Strafanzeige. 

Drei Wochen vor Prozessauftakt telefoniert Rechtsanwalt Petereit mit dem Vorsitzenden Richter – und lotet Möglichkeiten der Strafmilderung aus. Weber-Schmitz spricht mit der zuständigen Staatsanwältin und mit Arnd Katzke, der für das Mädchen die Nebenklage führt. Ihm ist es wichtig, dass seine Mandantin nicht in den Zeugenstand muss. Dafür stimmt er einer Verständigung zu. 

Am ersten Verhandlungstag gibt das Gericht bekannt, dass ein Strafmaß zwischen eineinhalb und zweieinhalb Jahren in Betracht kommt. Bewährung gibt es nur bis zu einer Strafe von zwei Jahren. Dann aber mit strengen Auflagen. 

Der Prozess wird am 21. September um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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