Nach Wohnhausbrand im MK

Schwere Brandstiftung und zweifacher versuchter Mord: 37-Jährige unter Anklage

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Stundenlang kämpfte die Feuerwehr gegen den Gebäudebrand an der Düppelstraße.

Lüdenscheid - Das Schwurgericht Hagen eröffnet den Strafprozess gegen eine mutmaßliche Brandstifterin.

Die Nacht vom 3. zum 4. August 2019 wird vielen Anwohnern der Düppelstraße noch lange in Erinnerung bleiben: Ein Großaufgebot der Feuerwehr mit mehr als 70 Einsatzkräften bekämpfte stundenlang einen Wohnhausbrand. Das Dachgeschoss des Gebäudes am Ende der Sackgasse stand in hellen Flammen. 

Ab 4. Februar muss sich eine 37 Jahre alte Frau deshalb wegen versuchten Mordes in zwei Fällen und schwerer Brandstiftung vor dem Hagener Schwurgericht verantworten. Die Vorsitzende des Schwurgerichts, Richterin Heike Hartmann-Garschagen, hat den Prozess auf vier Verhandlungstage festgesetzt. 

Bericht direkt nach dem Wohnhausbrand

Insgesamt werden ab dem zweiten Prozesstag 22 Zeugen vernommen, außerdem drei Sachverständige, unter ihnen der Hagener Psychiater Dr. Nikolaus Grünherz, der schon bei zahlreichen Strafprozessen Angeklagte begutachtet und vor Gericht seine Expertise abgegeben hat. Erwartet wird auch das Gutachten eines Brandsachverständigen. 

Zwei Nachbarinnen im brennenden Haus gelassen

Die Verteidigung übernimmt der Lüdenscheider Rechtsanwalt Frank Peter Rüggeberg. Die Hagener Staatsanwaltschaft geht nach Angaben von Landgerichtssprecher Bernhard Kuchler davon aus, dass die Angeklagte am Abend des 3. August in ihrer Dachwohnung zunächst Kerzen angezündet und damit Kleidungsstücke in Brand gesetzt hat. 

Die Flammen griffen demnach auf das Küchenmobiliar über, worauf das Dachgeschoss in Vollbrand geriet. Wie es heißt, verließ die 37-Jährige die brennende Wohnung und floh vom Tatort in Richtung Bräucken-Kreuz. 

Dabei ließ sie zwei betagte und noch völlig ahnungslose Nachbarinnen in deren Wohnungen in den unteren Geschossen des Hauses zurück. Die Anklagebehörde wirft der Lüdenscheiderin vor, den Tod der Mitbewohnerinnen billigend in Kauf genommen zu haben. Deshalb wird ihr neben dem Vorwurf der schweren Brandstiftung versuchter Mord in zwei Fällen zur Last gelegt. 

Feuerwehrkräfte konnten die beiden Damen körperlich unversehrt aus dem Haus bergen. Dass keiner der Bewohner zu Schaden kam, lag wohl auch daran, dass in den oberen Etagen niemand zuhause war. Allerdings war zunächst auch das Nachbarhaus betroffen, da Brandrauch über den Spitzboden hinübergezogen war. 

Frage der Schuldfähigkeit steht im Raum

Ein für die Angeklagte und ihren Verteidiger bedeutsamer Bestandteil des Prozesses wird die Frage der Schuldfähigkeit zur Tatzeit sein. Nach vorliegenden Informationen stand Rüggebergs Mandantin am Tatabend unter dem Einfluss der illegalen Droge Amphetamin sowie Alkohol und könnte vermindert schuldfähig gewesen sein. 

Das spräche laut Strafgesetzbuch für eine spürbare Milderung der zu erwartenden Strafe.

Der Prozess wird am Dienstag, 4. Februar, 9 Uhr, im Saal 201 des Landgerichts Hagen eröffnet. Die Fortsetzung findet am 12., 17. und 19. Februar statt, und zwar jeweils um 9.30 Uhr. Für den 6. März wird mit der Urteilsverkündung gerechnet.

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