Schwanger in Corona-Zeiten: Frau erwartet ihr erstes Kind

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Täglich könnte jetzt der Sohn von Christina und Mark Höner zur Welt kommen. Trotz der Corona-Krise bleiben die beiden zuversichtlich.

Lüdenscheid – Christina Höner wartet auf ihr erstes Kind – einen Jungen. „Termin war am Sonntag“, erzählt sie und klingt ziemlich entspannt. Überhaupt lässt sich Höner nicht von den Einschränkungen, die die Pandemie derzeit mit sich bringt, einschüchtern. „Ich kann es ja nicht ändern“, sagt sie. Und: „Es trifft ja alle gleich.“

Tausenden Lüdenscheidern hat Almut Rhode schon auf die Welt geholfen. Und doch ist jede Geburt für die Hebamme noch immer etwas Wunderbares, etwas Besonderes. Auch in Corona-Zeiten stand und steht sie den Frauen vor, während und nach der Geburt zur Seite – doch das geht längst nicht so einfach wie bisher. 

„Ich hatte zum Glück keine Patientin, die ohne ihren Partner in den Kreißsaal musste“, erzählt Almut Rhode von einer Auswirkung der Corona-Pandemie. „Aber von Kolleginnen habe ich gehört, wie sehr die Frauen darunter gelitten haben“, erzählt Rhode, die als Beleghebamme im Klinikum Lüdenscheid arbeitet. „Da sind viele Tränen geflossen“, sagt sie. Und auch jetzt haben frisch gebackene Väter nicht uneingeschränkt Zutritt zum Klinikum. „Sie dürfen inzwischen zwar wieder mit in den Kreißsaal, aber die Besuche auf der Wöchnerinnen-Station sind begrenzt.“ 

In der Corona-Krise  trifft es gerade Schwangere besonders heftig. Kein Geburtsvorbereitungskurs, kein Besuch von der Verwandtschaft, wenn das Baby auf der Welt ist, keine Babymassage, kein Rückbildungskurs… „Das ist natürlich schon schade, dass man den Großeltern, Tanten und Onkeln das Kind erst mal nicht persönlich vorstellen kann, aber immerhin darf mein Mann für ein paar Stunden zu Besuch kommen“, sagt Höner. 

Almut Rhode sieht in dieser Schutzmaßnahme aber auch Vorteile. „Die Wöchnerinnen haben so wirklich mal Ruhe“, sagt sie und berichtet von „Horden von Besuchern“, die sonst häufig in den Zimmern vieler Frauen ein und aus gingen, um das Neugeborene in Augenschein zu nehmen. Das geht aus Infektionsschutzgründen nun nicht mehr. „Die Mütter können sich so mehr auf sich und vor allem auf ihr Baby besinnen“, meint die Hebamme. 

Die strenge Regelung im Klinikum sorgt aber auch dafür, dass viele Schwangere nun lieber ambulant entbinden. „Die Frauen kommen dann nur noch zur Geburt ins Krankenhaus, bleiben im Anschluss noch drei bis vier Stunden zur Kontrolle dort und gehen dann wieder nach Hause“, erklärt Rhode. 

Für Christina Höner ist das keine Option. „Es ist ja mein erstes Kind und da möchte ich nach der Geburt schon zwei oder drei Tage im Krankenhaus bleiben“, sagt sie. Kraft schöpfen steht für sie dabei ganz oben auf der Prioritätenliste. Aber auch, vielleicht den einen oder anderen Tipp von den erfahrenen Kinderschwestern auf der Station zu bekommen. „Baden, Wickeln, Stillen – das ist ja alles neu für mich“, sagt Höner. 

Die Arbeit von Almut Rhode beginnt schon in den ersten Monaten der Schwangerschaft. „Viele Frauen melden sich dann schon bei mir und möchten über die Zeit begleitet werden“, sagt Rhode. Doch auch hier sind der Hebamme momentan Grenzen gesetzt. „Geburtsvorbereitungskurse biete ich momentan gar nicht an“, sagt sie. Kolleginnen von ihr haben es mit Online-Kursen versucht und wenig gute Erfahrungen. „Die Frauen möchten lieber den persönlichen Kontakt haben. Ich habe etwa eine Video-Sprechstunde eingerichtet und auch da sind viele Frauen sehr skeptisch“, so Rhode weiter. 

Auch die Hebamme im MK muss sich und ihre Familie vor dem Coronavirus schützen

Doch auch sie muss sich und ihre Familie vor dem Virus schützen. Daher gilt für sie: „Zuallererst müssen die Frauen natürlich symptomfrei sein und sie müssen alleine in meine Praxis kommen. Dann arbeite ich nur noch mit Mundschutz und habe auch die Besuche bei meinen Patientinnen sehr reduziert“, erklärt sie. 

Das wöchentliche Wiegen der Neugeborenen etwa oder Besuche, um Fragen der jungen Mütter zu klären, fallen derzeit aus. „Ich fahre nur noch zu den Frauen, die wirklich meine Hilfe benötigen, zum Beispiel weil es Probleme beim Stillen gibt“, erklärt die Hebamme. Die Angst, irgendwann könnte eine ihrer Patientinnen infiziert sein, bleibt dabei immer im Hinterkopf. 

Für diesen Fall steht im Klinikum Lüdenscheid alles bereit. „Dort wurde extra ein Corona-Kreißsaal eingerichtet, der alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen beinhaltet“, erklärt die Hebamme. 

Auch ohne Geburtsvorbereitungskurs fühlt sich Christina Höner gut auf die Geburt ihres Sohnes vorbereitet. „Almut Rhode ist als meine Hebamme dann ja immer an meiner Seite“, sagt sie. Sie ist trotz der turbulenten Corona-Wochen bisher gut durch ihre Schwangerschaft gekommen. „Ich hatte überhaupt keine Beschwerden und versuche täglich durch lange Spaziergänge körperlich etwas für mich zu tun“, erzählt sie. 

Froh ist sie allerdings, dass sie noch vor der Corona-Krise damit begonnen hat, alles für ihr Kind zu besorgen. Und trotzdem sitzt sie nun in einem halb fertigen Kinderzimmer. „Wir hatten Reklamationen beim Bett und dem Schrank“, erzählt sie. „Frühestens Ende Mai erfahren wir nun, wann diese Teile geliefert werden können“, sagt sie. Und: „Aber die Wickelkommode und das Beistellbett stehen.“ Und sollte noch etwas für die Ausstattung des Kindes fehlen, stehen Familie und Freunde bereit, die ihr aushelfen wollen. 

Ein normaler Alltag wird für Almut Rhode wohl erst lange nach der Corona-Krise wieder aufkommen. „Derzeit klingelt mein Telefon fast im Viertelstunden-Takt“, sagt sie lachend. Am anderen Ende der Leitung sind Frauen, die gerade erst herausgefunden haben, dass sie schwanger sind. „Wenn meine Kolleginnen und ich sonst wöchentlich vielleicht einen positiven Schwangerschaftstest bei unseren Patientinnen hatten, sind es jetzt acht und mehr“, sagt die Hebamme. Und: „Ich darf dabei noch gar nicht an die Monate Dezember und Januar denken…“

Alle Informationen rund um das Coronavirus im MK

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