Schwaches Netz: Argumente für Breitband-Ausbau

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Lüdenscheid  - Jens Braeucker, Vorstand der IT Südwestfalen AG an der Kalve, nutzte den Besuch von NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin am Mittwoch, um die Konsequenzen aus der mangelnden Breitband-Versorgung vor Ort an Beispielen aus der Praxis zu erläutern.

Zu den Kunden des Unternehmers zählen nach seinen Angaben die Kreisleitstelle der Feuerwehr, die Märkischen Kliniken, die MVG, Erco, Kostal, Spelsberg, Widi und viele weitere kleine und mittlere Unternehmen aus der Region. „Momentan muss ich als IT Unternehmen mit 2 DSL Anschlüssen mit je dreieinhalb Mbit zurechtkommen. Dies behindert unser Arbeiten ungemein und hemmt die weitere Entwicklung.“

„Da ich dringend auf mehr Bandbreite angewiesen bin, habe ich Anfang diesen Jahres wieder aktuelle Angebote von zwei großen Anbietern eingeholt, die beide Kabel bei uns in der Straße haben, das Ergebnis: Telekom, 55 000 Euro Baukostenzuschuss, bei monatlichen Kosten von über 1000 Euro. Bei Unitymedia sind die monatlichen Kosten zwar sehr günstig, bei einem Baukostenzuschuss von 88 000 Euro aber indiskutabel. Bei den Kosten wurde angeblich berücksichtigt, dass wir bereits ein Leerrohr vom Hausanschlussraum in die Kreuzung vorm Haus liegen haben. Wie es uns an der Kalve ergeht, geht es aber auch leider fast der gesamten Region Südwestfalen.“

Jens Braeucker listete die Schwächen der mangelnden Breitband-Versorgung auf.

Nach dem Breitbandatlas NRW habe Lüdenscheid eine Versorgung von über 75 Prozent, von den Unternehmen kämen aber nur 29 Prozent in den Genuss von halbwegs akzeptabler Bandbreite. Während Privathaushalte vor allem schnelle Downloads benötigten, sei im gewerblichen Bereich der Upload, also das Senden von Daten Richtung Internet, mindestens genauso wichtig.

„Hohe Latenzen, dies ist die Wartezeit zwischen Senden und Empfangen, sind bei Anwendungen wie Fernwartungen oder Videokonferenzen unannehmbar. Sobald grafische Anwendungen beim E-Mail-Verkehr oder im Homeoffice anfallen, wird auch hierzu ein hoher Upload benötigt. Alle diese Punkte sind nicht nur für den reinen IT- Betrieb von hoher Bedeutung, sondern betreffen auch unmittelbar die Produktionen. Auch Maschinen werden über die IT ferngewartet oder Aufträge über Portale in Sekundenschnelle gehandelt. Egal wie wir Industrie 4.0 im Detail definieren, Industrie 4.0 ist bereits da und wird für alle immer mehr an Bedeutung gewinnen.“

Laut der „micus-Studie“ beläuft sich das Investitionsvolumen für die circa 3000 Gewerbegebiete in NRW auf 500 Millionen Euro. Jens Braeucker nahm aber auch die Firmen in die Pflicht: „Auch die Unternehmen und Unternehmer sind gefragt. Allen muss klar sein, dass es kein Breitband mit gewerblicher Qualität zum sozialistischen Preis von 19,95 Euro geben kann.“

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