Keine Strafminderung in Sicht

Schutzgeldprozess: Gutachter attestiert volle Schuldfähigkeit

Lüdenscheid  - Es war ein Versuch, und er war legitim. Deshalb hat die Kammer im sogenannten Schutzgeldprozess dem Antrag der Verteidiger entsprochen, ein psychiatrisches Gutachten über den Zustand des Automatenaufstellers im Tatzeitraum zu erstatten. Doch der Schuss ist nach hinten losgegangen. 

Dr. Pedro Faustmann, Neurologe von der Ruhr-Uni Bochum, attestiert dem Hauptangeklagten Murat S. volle Schuldfähigkeit. Die Untersuchung war für den Wissenschaftler offenbar ein Hürdenlauf. 

Denn mehrfach hatte sich Faustmann im Gefängnis eingefunden. Und fast genau so oft musste er die Exploration abbrechen, weil der Gefangene entweder unter starken Kopfschmerzen litt, Medikamente überdosiert hatte oder es gerade schlicht ablehnte, mit dem Arzt zu reden.

Auch das Ersuchen der Verteidiger, zur Frage der Schuldfähigkeit des Automatenaufstellers dessen Schwester Filiz S. in den Zeugenstand zu rufen, bringt nicht den erhofften Erfolg. Zwar berichtete die Zeugin, die in ihrem abgetrennten Verfahren zu eineinhalb Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt wurde, über den Drogenkonsum und darüber, dass sie ihren Bruder mal beim Kokainschnupfen erwischt habe. Und dass Murat S. auch getrunken habe und oft „neben der Spur“ gewesen sei.

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Doch Dr. Pedro Faustmann sieht keine Anhaltspunkte dafür, dass beim Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit oder gar eine Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen vorliegt. Damit entfällt für Murat S. auch die Möglichkeit, in einem psychiatrischen Krankenhaus oder einer Entziehungsanstalt untergebracht zu werden. Damit ist die Beweisaufnahme im Schutzgeld-Prozess theoretisch beendet – es sei denn, die Verteidiger stellen weitere Beweisanträge.

Der Prozess wird am Donnerstag, 12 Uhr, im Saal 201 fortgesetzt.

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