Schwere Verbrechen

Er sorgte für Angst und Schrecken: Schutzgelderpresser muss für Jahre ins Gefängnis

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Symbolbild

Lüdenscheid - Die Verteidiger haben bis zuletzt gekämpft. Zusätzliche Zeugen wurden geladen, Beweisanträge gestellt – es hat nichts genützt.

Die 9. Große Strafkammer des Landgerichts Hagen hat den Schutzgelderpresser aus Lüdenscheid am Dienstag wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung und anderer Verbrechen zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. 

Sein Komplize, ein hünenhafter Türsteher aus Haan, muss unter anderem wegen Beihilfe für eineinhalb Jahre hinter Gitter. 

In seiner Urteilsbegründung erklärt der Vorsitzende Richter Christian Hoppe, die Wahrheitsfindung in diesem Verfahren sei „nicht ganz leicht“ gewesen. Einige der Zeugen haben demnach „spürbare Angst“ vor dem Hauptangeklagten gehabt. „Es wurde viel gelogen.“ 

Andere haben nach den Worten des Richters unter Zwang Schreiben verfasst, in denen sie nach der Erstattung von Strafanzeigen beteuerten, kein Interesse an einer Strafverfolgung zu haben. Von „Missverständnissen“ war unter anderem die Rede. Ein Hauptbelastungszeuge hat sich mit einer Falschaussage sogar strafbar gemacht. 

Andere Zeugen wiederum sind laut Hoppe „standhaft“ geblieben – und haben so zu der Verurteilung beigetragen. Im Ergebnis kommen die Richter zu dem Schluss: „Die Angeklagten haben unter den Gewerbetreibenden in Lüdenscheid Angst und Schrecken verbreitet und ein Klima der Einschüchterung geschaffen“. 

In seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung setzt der 42-Jährige zum Gegenangriff an. Er fühle sich von den Zeugen „ausgenutzt“, seine Geldforderungen seien berechtigt gewesen. Doch für eine Verschwörung der Geschäftsleute gegen die Angeklagten gibt es für die Kammer keinerlei Anhaltspunkte. Die Aussagen der Geschädigten seien „glaubhaft“ gewesen, so Richter Hoppe. 

Mit dem Strafmaß gegen den Lüdenscheider entsprechen die Richter exakt dem Antrag von Staatsanwalt Axel Nölle. Verteidiger Dirk Löber hatte – unter anderem wegen widersprüchlicher Aussagen von Belastungszeugen – auf Freispruch für seinen Mandanten plädiert. 

Der Rechtsanwalt des Mitangeklagten, Dieter Kaufmann aus Dortmund, hatte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr mit Bewährung beantragt. Staatsanwalt Nölle forderte für den Türsteher ein Jahr und neun Monate ohne Bewährung. 

Zwar hatte der Kraftsportler, der seinen Kumpel bei dessen Übergriffen nach den Worten des Richters „gelegentlich unterstützt“ hat, seine Tatbeteiligung bereits im Ermittlungsverfahren zum großen Teil eingeräumt – und sich so einen „Rabatt“ erkauft. 

Aber er war selbst auch aktiv, schlug zu und nötigte Opfer unter Drohungen dazu, Strafanzeigen zurückzunehmen. In seinem letzten Wort vor dem Urteil macht der Mann aus Haan es kurz: „Es tut mir leid.“ 

Doch eine günstige Sozialprognose will ihm die Kammer nicht attestieren. Er habe sich von immerhin zehn Verurteilungen nicht beeindrucken lassen und sei weiter auf der schiefen Bahn geblieben, so Hoppe. 

Die Angehörigen des Hauptangeklagten registrieren den Richterspruch im Zuschauerraum teils unter Tränen. Der 42-Jährige sinkt in sich zusammen. 

Als der Richter die Verhandlung schließt, sagt er nur noch leise: „Ich bin doch gar kein Böser.“

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