Schutzgeld-Prozess am Landgericht: Verteidiger versuchen "Deal"

Lüdenscheid - Der 24. Verhandlungstag soll nach Vorstellung einiger der Verteidiger eine Wende bringen. Das Klima zwischen den Prozessbeteiligten ist zeitweise vergiftet, die Fronten erscheinen verhärtet. Doch jetzt gibt die 4. große Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Heike Hartmann-Garschagen dem neuen Versuch der Rechtsanwälte nach, hinter verschlossenen Türen doch noch einen „Deal“ abzuschließen.

Zwischenzeitlich sind Strafverteidigerin Julia Kusztelak aus Iserlohn und ihr Bielefelder Kollege Dr. Lutz Klose abermals mit dem Vorstoß abgeblitzt, ihren Mandanten aus der seit zehn Monaten andauernden U-Haft frei zu bekommen. Dabei ist Murat Yasin H. (23) der einzige der vier Angeklagten, der sich in wesentlichen Punkten zu den Vorwürfen geäußert, Tatbeteiligung eingeräumt und den Hauptangeklagten Murat S. dabei massiv belastet hat.

Doch die Hoffnung, dass sich das kurzfristig für ihn auszahlt, hat sich nicht erfüllt. Offenbar halten die Richterinnen die Gefahr von Flucht und Verdunkelung auch in seinem Fall für zu groß. Im übrigen haben die beiden Verteidiger des 23-Jährigen die Entlassung ihres Schützlings wohl auch aus formalen Gründen nicht durchsetzen können. Nach LN-Informationen deshalb, weil sich Murat Yasin H. nach Antragstellung nicht persönlich zu dem Antrag seiner Rechtsanwälte geäußert hat.

Hier finden Sie unsere bisherige Berichterstattung zum Prozess

Auch der Kölner Angeklagte Ziya Y. (42), mutmaßlicher Rocker der Hells Angels, hat bislang vergeblich auf eine Haftentlassung gehofft. Zwar hat er zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft bislang eisern geschwiegen. Andererseits hat ihn bis jetzt, etwa zur Hälfte dieses Mammut-Verfahrens, kein einziger Zeuge einer schweren Straftat bezichtigt. Nach derzeitigen Erkenntnissen der Prozessbeteiligten dienten der 42-Jährige und einige seiner angeblichen Rocker-Freunde in Diensten des Automatenaufstellers aus Lüdenscheid als Drohkulisse, um Geschäftspartner aus dem Spielhallen- und Wettbüro-Milieu einzuschüchtern.

Im Facebook-Profil des Hauptangeklagten aus Lüdenscheid taucht der 42-Jährige auf Fotos immer wieder auf, stets in der Nähe des Automatenaufstellers, unklar, ob als Freund und Begleiter oder als Leibwächter und bezahlter Schläger. Der Verteidiger des schweigsamen Mannes aus Köln, der Düsseldorfer Jurist Wolf Bonn, hat mit seinem Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls gegen seinen Mandanten ebenfalls noch keinen Erfolg gehabt.

Die Erörterungen zwischen Staatsanwälten, Verteidigern und den Mitgliedern der Kammer dauerte am Montag bis in den Nachmittag. Ob eine Verständigung zustande gekommen ist, wurde noch nicht bekannt. Am Mittwoch will die Vorsitzende dazu Einzelheiten bekanntgeben.

Der Prozess wird um 9.30 Uhr im Saal 201 fortgesetzt.

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