Schulpflicht trotz WM, doch Freitag geht‘s auch anders

LÜDENSCHEID ▪ Schulbank drücken, während Schweinsteiger gerade auf Klose flankt und der per Kopf das 1:0 gegen Serbien erzielt? Pauken, während die Fußballfans Fahnen schwenken und sich im kollektiven Siegestaumel um die Hälse fallen? Keine schöne Vorstellung. Aber am Freitag ab 13.30 Uhr, wenn die Partie Deutschland gegen Serbien läuft, wird‘s einigen Schülerinnen und Schülern, die noch Unterricht haben, so gehen.

„Die haben dann halt Pech gehabt“, bleibt Michael Lohr, Leiter der Adolf-Reichwein-Gesamtschule, hart. Per Aushang hat Lohr schriftlich klipp und klar deutlich gemacht, dass ein Unterrichtsausfall wegen des WM-Spiels nicht in Frage kommt. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, lautet sein Tenor. Die Arbeitspflicht gehe vor. „Das ist auch eine Frage der Werte, die wir an unserer Schule vermitteln. Wenn unsere Schüler später im Berufsleben stehen, können sie auch nicht einfach die Arbeit niederlegen.“ Unterrichtsausfall sei in jedem Fall tabu.

Ausfall bezahlter Lehrerstunde Dienstvergehen

Eine bezahlte Lehrerstunde ausfallen zu lassen, sei ein Dienstvergehen, betont Christof Riedel, stellvertretender Leiter der Richard-Schirrmann-Realschule. Die meisten Schüler hätten allerdings um 13.15 Uhr Schluss. Eine Stundenverlegung für die, die länger pauken müssen, wäre allerdings eine Möglichkeit. „Das können die Kollegen flexibel handhaben.“

Bei seiner Kollegin Christiane Langs-Blöing, Leiterin der Theodor-Heuss-Realschule, steht Freitag ab 15 Uhr ein Schulfest an, um 13.15 Uhr ist Schulschluss. Wer gleich um die Ecke wohnt, kann das Spiel zuhause gucken: „Die anderen werden sicherlich eine Möglichkeit finden“, meint sie.

Die Anstoßzeit ist für Winfried Becker, Chef der Ganztagshauptschule Stadtpark, kein Problem. „Um 13.15 Uhr ist Feierabend. Bei der letzten Europameisterschaft haben wir das Spiel Deutschland gegen die Türkei über Beamer in der Schule gezeigt. Das kam super an.“

Auf flexible Lösungen setzt auch Dr. Stefan Werth, Leiter des Zeppelin-Gymnasiums: „Die Kollegen können entscheiden, ob sie eine Stunde verlegen.“

"Spiel in Sportunterricht integrieren"

Antje Malycha, Chefin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, sagt, es seien nur sehr wenige Schüler betroffen. Der Unterricht gehe in jedem Fall vor. „Doch den kann man ja attraktiv und aktuell gestalten.“ Parallelitäten gebe es nun einmal im Leben. Annette Meyer, Leiterin des Bergstadt-Gymnasiums, erklärt, morgen Nachmittag stünden nur noch Sportkurse an. „Das Spiel lässt sich bestimmt in den Unterricht integrieren. Da setze ich auf individuelle Lösungen durch meine Kollegen.“ - my

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