Diktate, Schönschreiben, Zeichnen

Schulhefte aus einer anderen Zeit in Rosmart

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Zeichnen, Diktat, Schönschreiben: Das ist der Inhalt der Schulhefte aus den 1930er-Jahren.

Lüdenscheid – Schulhefte aus einer anderen Zeit von einer Schulform, die es so heute nicht mehr gibt, finden heute Eingang in das Virtuelle Museum. Sie gehörten einst Helene Serves aus Rosmart, 1924 geboren besuchte sie in den 1930er-Jahren die Volksschule in Rosmart, das geht aus den Beschriftungen einiger der Hefte hervor. Gestiftet wurden diese Quellen für den Unterricht an den oft einklassigen Schulen den Lüdenscheider Museen von Hannelore Schneider, der Tochter von Helene Serves.

Diktat, Schönschreiben und Aufsatz, aber auch Zeichnen – darum geht es in den Heften. Dabei fallen mehrere Dinge sofort ins Auge: Die Schrift, die ganz anders ist, als heute geschrieben wird, ist das eine – mal ganz abgesehen davon, dass Handschriften im digitalen Zeitalter immer mehr an Bedeutung verlieren. Geschrieben wurde in den 1930er-Jahren in Sütterlin, einer von Ludwig Sütterlin entwickelten Ausgangsschrift, die ab 1915 in Preußen eingeführt wurde.

Sie sollte Kindern das Schreibenlernen erleichtern. Unter anderem wurden im Vergleich zur bis dahin üblichen Kurrentschrift die Buchstabenformen vereinfacht. Außerdem verringerte Sütterlin Ober- und Unterlängen von einzelnen Buchstaben und vereinheitlichte sie. 1935 wurde Sütterlin in einer abgewandelten Form als „Deutsche Volksschrift“ Teil des offiziellen Lehrplans. Allerdings wurde die Schrift 1941 mit dem „Normalschrifterlass“ der Nationalsozialisten bereits wieder verboten.

In einem der Aufsatzhefte, das aus dem Jahr 1938 stammt, schreibt die 13-/14-jährige Helene über Bitten im „Vater unser“ aber auch über „Großdeutschland“. Dieser kurze Aufsatz enthält einige Fakten über das damalige Deutschland, geschrieben eindeutig nach dem sogenannten Anschluss Österreichs durch die Nationalsozialisten: „Das deutsche Land hat drei Millionenstädte: Berlin, Wien, Hamburg“. 

"Zeichnen nach Wandtafeln"

Auffällig an den Exponaten ist außerdem die sehr sorgfältige, ordentliche Heftführung. Nur auf dem letzten Seiten des Schönschreibheftes aus dem Jahr 1932 sind ein paar Kritzeleien, beziehungsweise Zeichnungen zu finden, wie man sie bei Schülern kennt, die sich im Unterricht oder bei den Hausaufgaben langweilen – das war vor 80 Jahren vielleicht nicht wirklich anders als heute. Die saubere Heftführung könnte ein Indiz dafür sein, dass in früheren Zeiten die Lehrer streng darauf geachtet haben, dass die Hefte ordentlich geführt wurden. 

Die damals geschrieben Schrift wurde nach ihrem Erfinder Sütterlin benannt. 

Das gilt auch für die Zeichenhefte. Diese haben wiederum auf allen Seiten eine Vielzahl von gezeichneten Bildern, von denen jedes einzelne mit einer Schulnote versehen ist. In Verbindung damit, dass die Hefte ganz offensichtlich speziell für den Unterricht angeschafft wurden – auf dem Deckblatt steht „Zeichenheft in den preußischen Unterrichtsanstalten Heft 2. Zeichnen nach Wandtafeln“ – lässt das darauf schließen, dass der Zeichenunterricht jener Zeit ganz andere Zielsetzung verfolgte als der Kunstunterricht an heutigen Schulen.

Die Volksschule war im 19. Jahrhundert im deutschen Reich als Einheitsschulart für alle eingeführt worden, um die Schulpflicht zu gewährleisten. Daneben gab es später sogenannte Vorschulen als Vorbereitung auf eine höhere Schulausbildung. In der Weimarer Republik sollte gemäß den demokratischen Grundsätzen die Schulbildung für alle gleiche Möglichkeiten bieten. Deshalb wurde die Volksschule für alle Kinder verpflichtend und eben solche Vorschulen nur in Ausnahmefällen zugelassen, Nach vier Schuljahren konnte dann ein Wechsel auf eine höhere Schule erfolgen. Damit waren die ersten vier Volksschuljahre vergleichbar mit einer heutigen Grundschule. Als höhere Bildungsanstalten gab es bereits in der Weimarer Republik die Mittelschulen, die nach der zehnten Klasse mit der Mittleren Reife abgeschlossen wurden, und die Gymnasien.

Volksschule in Rosmart existierte bis 1968

Wer nicht wechselte, machte nach acht Schuljahren seinen Volksschulabschluss – dann endete die Schulpflicht. In ländlichen Regionen mit kleinen Volksschulen war es üblich, dass Kinder mehrer Jahrgänge gemeinsam unterrichtet wurden, meistens erstes bis viertes und fünftes bis achtes Schuljahr. Im Zuge der Bildungsreform der 1960er-Jahre wurden die achtklassigen Volksschulen nach und nach aufgelöst. Die Volksschule in Rosmart existierte bis 1968.

Im Zuge der kommunalen Neuordnung und der Auflösung der ehemaligen Gemeinde Lüdenscheid-Land wurde der Schulbezirk Rosmart Altena zugeschlagen. Damit ging, nach Berichten der „Ramuthe“, den Heimatheften aus der Rahmede, eine mehr als 200-jährige Schulgeschichte in Rosmart zu Ende.

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