An den Schulen wird das Kopier-Papier knapp

An den Schulen wird es schon mal eng mit Kopierpapier. Kernlernpläne und zentrale Prüfungen erhöhen den Bedarf. ▪ Messy

LÜDENSCHEID ▪ „Versprochen, rund um das Bergstadt-Gymnasium wird kein Baum gefällt“, schmunzelt Dieter Utsch, stellvertretender Leiter des BGL. Aber hinter der lockeren Bemerkung versteckt sich ein durchaus ernst zu nehmender Engpass. Der Bestand an Kopierpapier schwindet zum Ende des Jahres merklich, nicht nur am BGL, sondern an allen Schulen.

Knapp vier Millionen Blätter Kopierpapier verbrauchen die Lüdenscheider Schulen im Jahr, sagt Thomas Schmidt vom städtischen Logistikzentrum. Rund 20 000 Euro kostet die Anschaffung. Hinzu kommen nach Angaben von Aggi Thieme, Leiterin des Fachdienstes Organisation und IT im Rathaus, rund 45 000 Euro für die Geräte. „Noch im Herbst haben wir komplett neue Systeme angeschafft.“ Die Stadt kauft die Geräte nicht, sondern mietet sie. Dass im Zeitalter des Internet dennoch nach wie vor so viel Papier verbraucht wird, hängt nach Angaben von Dieter Utsch mit gleich mehreren Faktoren zusammen. „Die Zentralen Prüfungen allein sorgen für einen enormen Verbrauch. Wenn zum Beispiel im Fach Deutsch eine Abi-Klausur geschrieben wird, erhalten rund 120 Schüler je vier Vorschläge a 60 Seiten. Da kommen allein für ein Fach knapp 30 000 Kopien zusammen.“ Die Reduzierung auf G8 verändere die Lerninhalte für die untere Mittelstufe. Neue Kernlernpläne erforderten neue Schulbücher, die die Verlage zum Teil aber noch nicht in genügender Anzahl vorhielten. Einfach aus bestehenden zu kopieren, verbietet das Copyright. „Es gibt aber Bereiche, die dem Urheberrecht nicht unterliegen und die kopiert werden dürfen“, weiß der Pädagoge, der in diesem Zusammenhang nichts auf die Stadt kommen lässt. „Sie unterstützt uns im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Hier wird vor Ort die Finanzkrise deutlich, wenn Länder Vorgaben machen und die Kommunen trotz leerer Kassen handeln müssen.“

Schulverwaltungsamtsleiter Reinhard Merkschien schildert das jährliche Prozedere. „Der Kopierbedarf wird je nach Schulform und -größe abgefragt. Dem BGL stehen danach zum Beispiel aktuell im Jahr 534 000 Kopien zur Verfügung. Jeder Lehrer erhält eine Codenummer, auf die er je nach Fach eine begrenzte Zahl von Kopien machen kann.“

Natürlich müsse auch das Kopierverhalten grundsätzlich hinterfragt werden, sagt Dieter Utsch. Aber alles hat auch einen positiven Aspekt: „Die Schüler müssen wieder mehr von der Tafel abschreiben. Das merkt man sich dann besser.“ ▪ Martin Messy

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