Enervie vor Wochen der Entscheidung

Für die Enervie AG stehen wichtige Entscheidungen bevor.

Lüdenscheid - Die politische Entscheidung über ein Gesellschafterdarlehen für die angeschlagene Enervie-Gruppe wird erst im Juni fallen. Inzwischen steht ein Betrag von 60 Millionen Euro in Rede, den Enervie benötigen würde, davon bis zu 15 Millionen Euro aus Lüdenscheid.

Bis zur letzten Ratssitzung vor der Sommerpause am 22. Juni sollen belastbare Zahlen der Unternehmensberatung Roland Berger vorliegen, ob Enervie sanierungsfähig und sanierungswürdig ist. Es werde Tag und Nacht gearbeitet, um diese Indikatoren zu erstellen, hörten Lüdenscheider Politiker am Donnerstag im Verwaltungsrat der Stadtwerke und in einer nichtöffentlichen Ratssitzung, die bis in die Nacht dauerte. Christoph Köther, neuer Vorstandssprecher der Enervie AG, habe dabei „offen und ehrlich agiert, nichts beschönigt und auch Fehler aus der Vergangenheit eingeräumt“, hieß es übereinstimmend von Teilnehmern der Runde.

Zu beschönigen gibt es an der Lage des Unternehmens offenbar auch nichts. Die Verbindlichkeiten von Enervie haben sich auf rund 650 Millionen Euro aufsummiert. Allein 200 Millionen davon entfallen auf Pensionsverpflichtungen, 300 Millionen seien Bankverbindlichkeiten. Ohne das Geld der Kommunen sei Enervie nicht zu halten, hieß es aus der Sitzung.

Bis zum Winter braucht das Unternehmen das Geld, um Strom und Gas kaufen zu können. Um das sicherzustellen, benötigt man in Hagen die Absichtserklärungen der Gesellschafter. Damit verbunden ist allerdings ein Nachtragshaushalt, der kurzfristig aufgestellt und für 14 Tage ausgelegt werden müsste. Die Bürger hätten in diesen Fall ein Widerspruchsrecht. Auch die Kommunalaufsicht muss diesen Nachtragshaushalt bewilligen. In diesem Fall gebe es eine Prüfungsfrist von vier Wochen. Und selbst die EU könnte Einspruch einlegen, weil durch die kommunale Querfinanzierung in den freien Wettbewerb eingegriffen werde, so eine weitere Sorge. Wie ein politisches Votum ausfallen könnte, ist nicht abzusehen.

Betroffen von der Schieflage sind aktuell 1300 Arbeitsplätze. Die Städte haben zugleich das Interesse, das Unternehmen als kommunalen Dienstleister und in seinem Wert zu erhalten. Das habe LN-Informationen zufolge auch Enervie-Vorstand Wolfgang Struwe deutlich gemacht. Die Zukunft für Enervie liege in der Trennung von der Stromerzeugung und der konsequenten Ausrichtung auf die kommunale Daseinsvorsorge.

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