Schützenverein löst sich auf und muss Schützenheim abgeben

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Der Festumzug – im Bild der Umzug aus dem Jahr 1962 – lockte stets zahlreiche Schaulustige an.

Lüdenscheid - Zu seinen besten Zeiten, in den 50er- bis 70er-Jahren, besaß der Rahmeder Schützenverein bis zu 500 Mitglieder. Zuletzt waren es – altersbedingt und auch, weil der Nachwuchs fehlt – gerade noch zehn Aktive. Jetzt ist der traditionsreiche Verein, der 1926 gegründet wurde, Geschichte.

Schweren Herzens gaben Josef Strak, der die Geschicke des Vereins 30 Jahre lang als 1. Vorsitzender lenkte, Gerd Goerke (Schriftführer und Kassierer) und Jürgen Eschenbach (2. Schriftführer) als Liquidatoren die Auflösung des Vereins bekannt. 

„Wir haben seit zwei Jahren darüber diskutiert“, berichtet Josef Strak, der dem Schützenwesen und seinem Verein insgesamt 45 Jahre lang die Treue hielt. „Aber es geht nicht mehr.“ 

Vereinschronik kommt ins Museum 

Die Vereinschronik – ein großformatiges, schwergewichtiges Prachtexemplar – wandert in die Museen der Stadt Lüdenscheid am Sauerfeld. Auch die Schützenkette und die Vereinsfahnen vermacht der Verein den Museen. Das 1956 in Eigenleistung fertiggestellte Schützenheim Am Köpfchen fällt samt Grundstück an die Stadt Lüdenscheid. Bleibt nach Ende der einjährigen Auflösungsfrist noch etwas Geld übrig, ist die Stadt verpflichtet, dieses für die Jugendarbeit oder soziale Projekte einzusetzen. 

„Wir haben sehr viel investiert, auch sehr viel Arbeit“, resümiert Strak, dem das Aus seines Vereins sichtlich zu schaffen macht. Beim Blättern in der Vereinschronik – zum 25-jährigen Jubiläum des Vereins begonnen – kommen viele Erinnerungen auf. Sie „solle von guten und schlechten Zeiten erzählen und der Jugend ein Ansporn sein, im Geiste der Alten fortzufahren“, heißt es da. 

Schriftführer Gerd Goerke (links) und Josef Strak mussten die Auflösung bekannt geben. Die Fahnen - hier die Jugendfahne - wandern ins Museum.

Nachzulesen ist in der Chronik auf sorgsam beschriebenen Seiten, dass Wilhelm Rosenbach als 1. Vorsitzender den Verein, dessen Einzugsgebiet früher bis Mühlenrahmede und Oberrahmede reichte, 1926 mit einer Gruppe Gleichgesinnter aus der Taufe hob. Im gleichen Jahr feierten die Rahmeder Schützen vom 17. bis 19. September ihr erstes Schützenfest, bei dem sich Walter Weber als erster Schützenkönig aus der Rahmede in die lange Königsliste des Vereins eintragen durfte. 

Allzeit große Sorgfalt, vielfach auch bemerkenswertes kalligraphisches Können, verwandten die Chronisten auf ihre Einträge in der Chronik, in der sie alle Vereinsaktivitäten in Wort und Bild für die Nachwelt festhielten. Winterfeste, Oktoberfeste, Wanderungen, Ausflüge, Wochenendreisen, Picknicks, Schützenfeste und vieles mehr rufen ein reges Vereinsleben in Erinnerung. Nach Idar-Oberstein, in den Teutoburger Wald und zu anderen reizvollen Zielen führten gemeinsame Unternehmungen.

Die großformatige, schwergewichtige Chronik des Vereins ist ein wahres Prachtexemplar. Auch sie wandert in die Museen.

„Wir hatten auch eine große Damenabteilung“, erinnert sich Josef Strak, der lange Jahre als Trainer bei den Schützen-Frauen tätig war. „20 Jahre haben wir bei den Damen einen Wanderpokal ausgeschossen.“ 

Ihre Schützenfeste feierten die Rahmeder Schützen in den Anfangsjahren auf dem Festplatz Dünnebrett, wo zudem alljährlich ein großes Osterfeuer stattfand. Als dort Gasleitungen verlegt wurden, war Letzteres nicht mehr möglich. Auch der Verkehr auf der gut ausgebauten Altenaer Straße machte den Festbetrieb zunehmend schwieriger. 

Schauplatz der Festivitäten

„Wir sind dann zunächst zum Dickenberg ausgewichen und haben danach in der Hermann-Gmeiner-Schule gefeiert“, erzählt Josef Strak. Zuletzt war das Festzentrum Hohe Steinert Schauplatz der Festivitäten. Bis in die 80er-Jahre hinein wurde im Schießheim Am Köpfchen neben dem Luftgewehr auch mit Kleinkaliber geschossen. 

„Das fiel in den 80er-Jahren weg“, erzählt Strak, der sich noch gut an den anschließenden Umbau des Schützenheims erinnern kann. „Wir hatten anfangs ja auch keine Heizung, nur zwei Ölöfen.“ 2004 endet die dicke, liebevoll geführte Chronik des Vereins. 

Der letzte Schützenkönig, Daniel Mul (2008/2009), ist nicht mehr darin vermerkt – wohl aber auf der separat geführten Königsliste, die an bessere (Schützen)Zeiten erinnert.

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