Beispielhaftes Projekt in Lüdenscheid

Schüler und Senioren malen gemeinsam

Betreuungsassistentin Annette Wortmann unterstützt die Bewohnerin Ilse Puphal beim Malen. - Fotos: Klötzer

Lüdenscheid - Jede Woche treffen sich Jugendliche von der Schule an der Höh mit Senioren aus dem Dietrich-Bonhoeffer-Altenzentrum, um gemeinsam zu malen. Bei dem Projekt „Zusammen malen“ geht es aber nicht allein um Kunst: Im Mittelpunkt steht der Gedanke, dass beide Generationen voneinander lernen können.

Diesmal arbeitet die Gruppe an dem Bild „Burg und Sonne“ des Malers Paul Klee. Dieses besteht aus unzähligen, verschiedenfarbigen Flächen. Jeder der Teilnehmer erhält ein Stück des Bildes, das er nach seinen Vorstellungen mit Pastell-Ölkreiden ausmalen soll. Später soll es wie ein Puzzle zusammengesetzt werden.

Die Teilnehmer, das sind drei Bewohnerinnen des Dietrich-Bonhoeffer-Seniorenzentrums und genauso viele Schüler – zwei Jungen und ein Mädchen – der benachbarten Förderschule an der Höh. Vor zehn Jahren trafen sich Schüler und Senioren zum ersten Mal, um gemeinsam zu malen.

„Es darf natürlich nicht zu kompliziert sein“, erklärt die Kunstlehrerin Eva Hammoudo, die die wöchentlichen Treffen künstlerisch vorbereitet, „aber sie sollen schon etwas Eigenes schaffen.“ Unterstützt wird die Gruppe dabei nicht nur von Eva Hammoudo, sondern auch von den Betreuungskräften des Altenzentrums.

Der Gedanke hinter dem Projekt: Die Begegnung zwischen Alt und Jung. Und so wird nicht nur miteinander gemalt, sondern auch die Nachbarschaft gepflegt. Dazu gehören etwa auch gegenseitige Besuche bei Veranstaltungen im Altenzentrum oder der Schule. „Ganz wichtig ist, dass alle voneinander lernen können“, erläutert Eva Hammoudo.

Tatsächlich zeigen sich die Schüler überraschend fürsorglich gegenüber den Senioren: Tipps werden ausgetauscht, etwa wie die Kreiden gehalten werden müssen, damit das Malen nicht so anstrengend ist. Die älteren Menschen erzählen von ihrer Jugend, manchmal wird sogar gemeinsam gesungen. Meistens kommen die Senioren dafür in die Schule, im Winter oder bei schlechtem Wetter ist es aber auch schon mal umkehrt.

Zahlreiche positive Rückmeldungen hat es schon gegeben für das Projekt „Zusammen malen“, auch einige Ausstellungen gehören dazu. Der Höhepunkt aber war der dritte Platz beim Demographie-Wettbewerb der Jugendpresse Deutschland im Jahr 2010. Eine Schülergruppe fuhr damals für zwei Tage nach Berlin zur Preisverleihung. Nach einer längeren Pause begann das Projekt im September 2014 erneut.

Während das Klee-Bild allmählich Gestalt annimmt, erzählt Cilli Klotzek, wie sie zum ersten Mal in die Förderschule kam: „Als man mich gefragt hat, ob ich mit in die Schule will, habe ich natürlich Ja gesagt“, sagt die 91-Jährige. „Als ich dann erfuhr, dass ich dort malen soll, musste ich lachen.“ Zum ersten Mal habe sie dann wirklich mit einem Pinsel gemalt, gut sehen könne sie außerdem nicht.

„Sie machen das wunderbar“, ermuntert Eva Hammoudo sie. Mit am Tisch sitzen auch Nicole Kaczmarek, Annette Wortmann und Heidi Bettien-Heuser vom Bonhoeffer-Altenzentrum. Auch sie malen mit und helfen, wenn nötig. Verständigungsschwierigkeiten gibt es dabei keine, stellen sie klar. Sowohl die Senioren als auch die Schüler haben sichtlich Spaß bei der künstlerischen Arbeit.

„Mein Lieblingskünstler ist eigentlich August Macke“, sagt Cilli Klotzek. Viele Erinnerungen verbindet sie mit den Macke-Bildern, die in ihrem Zimmer hängen. Zum Malen kommt sie immer gern. Wenn sie nur allein im Zimmer sitze, werde sie krank, ist sich die kunstbegeisterte Seniorin sicher: „Man muss ja noch leben!“

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