Schüler lernen: Wie benehme ich mich beim Geschäftsessen? 15 Prozent wollen vegetarisches Menü

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Unterschiede zwischen Suppe zu löffeln vom Teller und aus der Tasse lernten die Schüler kennen.

Lüdenscheid - „Ziel des Umgangsformenseminars ist es, euch auf das Leben vorzubereiten.“ Im Restaurant Heerwiese machte Marc Tegtmeyer von der Tanzschule Stadtmüller & Tegtmeyer jetzt Neuntklässler der Staberger Gymnasien und des Anne-Frank-Gymnasiums (Halver) mit gutem Benehmen bei Tisch und Regeln eines Geschäftsessens bekannt.

Mit 80 Jugendlichen war das Seminar – Teil des Schülertanzkurses „Wie Schüler beruflich und privat nie mehr aus der Reihe tanzen“ – ausverkauft. In Kombination mit einem Vier-Gänge-Menü führte Tegtmeyer die Gymnasiasten an die wichtigsten Umgangsformen in Kommunikation und Tischmanieren heran.

Das Losverfahren entschied, wer mit wem am Tisch saß. Anfängliche Befangenheit, mit „Fremden“ Konversation betreiben zu müssen, verflüchtigte sich, je weiter der Abend voranschritt und die Schüler ihre Tischnachbarn näher kennenlernten.

Um die Situation eines Geschäftsessens, für das sich alle extra schick gemacht hatten, besser nachspielen zu können, gab es an jedem Tisch einen Gastgeber, der Gastgeberpflichten erfüllen musste. Vor und zwischen den Gängen rief Marc Tegtmeyer zuvor gelernte Benimmregeln in Erinnerung. Von A bis Z lernten die Jugendlichen, Etikettefehler zu vermeiden – angefangen beim Brechen des Couvert-Brots, das wie üblich vor dem Essen gereicht wurde, bis zur richtigen Lage des Essbestecks, um dem Servicepersonal zu signalisieren: „Ich bin fertig mit dem Essen.“

„Das, was wir auf keinen Fall wollen, ist Stulle schmieren“, erklärte Tegtmeyer beim Couvert-Brot. „Das ist ein No-Go bei einem schicken Essen.“ Auf Feinheiten wie den Unterschied beim Suppe-Löffeln aus einer Tasse und einem Teller, die Handhabung der Serviette und vieles, vieles mehr wies er hin.

Marc Tegtmeyer von der Tanzschule Stadtmüller & Tegtmeyer leitete das Umgangsformenseminar, das an Neuntklässler gerichtet war.

Auffällig: Rund 15 Prozent der Schüler verzichteten auf Fleisch und bevorzugten ein rein vegetarisches Menü – aus Tierwohl-Gründen, wie sie erklärten. „So viele Vegetarier hatten wir noch nie. Das hat sich sehr gewandelt“, konstatierte Marc Tegtmeyer, der seit vielen Jahren Umgangsformenseminare gibt.

Danach gefragt, warum sie an einem Umgangsformenseminar teilnehmen und was sie sich davon erhoffen, stand bei den 14- bis 16-Jährigen eindeutig die Vorbereitung auf das spätere Leben im Vordergrund. Für einige wie für Sophia Ebert (14) vom Zeppelin-Gymnasium waren Geschäftsessen nicht mehr fremd, andere wie Julia Trompeter (15) von Anne-Frank-Gymnasium (AFG) lernten nach eigenem Bekunden viel Neues dazu.

„Ich hoffe, dass man durch das Seminar vorbereitet wird, wie es im späteren Leben sein kann und dass einem die Angst genommen wird“, meinte AFG-Schülerin Hanna Klepper (15). „Dass wir viel fürs Leben mitnehmen“, ergänzte Marek Lempa (14) vom Zepp. „Einiges gelernt“ zu haben, versicherte Dina Leyh (14) vom Zepp. „Ich hoffe, dass das Seminar mir dabei hilft, mich in der Öffentlichkeit besser zu benehmen“, lauteten ihre Erwartungen an das Seminar.

Mancher – darunter Tiago Lingemann (16) vom Zepp - freute sich darauf, Gleichaltrige von anderen Schulen näher kennenzulernen. Anderen wie den Zepp-Schülern Pascal Reder (14) und Mehmet Top (15) waren neben neuen Bekanntschaften auch der Spaß und das gute Essen wichtig. „Dass es eine gute Erfahrung wird“, fasste Thilo Schulte (15) vom Scholl zusammen.

„Das ist sehr, sehr gut, dass so etwas gemacht wird“, meinte abschließend Marcus Kaufmann vom Restaurant Heerwiese. „Wir sehen doch im Tagesgeschäft, wie wichtig es ist, junge Leute an so etwas heranzuführen.“ Einst selbst als Schülerin bei einem Umgangsformenseminar dabei, begleitete Hannah Kramer nunmehr als Referendarin die AFG-Schüler. „Für mich ist das eine Herzensangelegenheit.“

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