NRW-Ministerium gibt „grünes Licht“

Schüler kehren noch im März zurück: Lehrer im MK in Sorge

Werden die Schulen in NRW bald für alle wieder geöffnet?
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Die Schulen in NRW werden ab dem 15. März für alle wieder geöffnet?

Noch vor dem Beginn der Osterferien am 29. März holt NRW alle Schüler – eingeschränkt und tageweise – in den Präsenzunterricht zurück. Waren zunächst die Grundschüler und die Abschlussklassen, zumindest teilweise, auf ihren angestammten Plätzen, so sollen nun ab dem 15. März alle Schüler der weiterführenden Schulen folgen. Ein Unterricht bei halbierter Klassenstärke im Wechselmodus, so wünscht es sich das Schulministerium.

Lüdenscheid - Um 9.30 Uhr lag am Freitag die entsprechende Mail aus dem NRW-Schulministerium auf dem Schreibtisch von Christiane Langs-Blöink, Rektorin der Theodor-Heuss-Realschule. „Grundsätzlich“, sagt sie, „ist das aus sozialer und emotionaler Sicht dringend notwendig. Aber ich sag das mal so: Wir liefern uns, was den Inzidenzwert angeht, derzeit ein Wettrennen mit Solingen. Wir müssen diesen Inzidenzwert im Auge behalten.“

Die Beschlüsse des Schulministeriums seien nichts, was man innerhalb von zwei Stunden umsetzt: „Man braucht da ein bisschen Zeit für. Gott sei dank haben wir ja noch eine Woche.“ Allerdings lässt die Rektorin keinen Zweifel an ihrem unguten Gefühl: „Wir kämen da raus, wenn der Schulträger mit Blick auf die Allgemeinverfügung beschließt: Wir sind hier Hotspot, unsere Schulen bleiben zu.“ Man sei an der Theodor-Heuss-Realschule digital relativ gut aufgestellt und habe gute Regelungen gefunden: „Einigermaßen kommen wir damit weiter, wir fangen ja nicht bei null an. Wir können die halbe Klasse hier in der Schule unterrichten, die andere Hälfte ist per Zoom zugeschaltet.“ An der organisatorischen Umsetzung würden die Pläne des Schulministeriums nicht scheitern: „Aber wer übernimmt dann am Ende die Verantwortung?“

Pro Schüler ein Schnelltest die Woche? Christian Langs-Blöink: „Ich weiß nicht, wie man so etwas organisieren soll. An unsere Schule gehen 700 Schüler. Und hier wird kein Pädagoge extra geschult, damit er bei anderen Schnelltests durchführen kann!“

Inzidenzwert ist zu hoch

„Angesichts des weiterhin bestehenden Infektionsgeschehens ist es hierbei aber unverändert geboten, behutsam und schrittweise vorzugehen“, heißt es in der NRW-Mail weiter. Und so geht auch Frank Bisterfeld, Leiter der der Gesamtschule Adolf-Reichwein, mit gemischten bis unguten Gefühle an die ministerialen Pläne heran: „Der Inzidenzwert ist im Märkischen Kreis einfach zu hoch“, hält auch er eine Öffnung noch vor den Osterferien nicht für notwendig. Bisterfeld weiß um die viele Arbeit, die Schulpsychologen derzeit haben: „Ja, die Kinder machen mich traurig, aber da geht die Sicherheit vor. Je mehr Schüler da sind, desto größer ist das Risiko. Der Unterricht läuft ja.“

„Ja, die Kinder machen mich traurig, aber da geht die Sicherheit vor. Je mehr Schüler da sind, desto größer ist das Risiko. 

Frank Bisterfeld

1200 Schüler besuchen im Normalfall die Schule. Highspeedboxen, die ähnlich wie ein Router funktionieren und mit einem 5G-Netz betrieben werden, machen seit Monaten den Unterricht möglich. Zweimal wöchentlich lassen sich die Pädagogen via Schnelltest testen. „Der negative Schnelltest gibt einem einfach ein gutes Gefühl“, sagt Bisterfeld. Und weiter: „Natürlich setzen wir das um, was in der Mail des Ministeriums steht – aber mit Bauchschmerzen!“

BGL berät in der nächsten Woche

„Wir müssen versuchen, das Beste für die Schüler herauszufinden. Sorgen können wir uns als Erwachsene machen, aber die Kinder müssen angstfrei zur Schule kommen können!“ Als „ambitioniert“ bezeichnet Dieter Utsch. Leiter des Bergstadt-Gymnasiums, die Pläne NRWs, ab dem 15. März wieder Schulbetrieb zu ermöglichen: „Wir werden uns nächste Woche hinsetzen und eine Lösung suchen. Es kann ja nicht sein, dass die Schüler wieder kommen dürfen, sich infizieren und als Belohnung in den Osterferien in Quarantäne sind.“ Auch am BGL ist man froh, dass man sich inzwischen auf Erfahrungswerte stützen kann. Aber Distanz- und Präsenzunterricht gleichzeitig, das würde – so Utsch – am BGL nicht funktionieren. Dann habe man die Hälfte der Schüler da, aber dafür auch alle Lehrkräfte. Außerdem seien ja nicht die Schule selbst oder der Unterricht die große Herausforderung: „Die Schüler stehen in der Pausenhalle zusammen oder später an der Bushaltestelle.“ Die Möglichkeit, die Schulen im Hotspot MK geschlossen zu lassen, habe, so der BGL-Rektor, der Kreis als Schulträger.

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