Vertrieben aus dem Paradies

Die Schüler haben sich intensiv mit dem Thema „Kindheit“ auseinandergesetzt.

Lüdenscheid - Sie singen laut und absichtlich nicht unbedingt als Kopie der goldenen Stimme aus Prag die „Biene Maja“. Anschließend kommen Sprüche, die wohl jeder Teenager schon mal gehört hat. Elternsprüche. Sie gipfeln in einem „Wieso kannst du nicht so sein wie deine Schwester?“

An die 20 junge Menschen in dunkler Kleidung stehen dort, wo sonst andere still und interessiert Grußworten oder Vorträgen lauschen. Stell- und Generalprobe für eine geplante szenische Lesung. Im benachbarten Museumscafé recken die vorwiegend älteren Gäste irgendwo zwischen neugierig und verständnislos die Köpfe. „Kindheit – Vertrieben aus dem Paradies“ heißt im Rahmen der aktuellen Ausstellung „Kinderleben“ in der Städtischen Galerie diese Veranstaltung, eine der letzten, bevor die Exponate am 7. Februar abgeräumt und wieder an ihre Beschaffungsorte zurück transportiert werden. Zu sehen ist an der Sauerfelder Straße bis dahin noch eine kunstgeschichtliche Zeitreise anhand ausgezeichneter Werke zum Thema Kinderporträts und -darstellungen. Viele der Exponate sind Leihgaben aus Oldenburg, angereichert wurde mit dem, was im hauseigenen Archiv lagert und was aus Lüdenscheider Privathaushalten zur Verfügung gestellt werden konnte. Im zweiten Stock ist eine feine Auswahl der Kinder-Gemälde aus der Familie Ida Gerhardis ausgestellt. Das Foyer gehört der Moderne. Die Gegenwartskunst durchbricht dort das Heile-Welt-Klischee.

„Kindheit – Vertrieben aus dem Paradies“ war bereits für Anfang Dezember geplant und wird nun zum Schlussakkord im Begleitprogramm. Am 27. Januar, einem Mittwochabend, wollen Schülerinnen und und Schüler der Stufe 12 der Adolf-Reichwein-Gesamtschule an der Stelle, wo sie in diesem Moment proben, die szenische Lesung bieten.

Die Schüler des Oberstufen-Literaturkurses lesen Texte zum Thema „Kindheit“. Texte bekannter Autoren, aber auch Geschichten aus der eigenen Feder, liebevoll, nachdenklich machend, rührend. Krishan erzählt über seinen Hundespaziergang, mit Worten wie „dort, wo die Sonne den Horizont küsst“. Ein anderer Text trägt den Titel „Der Schulhof Erwin Welke“, wieder ein anderer „Kindheitshelden“ oder auch „Meine Väter“.

Die Adolf-Reichwein-Schüler haben sich sehr intensiv mit dem Thema „Kindheit“ und damit auch mit sich selbst auseinander gesetzt, weiß Lehrerin Josette Ommer, die schon viele Literaturkurse begleitet hat. Spaß haben sie gehabt in den letzten Wochen und Monaten, waren aber auch gemeinsam zu Tränen gerührt, mit welcher Offenheit die jungen Leute ihre eigene Kindheit darlegten und auch den Moment, in dem sie selbst feststellten, dass sie keine Kinder mehr sind.

Zu der szenischen Lesung wird ein kleines Bühnenbild aufgebaut, zu dem auch Darstellungen jener „Nanas“ der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle gehören, die mit der Bildersprache der Pop Art farbenfroh gestaltete voluminöse weibliche Körper zeigen. Beginn der Lesung ist um 18 Uhr, der Eintritt ist frei.

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