Bei verdächtigen Beobachtungen sofort die 110 rufen

Ärger über Schrottsammler in Hochwassergebieten im MK, aber keine Plünderungen

Die Polizei zog am Montag in Lüdenscheid einen schrottreifen Kleintransporter aus dem Verkehr.
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Die Polizei hatte die Schrottsammler gut im Blick.

Nach dem Hochwasser kamen die Schrotthändler. Das sorgte in den besonders stark betroffenen Gebieten für Verärgerung bei den Anwohnern und vermehrte Einsätze der Polizei.

Lüdenscheid - Jan Schmitz sprach mit Polizeisprecher Marcel Dilling über mutmaßliche Hochwasser-Profiteure und was sie von Plünderern unterscheidet.

Sind der Polizei Fälle von Plünderungen in Hochwassergebieten im Märkischen Kreis zur Anzeige gebracht worden?

Nein, Plünderungen sind hier nicht bekannt geworden. Eine Plünderung setzt Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder Sachen voraus. Das lag hier in keinem der Fälle vor.

Was ist mit den Schrotthändlern? Plündern die nicht?

Kreisweit sind uns bislang zehn Fälle bekannt geworden, in denen Anzeigen wegen Diebstahls erstattet wurden. Schrottsammler sind keine Plünderer. Vielmehr versuchen sie unserem Eindruck nach die Situation für sich zu nutzen, die nun vermehrt aufgeschütteten Sperrmüllhaufen nach Dingen zu durchforsten, die sie noch zu Geld machen können. Sie gehen weiter dem Geschäftszweig nach, in dem sie sonst auch tätig sind. Allerdings mit einem größeren Angebot, als es sonst zur Verfügung steht. Und eben ohne die geltenden Regeln zu beachten.

Wann nach dem Hochwasser tauchten die ersten Schrotthändler im Märkischen Kreis auf?

Schrottsammler sind seit Jahren im Kreisgebiet unterwegs und werden von uns wann immer möglich kontrolliert. In den zurückliegenden zwei Jahren haben wir im Kreisgebiet über 500 Fahrzeuge stillgelegt, darunter viele Schrottsammler. Seit dem Unwetter treten sie jedoch deutlich vermehrt auf.

Wie reagieren die Anwohner, die gerade noch aufräumen, wenn in ihrer Straße ein Schrotthändler auftaucht?

Die sind natürlich wenig begeistert, wenn ihre Sperrmüllhaufen durchwühlt werden und anschließend zerpflückt auf der Straße liegen. Viele standen und stehen bis heute mit beiden Beinen knietief im Schlamm, haben ihr Hab und Gut verloren und beileibe Besseres zu tun, als sich auch damit noch herumzuärgern. Erst recht, wenn vielleicht dann noch Gegenstände wegkommen, die nur zum Trocknen rausgestellt wurden.

Wie sollten Anwohner reagieren?

Bei verdächtigen Beobachtungen sofort die 110 rufen. Keiner weiß besser, wer in eine Anwohnerstraße gehört, als derjenige, der dort wohnt oder sich regelmäßig dort aufhält.

Es wird auch von Diebstahl von Gegenständen berichtet, die zum Trocknen auf die Straße gestellt wurden. Wie häufig kam das vor?

Uns sind bislang zwei Fälle bekannt geworden, in denen das der Fall gewesen sein soll. Darunter die Nettestraße in Altena, wo eine Waschmaschine und Elektrogeräte mitgenommen wurden und die Daimlerstraße in Menden, wo Werkzeuge abtransportiert wurden. Die Dunkelziffer dürfte erfahrungsgemäß höher liegen.

Die Dunkelziffer gestohlener Gegenstände liegt erfahrungsgemäß hoch.

Fährt die Polizei in den Hochwassergebieten vermehrt Streife nach dem Unwetter?

Am ersten Wochenende nach dem Unwetter mussten unsere Kollegen 13 Mal ausrücken wegen verdächtiger Schrottsammler. Unmittelbar am darauffolgenden Montag haben wir unsere Präsenz erhöht und fahren vermehrt Streife in den Gebieten, die besonders vom Unwetter betroffen waren. Vergangenes Wochenende hat uns dabei die Bereitschaftspolizei aus Dortmund unterstützt.

Was haben Ihre Kollegen dabei erlebt?

Der Abschreckungseffekt scheint bei der Klientel, mit der wir es hier zu tun haben, zu wirken. Nachdem wir letzten Samstag die ersten vier Schrottsammler mit Anzeigen belegt hatten, waren ab Mittag – mit einer Ausnahme in Werdohl – keine mehr anzutreffen. Auch am Sonntag ließ sich niemand mehr blicken. Offenbar ist man untereinander gut vernetzt. Aus der Perspektive unseres Gegenübers nachvollziehbar. Für die Ordnungswidrigkeiten zahlen die Betroffenen schnell hohe vierstellige Geldstrafen.

Was hatten von der Polizei kontrollierte Schrotthändler nach einer Tour im Hochwassergebiet geladen?

Schrottsammler haben es vornehmlich auf Metallschrott und Elektrogeräte abgesehen, die sich noch zu Bargeld machen lassen. Wir gehen davon aus, dass die Sachen bei Schrotthändlern im Ruhrgebiet veräußert werden.

Sie haben zwischenzeitlich versucht, durch Kontrollen die Schrotthändler schon vor dem Eintreffen in den Hochwassergebieten zu stoppen. Ist Ihnen das gelungen?

Wir versuchen die Kontrollen in der Fläche durchzuführen. Also sowohl die Ein- und Ausfall- als auch die klassische Gemeindestraße im Blick zu haben. Wir können leider nicht überall sein, daher ist es umso wichtiger, uns verdächtige Fahrzeuge sofort zu melden.

Woher kommen die Schrotthändler und was sagen sie, wenn sie auf Diebstahl angesprochen werden?

Viele ziehen sich auf die Aussage zurück, dass es sich beim Diebesgut eh nur um Müll handele. Formaljuristisch bleibt es aber ein Diebstahl, in aller Regel mindestens eine Ordnungswidrigkeit. Der Großteil der Klientel ist rumänisch-stämmig und kommt mit teils maroden Fahrzeugen der Sprinter-Klasse aus dem Ruhrgebiet.

Wie kann ein Anwohner einen zugelassenen Schrotthändler von einem illegalen unterscheiden?

„Schrottsammler“ oder „Klüngelskerl“ ist grundsätzlich durchaus ein Beruf, mit dem Einzelne ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Doch dabei gibt es eine ganze Menge Vorschriften zu beachten, zum Beispiel die Gewerbeordnung, das Kreislaufwirtschafts- oder Elektrogesetz. Auch Lenk- und Ruhezeiten sind zu berücksichtigen. Verstößt man dagegen, wird es teuer. Skepsis ist bei Bürgerinnen und Bürgern immer dann angebracht, wenn die oft maroden Sprinter-Fahrzeuge ohne eine am Fahrzeug angebrachte „A-Kennzeichnung“ langsam durch Wohngebiete fahren. Dann lohnt in jedem Fall ein Anruf bei der Polizei.

Gab es weitere Kriminalität im Märkischen Kreis, die im Zusammenhang mit dem Hochwasser steht?

Bislang nicht.

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