Schrottdiebstahl: Alles ein bisschen dilettantisch

LÜDENSCHEID ▪ Es sollte wohl ein ganz schlauer Coup werden. Unbeobachtet natürlich und mit fetter Beute. Die Metallpreise sind ja so gestiegen. Also fuhren die Männer zum Kostal-Gelände An der Bellmerei, auf dem Stanzschrott in Containern lagerte. Die erste Tour war wenig ergiebig, also versuchten sie es zwei Wochen später noch einmal – und wurden prompt festgenommen...

Drei Komplizen haben sich ihre Strafen schon abgeholt. Nun hat auch der letzte der Einbrecherbande seine Strafe bekommen. Das Schöffengericht verurteilte den eher harmlosen Mitläufer (28) zu einem halben Jahr mit Bewährung und 50 Sozialstunden.

Im Rückblick haben die Täter zwar einen gehörigen Aufwand betrieben – 7,5-Tonner gemietet, Plastikwannen und Rucksäcke besorgt. Außerdem waren sie vorher in einem griechischen Restaurant lecker essen und haben sich anschließend mit Bier und Whisky Mut gemacht. Doch die Beweisaufnahme ergibt: So schlau waren sie gar nicht.

Oberstaatsanwalt Hans-Werner Münker hat nicht viele Fragen. Der Angeklagte, ein ungelernter Arbeiter mit kirgisischen Wurzeln, folgt dem Rat seines Verteidigers Frank-Peter Rüggeberg und legt freundlich lächelnd ein volles Geständnis ab.

Demnach sind die Einbrecher zunächst mit einem kleinen Kastenwagen angerückt, über den Zaun geklettert – „ich war betrunken, aber ich konnte noch stehen“ – und zu den Schrottcontainern geschlichen. Beim Abtransport machten sie aber einen „Riesenfehler“, wie ein Zeuge sagt. „Die haben die unterschiedlichen Schrottsorten zusammengeschüttet – und damit den Wert gemindert. So kann man das nicht mehr gut verkaufen.“ Der Preis für eine reine Kupfer-Beryllium-Legierung lag zu dieser Zeit bei 5770 Euro pro Tonne.

Ein weiterer Fehler: Sie kamen gegen 17 Uhr, an einem hellen Sonnentag im Mai, und hatten sich mit Sturmhauben maskiert, „viel zu auffällig“, so der Angeklagte. Als sie gestört wurden, verschwanden sie und hinterließen Spuren. Als sie Mitte Juni mit dem 7,5-Tonner zurückkamen und wieder begannen, die scharfkantigen Metallspäne mit bloßen Händen in Säcke zu schaufeln, warteten schon der Werkschutz und die Polizei auf sie. Alles „ein bisschen dilettantisch“, wie Rüggeberg sagt.

Der Angeklagte akzeptiert das Urteil.

Olaf Moos

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