Bahn versucht, Problem zu lösen

Schranke spielt verrückt: Firmen im MK von Außenwelt abgeschnitten

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Matthias Blecher (von links), Torsten Fröbel und Harald Hess hoffen, dass die Schranke am Bahnübergang Märtenstück bald wieder regulär funktioniert, denn nur über diese Zufahrt sind ihre Betriebe zu erreichen.

Lüdenscheid – Der Zug fährt durch und die Schranke bleibt unten: Am Bahnübergang Märkenstück liegen die Nerven blank: Der Bahnübergang ist die einzige Zufahrt in die Sackgasse. Firmen und Anlieger dort sind zeitweise abgeschnitten.

Der Vor-Ort-Termin in der vergangenen Woche lässt keine Fragen offen. Das Rotlicht zeigt den nahenden Zug an, die Schranken senken sich. Nur wenige Sekunden später ist auch schon die Regionalbahn 52 Richtung Lüdenscheider Bahnhof vorbeigerauscht. Dann passiert erst einmal: nichts. 

Autofahrer und wartende Fußgänger werden ungeduldig. Eine gefühlte Ewigkeit später, als die ersten Autofahrer trotz Rotlichts die Halbschranken bereits umfahren und auch Fußgänger die Gleise gequert haben, heben sich die Schranken plötzlich wieder – nur um sich wenige Minuten später – als der Zug vom Lüdenscheider Kopfbahnhof zurückkommt – wieder zu senken. 

Der Zug hält vor der geschlossenen Schranke. Alle warten. 

Harald Hess, Torsten Fröbel und Matthias Blecher sind leidgeprüft. Die drei sind Geschäftsführer von mittelständischen Unternehmen mit Sitz am Märkenstück. Die defekte Schranke ist ihnen schon seit Jahren ein Dorn im Auge, doch es wird schlimmer: „Im Moment spitzt sich die Situation zu. Die Probleme tauchen mehrmals täglich auf“, sagt Hess, der eine Firma für Acrylglasverarbeitung und Frästechnik führt. 

Fast täglich seien Mitarbeiter der Deutschen Bahn vor Ort auf Fehlersuche – ohne Erfolg. Die Schranke „spinnt“ weiterhin. Für die ansässigen Unternehmen ist die Situation schon lange nicht mehr hinnehmbar.

An einzelnen Tagen kommen Mitarbeiter nicht zum Betrieb durch oder sitzen nach Feierabend im Märkenstück fest. Lieferanten kehren kurz vor dem Ziel um, weil die Schranken verschlossen sind und nehmen die dringend benötigten Werkzeuge oder Materialien wieder mit. 

Die finanziellen Auswirkungen der „Chaos-Schranke“ auf die Unternehmen sind aber nur ein Aspekt, wie Harald Hess, Torsten Fröbel und Matthias Blecher betonen. Die Sicherheitsbedenken sind groß. Die drei Männer haben kein Vertrauen mehr in die mehr als 35 Jahre alte Technik. Die größte Sorge ist, dass die Schranke einmal nicht schließt, wenn sich ein Zug nähert. 

Matthias Blecher (von links), Torsten Fröbel und Harald Hess

Die Lüdenscheider Polizei ist laut Pressesprecher Marcel Dilling „gelegentlich“ vor Ort, um den Verkehr zu regeln, wenn die Schranke wieder für eine längere Zeit geschlossen ist. Die Beamten haben in dieser Zeit auch schon Ordnungsgelder verhängt – sehr zum Unmut der Anlieger.

Laut Dilling wurden seit Jahresbeginn 2018 vier Spaziergänger verwarnt, weil sie am Märkenstück bei geschlossener Schranke die Gleise überquerten. Kostenpunkt für die Sünder: 350 Euro und 1 Punkt in zentralen Verkehrsregister in Flensburg. 

Zuständig für die Sicherheit auf den Bahnübergängen ist eigentlich die Bundespolizei. Nach Rücksprache mit dem Fahrdienstleiter bestätigt Bundespolizei-Sprecher Volker Stall, dass es dort seit einer Woche zu Problemen kommt. Die Bahn versuche, den Fehler zu finden, heißt es von dort. Die Bundespolizei warnt in jedem Fall davor, die Halbschranken zu umfahren – selbst bei „Notwehr“, die die Anlieger anführen. 

8. April, 15.37 Uhr: Der Zug hält minutenlang vor dem Bahnübergang.

Bei einem Verstoß drohen Autofahrern ein Monat Fahrverbot, zwei Punkte und mindestens 240 Euro Bußgeld. „Es ist immer besser die Polizei zu informieren als drüber zu fahren“, sagt Stall. Betroffen sind auch die Busse der Linie 40 der MVG. Die Route führt geradewegs über den Bahnübergang – wenn er denn geöffnet ist.

Mehrfach strandete dort ein Bus vor der geschlossenen Schranke. MVG-Sprecher Jochen Sulies bestätigt die aktuellen Probleme. „Es ist eine Störquelle. Wir haben täglich Ausfälle.“ Die Auswirkungen auf die Fahrgäste sind drastisch. 

Gleich fünf Haltestellen werden dann nicht bedient (Graf-von-Galen-Straße, Frankenplatz, Bayernstraße, In der Mark und Märkenstück). „Wir lassen den ganzen Abschnitt entlang der Bayernstraße weg und fahren direkt zum Kreishaus“, sagt Sulies. Die Fahrgäste seien zu Recht sauer auf die Situation. Die MVG habe aber selbst keine Handhabe. 

Verantwortlich ist die Deutsche Bahn, die erklärte, nach der Anfrage unserer Zeitung sei das Problem gelöst. Ein defektes Kabel habe ersetzt werden müssen. Jetzt laufe alles wieder reibungslos. 

Allerdings nur bis Donnerstagmorgen. Nach einer Woche blieb die Schranke wieder unten. Die Bahn rückte erneut an. Antwort aus der Pressestelle: "Unsere Techniker haben im Nachgang noch einmal einen Defekt festgestellt und sind aktuell bei der Reparatur."

 „Wir wollen zum Mars fliegen und kriegen nicht mal einen Bahnübergang hin“, sagt Matthias Blecher, einer von zwei Geschäftsführern der Funke & Blecher GmbH, und schüttelt den Kopf. Auch Harald Hess hat die Nase voll: „Wir verlangen doch nichts Besonderes – nur eine funktionierende Bahnschranke“. Torsten Fröbel, Geschäftsführer von Duro-Therm Formenbau GmbH, macht der Bahn sogar ein verzweifeltes Angebot: „Die Bahn kann ja uns fragen. Wir kriegen das hin.“

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