Anspruchsvolles Scholl-Theater

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Ein halbes Jahr lang haben sich die Schüler mit dem Theaterstück beschäftigt.

Lüdenscheid - Das Werk „Wir sind noch einmal davongekommen“ des US-amerikanischen Autors Thornton Wilder, von dem der Literaturkurs Q1 des Geschwister-Scholl-Gymnasiums die ersten beiden Akte auf die Bühne der Scholl-Aula brachte, ist mit hoher Symbolkraft aufgeladen.

Ein halbes Jahr lang hatten sich die Schülerinnen und Schüler auf die Adaption des Stückes, das im Jahr 1943 den Pulitzerpreis erhielt, vorbereitet. Im Mittelpunkt des Werkes, bei dem es sich um eine Allegorie auf den Lebenswillen des Menschen handelt, der allen Katastrophen trotzt, steht die Familie Antrobus, eine seltsame Form der typischen amerikanischen Durchschnittsfamilie, die verschiedene Epochen wie zum Beispiel die Steinzeit durchlebt, in denen ständig unterschiedliche Katastrophen geschehen, gleichzeitig aber auch Bestandteil der gegenwärtigen Welt zu sein scheint.

Das Hausmädchen Sabina, schön schrill und hysterisch dargestellt von Diane Steinacker, schafft zudem immer wieder einen Korridor in die Gegenwart, indem es das Publikum ab und an direkt anspricht und weiß, dass es nur ein Charakter in einem Theaterstück ist. Im ersten Akt kühlt sich die Sonne ab, und eine Eiszeit beginnt, gegen die sich die Familie rüsten muss, im zweiten macht eine Sintflut den Menschen zu schaffen, und im dritten Akt, auf den das Ensemble verzichtete, zieht ein Weltkrieg über die Erde.

Dennoch hält das Thema Krieg indirekt Einzug in die Inszenierung, als nämlich Flüchtlinge Schutz vor der Kälte bei Familie Antrobus suchen, was dort zu Konflikten führt. Das im Jahre 1942 uraufgeführte Stück verdeutlicht auf anspruchsvolle Weise die Sicht der Amerikaner auf den Zweiten Weltkrieg, der zur Entstehungszeit des Werkes in vollem Gange war.

Gleichzeitig sind seine Themen jedoch auch heute in einer Zeit, in der Millionen Menschen auf der Flucht sind und sich zudem die Naturkatastrophen durch die Eingriffe des Menschen in die Natur häufen, aktueller denn je. Die Inszenierung unter Federführung von Lehrerin Daria Dusil-Aulehla stellte sich als ein schrilles Spektakel mit surrealen Momenten dar, das vor Interpretationsmöglichkeiten und Metaphern überquoll und deshalb den Zuschauer bisweilen durchaus forderte.

Dabei konnte die Aufführung mit engagierten Schauspielern, einem abwechslungsreichen Bühnenbild (Nelly Raith und Christian Geng) sowie einer professionellen Licht- und Tontechnik punkten, für die Tobias Schmidt und Lennart Palla von der Licht- und Tontechnik-AG verantwortlich zeichneten. Der Eintritt zur Vorstellung war frei, in der Pause konnten sich die Zuschauer jedoch gegen geringes Entgelt verpflegen und eine Geldspende leisten. 

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