Sexueller Übergriff: Familienvater begrabscht Frisörin

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Symbolbild

Lüdenscheid - Bilder einer Überwachungskamera belegen den Übergriff des Angeklagten auf eine Frau. Doch der Lüdenscheider behauptet, sich nicht daran erinnern zu können.

Der Angeklagte, ein massiger Mann von 54 Jahren, sagt, er könne sich nicht an die Sache erinnern. 

Seinem Opfer aber wird der beängstigende Übergriff noch lange im Gedächtnis bleiben. Wie er sie von hinten mit den Armen umfing und ihre Brüste knetete, wie er sie zu Boden drückte und eine Hand unter ihre Bluse schob. Die Anklage lautet auf sexuelle Nötigung. 

Es geschah am 22. August 2018 in der Automaten-Filiale der Sparkasse an der Glatzer Straße, früher Nachmittag. Die 66-jährige Friseurin will Geld abheben. Als sie vor dem Automaten steht, kommt ein Mann herein, mit einer Bankkarte in der Hand. 

„Der machte aber gar nichts, der stand nur da und guckte mich an.“ Sie bricht den Vorgang lieber ab und will gehen. Sie habe gemerkt, „dass er irgendwas im Schilde führt.“ In dem kleinen Vorraum „konnte er mich dann packen“. 

Ihre Stimme zittert, während sie berichtet. Der Angeklagte wirkt abwesend. Zwischendurch gähnt er. Strafverteidiger Dominik Petereit: „Er sagt nicht Ja und nicht Nein. Eine geständige Einlassung ist nicht möglich.“ Die Überwachungskameras haben den Übergriff dokumentiert. 

In diesem Augenblick betritt eine 39-Jährige den Schalterraum. Sie hat das Opfer schon von der Straße aus um Hilfe schreien gehört. Der Mann lässt von seinem Opfer ab, schreitet „locker“, wie sie sagt, an ihr vorbei – und entfernt sich. Sie ruft die Polizei. 

Die Beamten kriegen von der Zeugin den entscheidenden Tipp, denn: „Ich kenne den.“ Zum Vorsitzenden des Schöffengerichts, Richter Andreas Lyra, sagt sie: „Es gab schon früher Vorfälle.“ An der Supermarktkasse sei er immer „ganz nahe gekommen, das war widerlich“. 

Die Lebensgefährtin des Angeklagten – sie ist gleichzeitig seine gesetzliche Betreuerin – wird befragt. Sie berichtet von psychiatrischer Behandlung wegen einer paranoiden Schizophrenie, aber er sei stets „geduldig und nett“. Er höre zwar Stimmen, „aber er tut nichts Böses“. 

Der Gutachter, Bernhard Bätz aus Hamm, kommt zu dem Schluss, eine Wiederholungsgefahr bestehe, eine Wahrscheinlichkeit dazu „eher nicht“. Übermäßiger Wodka-Konsum habe möglicherweise einen Hirnschaden bewirkt. 

Die Frage nach der Schuldfähigkeit des arbeitslosen Familienvaters steht im Raum. Über eine geschlossene Unterbringung in einer Anstalt muss das Landgericht entscheiden. 

So gleichgültig der Angeklagte wirkt, so nachhaltig verunsichert ist sein Opfer. „Die Angst ist geblieben“, sagt die Friseurin. „Ganz unbedarft gehe ich jetzt nirgendwo mehr hin.“

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