25-Jähriger verurteilt

Geldstrafe nach tödlichem Unfall auf der Talstraße

Lüdenscheid/Meinerzhagen - Das juristische Nachspiel eines tödlichen Verkehrsunfalls auf der Talstraße ist vorerst beendet. Das Schöffengericht verurteilte einen 25-Jährigen aus Oberbrügge am Donnerstagnachmittag wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 3600 Euro.

Der junge Mann war im November 2012 in Höhe der Pöppelsheimer Mühle auf der Talstraße in den Gegenverkehr geraten. Ein Mann (47) aus Meinerzhagen verlor bei dem Frontalzusammenstoß sein Leben.

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Neben Strafverteidiger Heiko Kölz sitzt der Mechaniker mit gesenktem Kopf. Er leide unter der Situation, bedaure den Unfall zutiefst und habe das auch den Hinterbliebenen mitgeteilt – sagt Kölz über seinen Mandanten. Der schweigt und wolle vor Gericht auch keine Fragen beantworten – so der Rechtsanwalt weiter. Als Unfallursache erklärt der Jurist, „dass mein Mandant plötzlich und überraschend stark niesen musste“. So habe er die Kontrolle über seinen Skoda verloren. Der Unfallverursacher blieb nahezu unverletzt.

Zeugen berichten nichts von Niesattacken. „Er war geschockt“, sagt ein Mann aus Kierspe, der direkt hinter dem Meinerzhagener gefahren war. Seine Frau fügt hinzu: „Er hat immer wieder gesagt ‘Ich konnte nicht lenken’ und ‘Es ging nix mehr’.“ Währenddessen bemühten sich Autofahrer, den eingeklemmten Mann zu bergen. Er starb wenig später an den Folgen eines Schädelhirntraumas.

Der Unfallsachverständige Lutz Bölter hat die beiden Autowracks unter die Lupe genommen. Die Fahrgastzelle des Opfers „ist kollabiert“, so der Gutachter. Und der Skoda habe keinerlei Vorschäden gehabt. Bremsen und Lenkung seien vor dem Unfall vollständig intakt gewesen. Eine Erklärung für den Unfall lasse sich „technisch nicht ergründen“. Die beiden Wagen seien jeweils mit einem Tempo von 60 bis 70 km/h frontal und ungebremst aufeinandergetroffen. Richter Jürgen Leichter: „Das ist ja wie mit 140 gegen einen Baum fahren.“

Fotos von der Unfallstelle auf der Talstraße:

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Der Staatsanwalt ist überzeugt: Der 25-Jährige hat gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen. „Dass er geniest hätte, kann jeder sagen, um sich letztlich der strafrechtlichen Verantwortung zu entziehen.“ Es habe keine Anzeichen für eine Erkältung gegeben. Vielmehr habe der Angeklagte am Unfallort eher Angaben zu möglichen technischen Mängeln gemacht. „In dubio pro reo“, diesen Grundsatz macht Heiko Kölz geltend und hält das Niesen für eine „plausible Erklärung, die widerlegt werden muss“.

Das Gericht stuft das als „Schutzbehauptung“ ein – und erkennt auf einen „gravierenden objektiven Sorgfaltspflichtverstoß“, wie Leichter sagt. Das Rechtsfahrgebot laut St/raßenverkehrsordnung sei „enorm wichtig“. Der junge Mann sei einen Moment abgelenkt gewesen, sei es durch ein Handy, ein Navi oder „weil er einfach in Gedanken war“.

Kölz kündigt an, den Weg der Berufung zu prüfen.

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