Schockierende Bilder und bewegende Vorträge

Beim Gurttest konnten die Schüler austesten, wie heftig ein Aufprall mit elf km/h sein kann.

LÜDENSCHEID ▪ Einen Vormittag mit vielen drastischen Bildern und eindringlichen Appellen erlebten gestern die Schüler der 12. Stufe des Bergstadt-Gymnasium im Oberstufenatrium. Beim Jugendforum „Traffic Deadline – Der Tod auf dem Weg nach Hause“ teilten Rettungskräfte sowie Unfallopfer und deren Angehörige ihre teils bewegenden, teils schockierenden Erfahrungen mit den Jugendlichen, um sie auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam zu machen.

Von „bestialischen Schreien“ und anderen Eindrücken am Unfallort berichtete so zum Beispiel der Polizist Volker Mürmann. Ein junger Mann war tödlich verunglückt und nun „kein Fabian oder sonst wer mehr, sondern eine Leiche.“ Das aber selbst die Profis bei einem solchen Einsatz bewegt von dem sind, was sich ihnen darbietet, zeigte die leicht brüchige Stimme des Ordnungshüters. Zu allem Überfluss klingelte damals auch noch das Handy des Opfers, das sich noch in dem Autowrack befand und das Display zeigte als Anrufer „Papa“ an. Mürmann ging an diesem Tag nicht an das Telefon, aber zum Abschluss meinte er ans junge Publikum gerichtet: „Ich möchte nicht bei euren Eltern stehen und ihnen sagen, dass ihr nicht mehr nach Hause kommt.“

Auch dem Vortrag des Leitenden Notarztes Dr. med. Dirk Wierich lauschten die Zwölftklässer gebannt und gleichzeitig wohl auch ein stück weit erschüttert. Ihm bot sich an einem sonnigen Mittwochnachmittag an einer Unfallstelle ein besonders trauriges Bild: Gleich drei junge Menschen waren bei einem Autounfall getötet worden, seine Eindrücke davon beschrieb er den Zuhörern sehr plastisch. Innerhalb kürzester Zeit verbreitete sich die Nachricht von dem Unfall und die Eltern eines Toten sowie der verzweifelte Großvater eines anderen eilten zum Ort des Geschehens – was natürlich sowohl für sie als auch für die Rettungskräfte ungeheuer belastend ist. Wierich appelliert auch an die Jugendlichen, sich bewusst zu machen, dass die Angehörige eines Opfers immer mit leiden.

Neben den Vorträgen wurden auch immer kurze Videos oder Präsentationen gezeigt. Außerdem konnten die Schüler auf dem Schulhof auf einem Gurtschlitten einmal ausprobieren, wie heftig selbst ein Aufprall mit einer verhältnismäßig geringen Geschwindigkeit von elf km/h sein kann. Außerdem erklärten die Mitarbeiter der Verkehrswacht, wie wichtig es ist, sich anzuschnallen und wie‘s richtig geht.

Bereits zum vierten Mal fand das Jugendforum zum Thema Verkehrssicherheit in Lüdenscheid statt. Dr. Frank Mewes, selbst Arzt und Mitinitiator der Veranstaltung, zeigte sich zum einen sehr zufrieden über die Konzentration der Schüler, die trotz des schwierigen Themas fünf Stunden ruhig zuhörten. Außerdem hofft er darauf, das Angebot bald ausbauen zu können. Bislang fand „Traffic Deadline“ immer an unterschiedlichen Orten statt, nun sei man auf der Suche nach Räumen, die genug Platz für 300 bis 400 Leute bieten, damit das Forum regelmäßig angeboten werden kann. Auch eine Ausweitung des Projekts auf den Nordkreis ist geplant. Morgen lest ihr auf dieser Seite mehr über diejenigen, die selbst Opfer eines Verkehrsunfall wurden oder dabei einen geliebten Menschen verloren haben.

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