Schneeräumer sind für den Winter gut gerüstet

Auch bei privaten Winterdienstlern ist alles bereit für den ersten Schnee: Helge-Helmut Juckel (rechts) mit seinen Mitarbeitern Philipp Rosenbach, Florian Böttcher und Thomas Tator. ▪ Kornau

LÜDENSCHEID ▪ „Es liegt noch kein Schnee in der Luft“, sagt Helge-Helmut Juckel. Trotzdem ist der Garten- und Landschaftsbauer schon gerüstet. Denn wenn die Witterung das Kerngeschäft einfriert, ist der 49-Jährige mit seiner Mannschaft einer von mehreren privaten Anbietern im Schnee- und Räumeinsatz. „Vor dem Schnee und der Arbeit hat keiner Angst; was einen auffrisst , ist die Unvernunft der Menschen“, sagt er.

Es ist nicht nur der Ruhrgebietler, der ohne Winterreifen zum Arbeitsplatz ins Sauerland fährt und morgens mitten in der Räumschneise quer steht. Der Lüdenscheider kennt viele Beispiele, die professionellen Schneeräumern das Leben schwer machen. Wohlgemerkt: Es geht um die Nächte, in denen nach starkem Schneefall über allem ein weißes Tuch liegt. Ein Tuch, das „beruhigte“ Straßenverschwenkungen verdeckt und hochgefrorene Kanaldeckel, unter dem abgestellte Mofas nicht mehr sind als eine Beule oder das Mülleimer umhüllt, die mitten in Räumflächen stehen. „Das ist schwierig für die, die im Akkord da durchmüssen.“

Seit 33 Jahren ist er im Geschäft, auch im Wintergeschäft. Seitdem wird zwischen Mitte November und Mitte April so manches Mal die Nacht zum Tage. Das heißt zugleich, fünf Monate Alkoholverbot, weil man nie weiß, wann’s wieder losgeht. Um 12, 1 Uhr fährt die kleine Flotte raus, zwischen 7 und 8 Uhr sind die Jungs wieder zurück an der Nottebohmstraße 28 e. Wenn nicht irgendein Laster quer steht, dessen Fahrer geglaubt hat, er könne noch eben vor dem Räumfahrzeug aus der Einfahrt biegen. „Ich bin doch froh, wenn einer mit Salzkringel vor mir her fährt“, sagt Juckel dann kopfschüttelnd. Und er rät: „Da, wo die orangenen Rundumleuchten sind, ist vorne. Wenn die hinter mir sind, hab’ ich was falsch gemacht. Dann fahre ich eben mal rechts ran.“

Auch Planer sollten mal an den heimischen Winter denken, das würde vieles vereinfachen, findet der Fachmann. Wohin mit dem Schnee – das sei in Wohngebieten oder Wohnanlagen ein echtes Problem, sogar auf Firmengeländen. Halbe, halbe setzten sich die Aufträge zusammen, schätzt Helge-Helmut Juckel, der seinen Fuhrpark auf unterschiedliche Anforderungen abgestimmt hat. So ist es ihm möglich, seine Mitarbeiter über den Winter weiterzubeschäftigen. Die Rechnung geht nur auf, wenn die Mitarbeiter im Sommer Stunden ansparen. „Wir mussten unsere Mitarbeiter im Winter noch nicht nach Hause schicken“, sagt Klaudia Juckel. Einfach sei das nicht, aber es sei auch keine Lösung, die Männer über den Winter arbeitslos zu melden.

Lieber sind die Jungs „mit Vernunft und Feingefühl“ in fünf Lüdenscheider Bezirken unterwegs. Das Handy und der Bock, auf dem man sitzt“ – das sind die wichtigsten Arbeitsgeräte im Winter. Juckel: „Die Handyrechnung ist doppelt so hoch, weil man so viel koordinieren muss.“ Und zum Glück gibt’s ja auch viele nette Begegnungen – „dann halten Kunden schon mal heißen Kaffee und Frühstücksbrötchen bereit.“ ▪ Susanne Kornau

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