Sonne schien so lange wie selten

Schnee und Eis Mangelware: Messungen zeigen Wetter-Phänomene im MK

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Lüdenscheid - Das Jahr 2019 war meteorologisch betrachtet ein sehr außergewöhnliches Jahr und brachte einen neuen Temperaturrekord für Lüdenscheid: Die Höchsttemperatur erreichte einen neuen Höchstwert von 37,6 Grad Celsius.

Mit durchschnittlich 10,0 Grad war es das drittwärmste Jahr. Des Weiteren war es mit 1831 Stunden Sonnenschein auch sehr sonnig – das sechstsonnigste Jahr. Im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt war das vergangene Jahr in der Summe außerdem etwas niederschlags-ärmer und ähnlich windig. 

Die Daten für Temperatur, Niederschlag, Sonne und Wind werden im Folgenden aufgelistet, mit der Referenzperiode von 1961 bis 1990 (= dem langjährigen Durchschnitt) verglichen und in Bezug zu den Höchst- und Tiefstwerten für Lüdenscheid gesetzt.

Diese Höchst- und Tiefstwerte reichen meistens bis weit in das letzte Jahrhundert hinein, denn die Meteorologische Station gibt es schon seit 1920 im (heutigen) Zeppelin-Gymnasium. Auch vorher gab es schon Klimamessungen am Staberg in Lüdenscheid – so gab es zum Beispiel Messreihen zur Temperatur, die – mit einigen Lücken (vor allem um den Ersten Weltkrieg) – bis in das Jahr 1846 zurückreichen.

2,1 Grad über dem Durchschnitt

Mit einer durchschnittlichen Temperatur von 10,0 Grad war das vergangene Jahr das drittwärmste Jahr. Die Durchschnittstemperatur lag um 2,1 Grad über dem langjährigen Durchschnitt (7,9 Grad). Die bisher wärmsten Jahre während der letzten hundert Jahre waren 2018 (10,5 Grad), 2014 (10,2 Grad), 2015 (9,9 Grad), 2011 (9,8 Grad), 2017 (9,6 Grad), 2007 (9,5 Grad), 2003, 2000, 1989 und 1959 (jeweils 9,4 Grad).

Von den zehn wärmsten Jahren seit 1900 liegen damit neun in diesem Jahrhundert. Die sechs wärmsten Jahre gab es seit 2011. Die globale Klimaerwärmung wird somit auch hier in Lüdenscheid immer deutlicher spür- und messbar.

Bei der Betrachtung der einzelnen Monate fällt auf, dass nur der Monat Mai kälter als der langjährige Durchschnitt war (mit 10,3 Grad um minus 1,0 Grad). Die Monate mit der größten Abweichung vom langjährigen Durchschnitt waren der Juni (mit 19,5 Grad um plus 5,4 Grad), der Februar (mit 5,6 Grad um plus 4,8 Grad), der August (mit 18,7 Grad um plus 3,1 Grad) und der April (mit 9,6 Grad um plus 2,9 Grad).

Tiefste Temperatur: minus 7,3 Grad

Die durchschnittlichen 19,5 Grad im Juni 2019 sind für Lüdenscheid ein neuer Rekord. Den wärmsten Juni gab es bisher mit durchschnittlich 18,8 Grad im Jahr 2003. Die größte monatliche Abweichung gab es bisher in Lüdenscheid mit plus 6,4 Grad im Juli 2006 (22,2 Grad). Besonders warm war es im Jahr 2019 neben dem Juni noch im Juli und August. Die Höchsttemperatur erreichte am 25. Juli den neuen Rekord von 37,6 Grad. Damit wurde der Höchstwert von 35,4 Grad vom 7. August 2018 um sagenhafte 2,1 Grad übertroffen. Insgesamt verzeichneten die Meteorologen 14 heiße Tage (>= 30 Grad) (gegenüber lediglich 1,1 heißen Tagen im langjährigen Durchschnitt). Das sind zusammen mit dem Jahr 1911 die zweitmeisten heißen Tage hinter 1947 (19 heiße Tage). Die Anzahl der Sommertage (>=25 Grad) lag mit insgesamt 38 (davon 15 Tage im Juni) ebenfalls sehr deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 13,7 Sommertagen.

Relativ wenige Tage mit Schnee

Die tiefste Temperatur wurde im Klimagarten der Station auf dem Schulhof des Zeppelin-Gymnasiums mit minus 7,3 Grad am 20. Januar registriert. Diese Tiefsttemperatur ist verglichen mit anderen Jahren für Lüdenscheider Verhältnisse eher mild. Die niedrigste in Lüdenscheid gemessene Temperatur gab es am 1. Februar 1956 mit minus 21,4 Grad. Die Anzahl der Frosttage (Minimum <0 Grad) lag mit 50 deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt (81,5 Tage). Im Jahr 2014 war sie mit nur 29 jedoch noch viel geringer. Die Anzahl von nur neun Eistagen (Maximum <0 Grad) lag auch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt (24,5 Tage).

Die viel zu hohen Temperaturen waren für die relativ wenigen Tage mit Schnee verantwortlich. So gab es 2019 nur 28 Tage mit einer Schneedecke. Das ist deutlich weniger als im langjährigen Durchschnitt (55,3 Tage). Zum Vergleich: In den Jahren 2014 und 2007 gab es nur sieben beziehungsweise nur elf Tage mit einer Schneedecke, im Jahr 2010 waren es hingegen 107 Tage. An den wenigen Tagen lag insgesamt auch weniger Schnee als sonst – mit 285 Zentimetern Gesamtschneedecke lag die Stadt im Jahr 2019 deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt (714 cm). Am 7. Februar gab es den letzten Schneefall des Winters 2018/2019. Den ersten Schneefall des Winters 2019/2020 verzeichneten die Hobby-Meteorologen vom 18. auf den 19. November.

Der Niederschlag lag mit 1158,7 Litern pro Quadratmeter insgesamt etwas unter dem langjährigen Durchschnitt (1214 l/m²). Die absolut niederschlagärmsten Jahre sind 1892 (792 l/m²), 1959 (806 l/m²), 1971 (818 l/m²), 1976 (822,5 l/m²), 1924 (824 l/m²) und 2018 (833,7 l/m²). Den maximalen Niederschlagsrekord hält das Jahr 1912 mit 1737 Litern pro Quadratmeter. Im Jahr 2019 fiel im Januar (199,1 l/m²) und Dezember (184,8 l/m²) circa ein Drittel des Jahresniederschlages.

Weitere Schäden an den Bäumen

Nach dem viel zu trockenen Jahr 2018 (dem sechsttrockenen Jahr in der Lüdenscheider Klimageschichte) sorgten die teilweise viel zu trockenen Monate der Vegetationsperiode (April bis September) für weitere Schäden an unseren Bäumen in den Wäldern, Parks und Gärten. Die trockenen Monate mit der größten Abweichung vom langjährigen Durchschnitt waren der Juli als absolut niederschlagärmster Monat mit 32,3 l/m² (dies entspricht 29 Prozent des langjährigen Durchschnitts), der Juni mit 40,1 l/m² (39 Prozent), der April mit 36,0 l/m² (43 Prozent) und der August mit 40,7 l/m² (45 Prozent). Die vier niederschlagreicheren Monate Januar 179,1 l/m² (165 Prozent), März 161,5 (141 Prozent), Dezember 198,8 l/m² (152 Prozent) und Oktober 121,7 l/m² (135 Prozent) wichen teilweise erheblich vom langjährigen Durchschnitt ab.

Der meiste Regen fiel 2019 mit 27,2 l/m² am 28. Januar – damit wurde der absolute Höchstwert vom 4. November 1940 mit 113,4 Litern pro Quadratmeter deutlich verfehlt. Für Lüdenscheid ist das keine besonders große Menge für einen Tag. „Die zweithöchste je gemessene Niederschlagsmenge verzeichneten wir am 16. Juli 2003 mit 70,1 Litern pro Quadratmeter“, so die Fachleute. Im vergangenen Jahr fiel an 196 Tagen auf Lüdenscheid nennenswerter Niederschlag (>= 0,1 l/m²). Damit lag das Jahr 2019 deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt (221,5 Tage).

Die Sonne schien mit 1830,7 Stunden so viel wie selten auf Lüdenscheid – das entspricht durchschnittlich 5,0 Stunden pro Tag und liegt deutlich über dem langjährigen Durchschnitt (4,1 Stunden Sonnenschein pro Tag) für Lüdenscheid. Rekordhalter ist hier das Jahr 2018 (5,8 Stunden), gefolgt von den Jahren 2003 (5,4 Stunden), 1959 (5,3 Stunden), 1976 (5,2 Stunden), 2015 (5,1 Stunden), 2011 und 1908 (je 5,0 Stunden). Bei der Betrachtung der einzelnen Monate fällt auf, dass sieben Monate (Februar, April, Juni bis September und der Dezember) sonniger und fünf Monate (Januar, März, Mai, Oktober und November) dunkler als der langjährige Durchschnitt waren. Im Jahr 2019 konnte man besonders im April und von Juni bis September längere sonnige Perioden im Freien genießen.

Juni: 10,3 Stunden Sonne pro Tag

Die Monate mit dem absolut meisten Sonnenschein waren die Monate Juni mit 308,6 Stunden Sonnenschein (= 10,3 Stunden Sonnenschein pro Tag, 168 Prozent des langjährigen Durchschnitts) und August mit 241,6 Stunden Sonnenschein (= 7,8 Stunden pro Tag, 129 Prozent). Die größten Abweichungen gab es im Februar mit 138,9 Stunden (= 5,0 Stunden pro Tag, 172 Prozent) und April 228,7 Stunden (= 7,6 Stunden pro Tag, 148 Prozent). Die absoluten Höchstmarken von durchschnittlich 5,9 beziehungsweise 9,6 Stunden (Februar 1959 beziehungsweise April 2007) wurden damit jedoch noch deutlich verfehlt. Die absolut dunkelsten Monate waren der Januar mit insgesamt 43,1 Stunden Sonnenschein (= 1,4 Stunden pro Tag, 98 Prozent) gefolgt vom November mit 47,2 Stunden Sonnenschein (= 1,7 Stunden pro Tag, 84 Prozent).

Zum Wind ist für das Jahr 2019 anzumerken, dass die durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 2,6 Beaufort ähnlich wie im langjährigen Durchschnitt (2,6 Beaufort – Vergleichszeitraum 1971-2000) war. Die 69 Sturmtage (>= 8 Beaufort) liegen über dem langjährigen Durchschnitt von 53,5 Sturmtagen.

Die stärkste Windböe fegte mit circa 126 km/h (= 12 Beaufort) am 4. März über Lüdenscheid. Neben dem März (15 Sturmtage) war der Dezember mit elf Sturmtagen am stürmischsten. Das Sturmtief Vivian vom 26. Februar 1990 hält mit 166 km/h die bisherige Höchstmarke. Auch in den Jahren 1995 (158 km/h), 1993 (151 km/h), 1992 (150 km/h) und 1994 (144 km/h) wurden auf dem Dach des Zeppelin-Gymnasiums starke Windböen registriert.

„Während Kyrill am 18. Januar 2007 registrierten wir 135 km/h. Die sonst eindeutig dominierende Windrichtung Südwest war zwar immer noch am häufigsten vertreten, doch nicht mehr so deutlich wie sonst üblich“, so die Meteorologen. So gab es in den Monaten Januar (West), April (Ost), Juni (Süd), Juli (West) und November (Nordwest) andere Hauptwindrichtungen.

An lediglich 46 Tagen Nebel

Es gab an lediglich 46 Tagen Nebel – das heißt, die Sichtweite betrug weniger als 1,0 Kilometer. Im langjährigen Durchschnitt gibt es fast 100 Tage mit Nebel. Gewitter über der Station verzeichneten die Wetterbeobachter an nur einem Tag – das sind deutlich weniger als im langjährigen Durchschnitt (26 Tage). Dieses kann aber auch mit strukturellen Veränderungen der Wetterbeobachtungen zusammenhängen.

Fazit 

„Abschließend kann man sagen, dass das Jahr 2019 als drittwärmstes Jahr in unsere Geschichte eingeht und uns mit der Maximaltemperatur (37,6 Grad) und der durchschnittlichen Junitemperatur (19,5 Grad) zwei neue Rekorde brachte. Durch die hohen Temperaturen bedingt gab es viel weniger Tage mit einer Schneedecke und auch deutlich weniger Frost- und Eistage. Des Weiteren war es das sechstsonnigste Jahr (1831 Stunden Sonnenschein).“

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