Der Schmied und die Spülmaschine

Lüdenscheid - Der bullige Schmied (36) ist kein Unbekannter am Amtsgericht. Es wäre ein Klacks für ihn, mal eben eine Spülmaschine irgendwohin zu tragen.

Von Olaf Moos

Aber dass er es auch getan hat, dass die Spülmaschine ihm nicht gehörte und dazu noch aus einem aufgebrochenen Schuppen stammte – dazu sagt er „Nein“. Und seine zierliche Ehefrau, deren Hilfe beim Tragen er bestimmt nicht nötig hätte, sitzt als vermeintliche Komplizin neben ihm auf der Anklagebank und sagt lieber gar nichts.

Dafür spricht der Tatzeuge, ein 30-jähriger Klempner, der Mieter des Schuppens an der Altenaer Straße ist – und Eigentümer der Spülmaschine. Am 13. September sieht er zufällig, wie ein Auto sich rückwärts seinem Gelass nähert. Er wittert Unheil, denn ein paar Wochen zuvor war schon einmal eingebrochen worden. Seitdem fehlen zwei Fahrräder.

Der Schmied hat Frau und Schwiegertochter im Auto und behauptet: Die Gattin musste dringend mal, deshalb habe er den Garagenhof angesteuert. Der Klempner setzt sich in seinen Wagen, nähert sich dem Schuppen, „mit Handy am Ohr“, wie er Strafrichter Andreas Lyra erklärt, parkt das Auto des zwölffach vorbestraften Familienvaters zu – und beobachtet, wie der Schmied und seine Frau seine Spülmaschine tragen. Aber nicht etwa aus dem Schuppen heraus, sondern vom geöffneten Auto aus hinein.

Schlussfolgerung: Dann müssen sie sie vorher rausgeholt haben. Die Polizei trifft ein. Es erfolgt Strafanzeige wegen gemeinschaftlichen versuchten Diebstahls. Der 130-Kilo-Mann sagt: „Wir haben überhaupt nichts getragen.“ Seine Frau schweigt.

Strafverteidiger Kölz zweifelt an der Wahrheitsliebe des Zeugen und beantragt die Untersuchung der Spülmaschine auf Fingerabdrücke. Richter Lyra weist den Antrag zurück. „Selbst wenn man etwas nicht feststellt, heißt das nicht, dass nichts war.“ Für Amtsanwältin Martina Herzig gilt der Tatvorwurf als erwiesen. Der Zeuge habe keine Belastungstendenz erkennen lassen.

Strafrichter Lyra verurteilt das Ehepaar zu insgesamt 1100 Euro Geldstrafe. Nun spricht auch die Gattin des Schmieds, und zwar über den Richter. Sie sagt zu ihrem Mann: „Der hasst dich.“

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