Schluchzen nach dem Urteil

LÜDENSCHEID/HAGEN ▪ Mit gesenktem Blick sitzt Dennis G. auf der Anklagebank des Hagener Landgerichts. Der Lüdenscheider muss sich seit dem 14. Dezember wegen gewerbsmäßigen Betruges verantworten. Gestern nun verkündete die Kammer das Urteil: Drei Jahre und drei Monate Haft. Zudem wird der Haftbefehl gegen ihn wegen Fluchtgefahr aufrecht erhalten.

Im Moment der Verkündung brechen die Ehefrau und die Mutter des Angeklagten im Zuschauerraum in Tränen aus, lautes Schluchzen ist zu hören. Die Frau des 29-Jährigen weiß, dass sie und ihr zweieinhalbjähriger Sohn nun nicht nur während der Weihnachtsfeiertage, sondern wahrscheinlich auch noch lange Zeit danach auf den Ehemann und Vater verzichten müssen. Denn aufgrund zweier älterer Urteile müsste der Lüdenscheider im Falle der Rechtskräftigkeit des gestrigen Urteils für mehr als fünf Jahre in den Knast.

Dennis G. hatte bereits zu Beginn des Prozesses zugegeben, Anfang des Jahres den 28-jährigen Paul D. dazu gebracht zu haben, ein Gewerbe im Bereich Autovermietung anzumelden. Um an Leasingfahrzeuge für das Unternehmen zu gelangen, hatte der Angeklagte für 1000 Euro eine frisierte Bilanz erworben. Damit war er an einen BMW und einen Audi gekommen. Wegen finanzieller Schwierigkeiten hatte der 29-Jährige versucht, den BMW zu verkaufen, obwohl dieser der Leasingfirma gehörte. Ein Scheinkäufer der Polizei hatte den Betrug jedoch enttarnt und das Fahrzeug sichergestellt. „Als besonders belastend ist die hohe Zahl der Vorstrafen zu sehen”, sagte die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung. Aufgrund hoher Schulden bei einem Kredithai und die Aussicht auf eine lange Haftstrafe bestehe bei dem Angeklagten eine große Fluchtgefahr, weshalb der Haftbefehl nicht erlassen werden könne, erklärte die Kammervorsitzende weiter.

Während Dennis G. eher gefasst wirkte, war seine Frau völlig aufgelöst. Sie umarmte den Lüdenscheider nach dem Prozess noch ein letztes Mal, bevor er von den Justizvollstreckungsbeamten abgeführt wurde. ▪ jape

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