„Schleppen, bis der Büstenhalter reißt“

LÜDENSCHEID ▪ Es nieselt leicht, die Besucher frösteln, doch Wurst-Achim ist auch in solcher Lage zu Späßen aufgelegt: „So, mein zartes Reh, du musst heute schleppen, bis der BH reißt“, gibt der „amtierende deutsche Meister“ der Marktschreier seiner Kundin mit auf den Weg – neben Bergen von Wurst, die sie gerade zum Pauschalpreis erworben hat.

„Er ist das lauteste Lebewesen der Welt“, attestiert ihm Organisator Achim Borgschulze und berichtet davon, dass Wurst-Achim mit seiner Lautstärke sogar den Brüllaffen geschlagen habe, „das lauteste Lebewesen der Welt“. In diesem Sieg vollzog sich Weltgeschichte: „Seit 1950 hatte die Menschheit erfolglos versucht, den Brüllaffen zu schlagen.“

Noch heute von 9 bis 19 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr stehen die Marktschreier mit ihren Ständen auf dem Rathausplatz und locken ihre Kunden mit immer größer werdenden Käse- und Wurstbergen. Wobei Wurst-Achim seine besonderen Ansichten über die Ware seines Nachbarn Käse-Rudi hat: „Wurstkauf ist Vertrauenssache, Käsekauf ist Überwindungssache.“ Das sieht Rudi logischerweise völlig anders, und viele Kunden teilen seine Ansichten.

Hier findet er noch statt, der Kampf um den Gaumen mit allen Mitteln – vor allem Lautstärke, doch auch Witz, Charme und vor allem durch den Dialog mit den Verkaufs-Nachbarn, derer es einige gibt: Gewürz-Ecki, Pasta-Paule, Taschen-Ole, Kuchen-Ulli und Bananen-Nobbi, der seine empfindliche Ware nur ab Null Grad verkaufen kann.

Freibier, Wein und Häppchen, die die Gilde gestern den ersten Besuchern spendierte, verschwanden in erstaunlicher Geschwindigkeit in vielen Schlünden. Auch Bürgermeister Dieter Dzewas kostete einen Matjes-Hering und freute sich in seiner Begrüßung der Marktschreier, dass diese nach zehn Jahren wieder einmal nach Lüdenscheid gefunden hatten. ▪ thk

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