Schlaganfall: Zu viele Patienten viel zu spät dran

LÜDENSCHEID ▪ „Lieber einmal zu viel die 112 anrufen als einmal zu wenig!“ Oder: „Schlaganfall ist längst nicht mehr nur die Krankheit des höheren Alters.“ Die Akteure im Foyer des Klinikums sparen bei ihrer Aktion zum Tag des Schlaganfalls nicht mit eingängigen Warnungen und Empfehlungen – und treffen offensichtlich den Nerv der Interessenten. Zeitweise sind die Stände und Gesprächspartner der beteiligten Organisationen dicht umlagert.

Anlass für die geballte Aufklärung ist die Tatsache, dass „immer noch zu viele Schlaganfall-Opfer viel zu spät in die Klinik kommen“, sagt Dr. Barbro Balsjö-Sachse, Leitende Oberärztin in der Neurologie. „Beim Thema Herzinfarkt ist die Öffentlichkeit schon sensibilisiert. Wenn’s um Schlaganfall geht, aber nicht.“ Dabei sei der Schlaganfall auch eine Folge von Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Bewegungslosigkeit oder Übergewicht. Balsjö-Sachse: „Inzwischen sind auch viele junge Leute betroffen.“

Um einerseits die bekannten Risiken vorbeugend zu minimieren und andererseits auf die Notwendigkeit einer schnellen und fundierten Behandlung hinzuweisen, hat sich auch die Schlaganfall-Selbsthilfegruppe an der Aktion beteiligt, außerdem die ambulante Neuro-Rehabilitation mit ihrem Chefarzt Dr. Thomas Schirp. Unter seiner Regie werden derzeit bis zu 30 Patienten ambulant betreut und weitmöglichst wiederhergestellt.

Die Besucher konnten außerdem einen praktischen Nutzen aus dem Aktionstag ziehen. Monika Baier, Spezialistin für Funktionsdiagnostik, untersuchte per Ultraschall Halsschlagadern auf mögliche Engstellen oder Ablagerungen.

Warum Patienten mit einem „frischen“ Schlaganfall allzu oft auf einen Arztbesuch verzichten, erklärt der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes MK, Dr. Dirk Wierich. „Wir werden oft zu spät gerufen, weil Schlaganfall keinen großen Leidensdruck verursacht.“ Angehörige oder Zeugen müssten aber im Interesse des Patienten schnell handeln. „Jede einzelne Minute ist wichtig.“

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