Aufatmen im Klinikum Lüdenscheid

Höhere Überlebens-Chance für Schlaganfall-Patienten: Stroke Unit muss nicht schließen

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Nach der Beseitigung von Unklarheiten über die Bewertung der Patienten-Transportzeit ist die Zukunft der Lüdenscheider Stroke Unit gesichert.

Lüdenscheid - Nach großer Verunsicherung im vergangenen Jahr ist die Zukunft des Schlaganfallzentrums - der sogenannten Stroke Unit - am Klinikum Lüdenscheid jetzt gesichert. Dies ergab eine Rückfrage unserer Redaktion beim Klinikum.

Im Oktober 2018 hatten wir berichtet, dass der Bestand der Stroke Unit akut gefährdet sei. Hintergrund: Nach einer Entscheidung des Bundessozialgerichts vom Juni des Jahres war den Beteiligten zunächst unklar, ob zukünftig nur noch bestimmte Stroke Units finanzielle Sonderzulagen bekommen – nämlich jene, die einen Weitertransport von Patienten in ein übergeordnetes Spezialkrankenhaus (zum Beispiel mit Neurochirurgie) innerhalb von 30 Minuten gewährleisten können.

Knackpunkt: Zunächst war der Eindruck entstanden, diese 30 Minuten sollten ab dem Moment gezählt werden, in dem der Arzt bei einem Patienten die Notwendigkeit einer Behandlung in einer Spezialklinik erkennt. Bis dahin hatte es sich so verhalten, dass sich diese 30 Minuten nur auf die reine Transportzeit bezogen. Die Uhr lief also erst ab dem Moment, in dem der Transport des Patienten begann.

Heftige Proteste

Gegen die Neuregelung lief nicht zuletzt die Deutsche Schlaganfallhilfe Sturm. Von den 320 Schlaganfallzentren in Deutschland hätten nämlich sage und schreibe 270 – darunter auch Lüdenscheid – diese Forderung nicht erfüllt.

Das Klinikum Lüdenscheid jedenfalls musste sich seinerzeit auf alle Eventualitäten vorbereiten. Um nach dem neuen Urteil des Bundessozialgerichts eventuell entstehende Rückforderungen der Krankenkassen bedienen zu können, bildete es hohe Rückstellungen. Dies, so sagt Klinkum-Pressesprecherin Corinna Schleifenbaum nun, habe in der Folge die Frage aufgeworfen, „ob die hochqualifizierte Versorgung mit so hohen Vorhaltekosten ohne eine entsprechende Finanzierung überhaupt noch aufrechtzuerhalten“ sei.

Im Anschluss an das Urteil habe der Gesetzgeber jedoch die Strukturvoraussetzungen noch einmal klargestellt und erklärt, dass weiterhin die reine Transportzeit zähle.

Lage geklärt

Damit, so erläutert Corinna Schleifenbaum, standen mögliche Rückforderungen nicht mehr im Raum. Mittlerweile hätten die Krankenkassen auch gegenüber den Krankenhäusern schriftlich von ihren Forderungen Abstand genommen und die Finanzierung von Stroke Units damit gesichert. Corinna Schleifenbaum betont, dass im Klinikum Lüdenscheid nur sehr selten Transfers von Patienten in Kliniken mit einer Neurochirurgie notwendig seien. Das Kooperationshospital der Stroke Unit sei dabei die Neurochirurgie im Jung-Stilling- Krankenhaus in Siegen. Zusätzlich stehe auch die Neurochirurgie der Uni Essen dem Team als Ansprechpartner zur Verfügung. Kleinere neurochirurgische Akuteingriffe würden allerdings „fast zu hundert Prozent direkt vor Ort im Klinikum Lüdenscheid durch die kooperierenden Neurochirurgen aus der benachbarten Sportklinik durchgeführt“.

Re-Zertifizierung

Dass Schlaganfallpatienten im Klinikum eine Vollversorgung auf höchstem Niveau erhielten, sei zudem erst kürzlich wieder im Rahmen eines Audit zur Re-Zertifizierung deutlich geworden. So habe die unabhängige Auditkommission dem Team der Stroke Unit bereits im Abschlussgespräch des Audits bestätigt, „dass dort eine hochqualifizierte und gut organisierte Versorgung der Schlaganfallpatienten gewährleistet“ sei. Damit könne die bisher als regionale Stroke Unit zertifizierte Schlaganfallstation nach dem positiven Feedback der Kommission auf eine überregionale Zertifizierung hoffen.

Das endgültige Ergebnis und Zertifikat der Re-Zertifizierung wird für Oktober erwartet.

Stichwort: Stroke Unit

Die Stroke Unit ist laut Klinikum ein besonderer Bereich der Neurologischen Station am Klinikum Lüdenscheid, der Station 1.5. Sie umfasst acht Betten, wobei hochgradig gefährdete Schlaganfallpatienten, die sehr instabil sind und gegebenenfalls noch beatmet werden müssen, auf der Intensivstation behandelt werden.

Die Stroke Unit bietet alle für die moderne Schlaganfalldiagnostik erforderliche Verfahren wie extrakranielle und transkranielle Doppler, farbkodierte Duplexsonografie, hochauflösende und ultraschnelle Spiral-Computertomografie mit Gefäßdarstellung und multimodale Kernspintomografie.

Das Stroke-Unit-Konzept beinhaltet zum einen die rasche Akutversorgung der Patienten, zum anderen die lückenlose, medizinische Überwachung in der Akutphase, das heißt in den ersten 24 bis 72 Stunden nach dem Schlaganfall. In dieser Zeit treten häufig Komplikationen wie beispielsweise erneute Schlaganfälle, Herzrhythmusstörungen, Infekte oder Thrombosen auf, die die Prognose der Patienten verschlechtern können. Durch Monitorüberwachung der lebenswichtigen Funktionen wie Atmung, Sauerstoffgehalt im Blut, Herzfrequenz, Blutdruck, Blutzucker und Temperatur können Komplikationen frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Die zweite Säule des Stroke-Unit-Konzeptes beinhaltet die Frührehabilitation der Schlaganfall-Patienten, die schon am ersten Tag nach dem Ereignis einsetzt. 2017 wurden insgesamt 797 Patienten in der Stroke Unit behandelt. 2018 waren es 822 Patienten. Quelle: Klinikum/Wikipedia

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