Nächtlicher Brennpunkt Rathausplatz: Schlägerei vor Pizzeria

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Symbolbild

Lüdenscheid - Laut Polizei gibt es kein Wochenende ohne Schlägerei auf dem Rathausplatz. Diesmal sitzen zwei junge Männer auf der Anklagebank.

Es sind junge Burschen. Sie sind an den Wochenenden nachts unterwegs, betrinken sich und kriegen dann Hunger. 

Nach Mitternacht gibt es in der Innenstadt nur eine Adresse, an der sie Pizza oder Döner kaufen können: ein Imbiss am Rathausplatz. Strafrichter Thomas Kabus sagt: „Eine Polizistin hat mir erklärt, es gibt kein Wochenende ohne Schlägerei an dieser Stelle.“ Deshalb sitzen schon wieder zwei Angeklagte vor ihm. 

Die beiden, ein 24 Jahre alter Montagetechniker und ein 20-jähriger angehender Maschinen- und Anlagenführer, kennen sich untereinander nicht. Sie sollen aber am 24. November 2018 gemeinsam einen Jungen (16) vermöbelt haben. 

Der 24-Jährige sagt dazu: „Ich war da drin, einer stand im Weg, der wollte nicht zur Seite gehen, ein Wort gab das andere, da sind sie zu dritt auf mich drauf.“ Strafverteidiger Löber ergänzt: „Mein Mandant hat sich gewehrt, das war alles.“ 

Der mutmaßliche Komplize erzählt, die Bude sei voll gewesen, er habe seinen Döner bestellt, zufällig einen Ellenbogen in den Magen gekriegt, „ es ging hin und her – und vor der Tür lag einer auf dem Boden“ und sei von drei Typen mit Fäusten und Füßen bearbeitet worden. Der Richter spricht von „tumultartigen Zuständen“. 

Das Opfer, heute 18 Jahre alt, spricht von einem „Schubs von hinten“ und Hieben und Tritten gegen den Kopf. „Zum Glück konnte ich das Klinikum in derselben Nacht wieder verlassen.“ Für seine Eltern sei die Sache schlimmer gewesen als für ihn selbst. 

Im Internetdienst Instagram erkennt er wenige Tage nach der Keilerei „zufällig“ den 20-Jährigen wieder – und nimmt Kontakt auf. Sprachnachrichten erklingen im Gerichtssaal. „Ich war’s nicht!“, sagt der eine. „Ich weiß gar nicht, ob du dabei warst“, antwortet der andere. 

Mehrere Freunde sagen aus, tragen aber kaum zur Wahrheitsfindung bei. Die Erinnerungslücken heißen „Lange her“ oder „Hatte was getrunken“. Die Vorwürfe der Anklage sind nicht nachzuweisen. 

Nur eine Trunkenheitsfahrt des 24-Jährigen durch Gevelndorf bleibt übrig. Die kostet 1800 Euro Geldstrafe und ein Jahr Sperre der Fahrerlaubnis. Die jungen Burschen dürfen ansonsten unbehelligt nach Hause. Die Party geht weiter.

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